Kandern Die Feuerwehr kommt – und die Kinder sind aus dem Häuschen

Die Schüler waren die „Opfer“ der Großübung – und hatten sicher am meisten Spaß daran. Foto: Weiler Zeitung

Kandern (jut). „Tatütata“-Rufe und ein rhythmisches „Feu-er-wehr, Feu-er-wehr“ sind schon von weitem zu hören. Aufgeregt hopsen 40 Drittklässler aus der Hebelschule in Rheinfelden am Wiesenrand auf und ab; vier Lehrerinnen haben ihre liebe Mühe, die aufgekratzte Meute im Zaum zu halten.

Die Kinder sind eingeweiht in die große Feuerwehrübung auf der Jugendherberge „Platzhof“, schon jenseits der Scheideck aber noch auf Kanderner Gemarkung, die sich am Mittwochabend vor ihren Augen abspielt. Und drei der Kinder spielen im Szenario eine wichtige Rolle – sie haben sich als „vermisste Personen“, wie es im Feuerwehr-Jargon heißt, in den oberen Räumen der Jugendherberge versteckt.

13 Fahrzeuge – zur Begeisterung der Buben

Herbergsmutter Sabine König hat um 19.05 Uhr die Alarmanlage im Platzhof ausgelöst. Angenommen wird ein Brand im Gebäude. Die Schüler und ihre Lehrerinnen kommen in kleinen Gruppen aus der Herberge und treffen sich an der mit einem Piktogramm ausgewiesenen „Sammelstelle“. Die Lehrerinnen zählen durch. Drei Kinder fehlen. Der Gesamtkommandant der Kanderner Feuerwehr, Günter Lenke, hat die Lösch- und Rettungsübung mit dem Alarm eingeleitet. „Wir haben mehrere Jahre nicht am Platzhof geübt – das war wieder einmal nötig“, berichtet er.

Laut Rettungsplan müssten die Wehren zuerst aus den beiden nahegelegenen Steinener Ortsteilen Schlächtenhaus und Endenburg, dann erst aus Kandern eintreffen. Schon nach sieben Minuten rollt das erste Feuerwehrfahrzeug, ein Löschfahrzeug aus Schlächtenhaus, in den Hof, gefolgt von einem Mannschaftstransportwagen – dann reißt die Kette nicht ab. Zur Begeisterung der Buben sind nach kurzer Zeit bereits 13 große und kleine Fahrzeuge vorgefahren. Auch das Kanderner Fahrzeug mit der bis auf über 30 Meter ausfahrbaren Drehleiter trifft ein.

Sabine König hält laminierte Pläne bereit, die die Stockwerksaufteilung und die Fluchtwege in der Jugendherberge zeigen. Auch die Feuerwehr hat Unterlagen zum Gebäude mitgebracht. Jetzt geht alles Schlag auf Schlag: Zwei Atemschutzgeräteträger laufen ins Haus, um die vermissten drei Personen zu suchen. Die Drehleiter wird positioniert und ausgefahren. Die drei beteiligten Wehren rollen Schläuche ab und verkoppeln diese.

Zum Schluss noch ein Geburtstagsgeschenk

Auf der Rückseite des Platzhofs liegt ein Hydrant, der angeschlossen wird, weitere Leitungen führen Richtung Löschteich. Eine Versorgungsleitung von 400 Metern Länge wird auch zum Brandweiher am Auhof hergestellt. Die Schüler schätzen, wie lange die Atemschutzgeräteträger brauchen, um die drei Klassenkameraden zu finden. Das geht glücklicherweise ganz schnell, die Feuerwehrleute führen die drei „Opfer“ aus der Jugendherberge.

Mittlerweile sind 75 Feuerwehrleute vor Ort. Der Löschangriff startet von oben über die Drehleiter und zudem rund um das Gebäude. Die Zusammenarbeit der Wehren mit den Einsatzleitern Jens Probst und Zugführer Mike Lenke (Kandern), dem Steinerner Gesamtkommandanten Hildolf Schwald und Oberlöschmeister und Einsatzleiter Armin Schlozer (Schlächtenhaus) sowie dem Endenburger Kommandanten Thomas Forsthuber klappt reibungslos. Alles läuft Hand in Hand. Günter Lenke macht einen entspannten Eindruck – auch als die Feuerwehrleute untereinander Wasservorräte vergleichen und auf „einigen Rohren mehr Druck“ fordern.

Als klar ist, dass die Übung ein voller Erfolg war und beendet werden kann, hält es die zappelnden Kinder nicht länger. Begeistert stürzen sie sich kreischend in den auslaufenden Löschangriff. „Hoffnungslos, in neuen T-Shirts und in Hausschuhen – die können sich jetzt alle wieder umziehen“, stöhnen die Lehrerinnen. Für ein kleines Mädchen, das Geburtstag hat, organisiert Lenke eine Überraschung: Es darf mit einem Feuerwehrmann in den Korb der großen Drehleiter, die ausgefahren wird und über das Gelände schwenkt. Die Schülerin strahlt.

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