Kandern „Durch jede Krise wächst man“

Das Kursangebot an der VHS Kandern ist vielfältig. Die Corona-Pandemie erzwingt aber auch hier, dass neue Wege beschritten werden.Foto: sba Foto: Weiler Zeitung

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens aus. Auch die Volkshochschule (VHS) Kandern, die im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, hat konsequent reagiert und setzt bis zum Herbst alle Veranstaltungen aus.

Von Adrian Steineck

Kandern. Im Gespräch mit der VHS-Leiterin Christina Fräulin wollte unsere Zeitung wissen, was dies für die Dozenten bedeutet und in welchem Umfang Online-Kurse eine Alternative zum üblichen Kursangebot sein können.

Frage: Frau Fräulin, was waren die Gründe für das Aussetzen des Kursbetriebs an der VHS Kandern?

Der Hauptgrund war, dass sich die Aussagen dazu, wann in welcher Form eine Wiederaufnahme des VHS-Betriebs möglich sein wird, teilweise widersprechen. Hier bekommen wir jede Woche andere Informationen, das verwirrt Teilnehmer und Kursleiter. Wir wollten jetzt Klarheit schaffen. Da mit großer Wahrscheinlichkeit im September ein weitgehend „normaler“ Betrieb wieder möglich sein wird, konzentrieren wir uns jetzt auf die Zusammenstellung eines Herbstprogramms, das auch die meisten der ausgefallenen Veranstaltungen beinhalten wird. Hier sind wir momentan bereits dabei, mit den Kursleitenden neue Termine zu vereinbaren. Somit sind die Veranstaltungen nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.

Frage: Was ist mit der Hygiene?

Die zu erwartenden Auflagen hinsichtlich Hygienevorschriften könnten wir teilweise nicht einhalten oder nicht in absehbarer Zeit umsetzen. Bis zum Herbst werden die Gebäude etwa mit Desinfektionsmittelspendern ausgestattet sein, momentan ist dies aufgrund von Lieferengpässen noch nicht möglich. Momentan werden die Räumlichkeiten wöchentlich gereinigt, die zu erwartende Auflage einer täglichen Reinigung ist nicht finanzierbar. Zudem stellt uns eine zu erwartende Beschränkung der Teilnehmerzahl vor unüberwindbare finanzielle Hürden, da die Kurse ohnehin sehr knapp kalkuliert sind. Bei weniger Teilnehmern haben wir keine Kostendeckung. Diese Gründe führten in Rücksprache mit der Stadtverwaltung und den VHS-Verantwortlichen zur Entscheidung, den Kursbetrieb regulär im Herbst wieder aufzunehmen. Wichtig ist, dass diese Regelung nicht für die Kurse unserer Kooperationspartner gilt. Dies sind etwa die Tanzschule, die Kunstwerkstatt, der Golfplatz Bad Bellingen oder auch die Outdoor-Angebote von BlackForestMagic. Hier gelten die Regelungen des jeweiligen Kooperationspartners. Sobald diese wieder die Betriebserlaubnis haben, können sie den Kursbetrieb – unter Einhaltung der jeweiligen Hygienevorschriften – wieder aufnehmen. Zu den VHS-Kursen für Grundschulkinder zur Betreuung in den Schulferien werden wir informieren, sobald es hierzu Klarheit gibt.

Frage: Sie schreiben in der Mitteilung zur Aussetzung des VHS-Programms dazu auch, dass Sie Online-Kurse anbieten wollen. Wie ist da der aktuelle Stand?

In Kooperation mit den Volkshochschulen der Region Hochrhein werden unter dem Motto „Regional – Digital“ in den nächsten Wochen Online-Angebote wie Sprachkurse oder Vorträge auf unserer Webseite verlinkt. Aktuell sind dies Fremdsprachkurse der VHS Konstanz und ein „Philosophischer Boxenstopp“ der VHS Grenzach. Diese Angebote werden weiter ausgebaut. Von Seiten der VHS Kandern sind momentan noch keine kostenpflichtigen Onlinekurse in Arbeit, da die technischen Voraussetzungen noch nicht gegeben sind. Die VHS Kandern kann angesichts der angespannten Finanzlage nicht in absehbarer Zeit mit entsprechendem Equipment ausgestattet werden, um auch Teilnehmern, die selbst zuhause nicht die nötige Ausstattung haben, mittels VHS-eigenem technischen Equipment eine Teilnahme zu ermöglichen. Dies führt zwangsläufig dazu, das einzelne Teilnehmer „abgehängt“ werden, was nicht Sinn der Sache sein kann. Unabhängig davon planen wir für das kommende Jahr einen Ausbau des Bereichs der beruflichen Bildung mit Onlinekursen über das Xpert-Business-Netzwerk. Auch sind Onlinekurse im Bereich Kunst und Kultur mit unserer Kooperationspartnerin Insa Hoffmann bereits in Planung – beides unabhängig von der Corona-Krise.

Frage: Forscher vermuten, dass die Corona-Krise der Digitalisierung in Deutschland einen Schub verpassen wird. Sehen Sie da in Bezug auf die VHS Kandern noch Nachholbedarf?

Wie soeben angeführt sehe ich da durchaus Nachholbedarf, das habe ich in einer Rundmail auch meinen Kursleitern und Kooperationspartnern gegenüber geäußert. Allerdings muss das alles gut durchdacht und sowohl technisch als auch personell entsprechend professionell umsetzbar sein, bevor diese Angebote freigeschaltet werden. Ich halte nichts davon, Unausgegorenes auf den Markt zu werfen, nur um auf der Digitalisierungswelle mitzuschwimmen. Ein kostenfreies digitales Signal mit einem kleinen Video oder Ähnlichem in der Corona-Pause zu senden, ist kein Problem. Hier beteiligen sich ja auch schon mehrere unserer Kursleiter mit kleinen Videosequenzen. Wenn jedoch Kursgebühren erhoben und Honorare gezahlt werden sollen, dann muss das Ganze Hand und Fuß haben. Wichtig ist auch, dass Präsenzangebote nicht durch Onlineangebote ersetzt, sondern nur ergänzt werden sollen. Die VHS sollte weiterhin als Bildungs- und Begegnungsstätte vor Ort erhalten bleiben. Wir werden daher mit Online-Angeboten nur unser Programm erweitern, nicht jedoch Kursangebote hier vor Ort dadurch ersetzen.

Frage: Was ist mit den Kursen, für welche die Teilnehmer bereits die Teilnahmegebühr bezahlt haben?

Wir sind momentan dabei, alle angemeldeten Teilnehmer zu informieren, dass bereits bezahlte Teilnehmergebühren für künftige Kurse gutgeschrieben werden. Auf Wunsch werden diese selbstverständlich auch sofort zurückerstattet. Beides ist möglich.

Frage: Was bedeutet die VHS-Schließung für die Dozenten – für Feste und für Freiberufliche?

Festangestellte Dozenten haben wir nicht. Da unsere Kursleiter zumeist nur einen oder zwei Kurse pro Semester bei der VHS Kandern anbieten, sind die finanziellen Einbußen nicht so groß. Viele sind nur nebenberuflich für die VHS tätig. Zudem werden viele Angebote im Herbst nachgeholt. Alle Kursleiter, mit denen wir bislang gesprochen haben, unterstützen unsere Entscheidung und haben bereits neue Termine für den Herbst vereinbart. Viele sind auch erleichtert, dass nun Klarheit herrscht und man weiß, wo man dran ist. Eine Meinung, die übrigens auch von vielen Teilnehmern geteilt wird, mit denen wir sprechen konnten.

Frage: Haben Sie eine ähnliche Krise wie die Corona-Pandemie in Ihrem Berufsleben bereits erlebt, etwa ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise oder die Angst vor Terroranschlägen?

Nein, mit einer ähnlichen Krise war ich bislang in meinem Berufsleben nicht konfrontiert. Durch meine bisherigen Tätigkeiten bin ich jedoch gewohnt, mit schmalem Budget haushalten zu müssen und erfinderisch zu sein, was die Finanzierung von Angeboten betrifft. Hierzu gehört neben der Akquise von Fördermitteln auch die Fähigkeit, das Beste aus dem zu machen, was einem als Mittel zur Verfügung steht und neue Wege zu gehen, etwa durch ein Büffet, das in einem Kochkurs zubereitet wurde, anstatt eines Caterings beim irischen Abend.

Frage: Wird es eine Rückkehr zur früheren Normalität und Unbeschwertheit der Zeit vor Corona Ihrer Meinung nach überhaupt geben?

Genau so wie vor der Krise wird es meiner Meinung nach nicht werden, denn durch jede Krise und Herausforderung wächst eine Gesellschaft und der Einzelne. Die Pandemie birgt – so schlimm sie ist – aber durchaus auch Potenzial, sich zu besinnen auf die eigenen Möglichkeiten und etwa die Produktion von Lebensnotwendigem wieder ins Inland zurück zu verlagern. Es wäre zu hoffen, dass in dieser Hinsicht ein Umdenken stattfindet und auch anhält. Auch weiß man bestimmte Dinge erst richtig zu schätzen, wenn man eine Zeit lang darauf verzichten musste, wie etwa die Reisefreiheit.

Frage: Im kommenden Jahr feiert die VHS-Kandern ihr 100-jähriges Bestehen. Was bedeutet die Corona-Pandemie für die Planungen zum Jubiläumsjahr?

Zunächst mal sind hier natürlich die Voraussetzungen zu erfüllen, dass auch größere Veranstaltungen wie etwa im Bürgersaal unter verschärften Hygienevorschriften stattfinden können. Wichtig ist daher zunächst die Ausstattung der Räumlichkeiten zur Einhaltung der Hygienevorschriften. Dann ist zu berücksichtigen, dass eventuell mehr Veranstaltungen in kleineren Gruppen geplant werden müssen, statt weniger größerer Veranstaltungen. Es wird daher einen „Tag der offenen Tür“ geben, eine Ausstellung „100 Jahre VHS Kandern“, zahlreiche Veranstaltungen zum Leben vor 100 Jahren, zum Gründungsjahr und zur Vergangenheit der VHS – alle diese Veranstaltungen sind auch in kleineren Gruppen denkbar. Erst zum Abschluss dann soll es einen Festakt im Bürgersaal geben. Ob und in welcher Form diese Planungen dann den jeweiligen Pandemie-bedingten Gegebenheiten angepasst werden müssen, ist bisher noch nicht abzusehen. Da gilt es vorerst weiter abzuwarten, wie sich das alles entwickelt.

Bleiben Sie immer bestens und umfassend informiert: Jetzt 4 Wochen für 4 Euro das ePaper inkl. Vorabendausgabe lesen! Schnell HIER anfordern.

Umfrage

Corona-Regeln

Die Corona-Infektionszahlen steigen wieder an. Werden Sie Ihre Aktivitäten jetzt wieder verstärkt einschränken und persönliche Kontakte vermeiden?

Ergebnis anzeigen
loading