Die Möbel, kunsthandwerklichen Souvenirs und sonstigen typischen Utensilien im Stil der 50er-Jahre werden nach heutigen ästhetischen Kriterien vor allem deshalb wertgeschätzt, weil sie mit nostalgischen Erinnerungen verbunden sind.

Von Walter Bronner

Kandern. Dass seinerzeit speziell auf dem Sektor der Kunstkeramik auch Bedeutendes geschaffen wurde, will die neue Sonderausstellung im Kanderner Heimat- und Keramikmuseum nachweisen. Etwa 80 erlesene Objekte, vorwiegend Gefäßkeramik, aber auch figürliche Tonplastiken ermöglichen hier bis Ende Oktober eine umfassende Draufschau auf hochwertige deutsche und französische Töpferkunst jener Epoche.

Es war unter anderem Pablo Picasso, der in den 50er Jahren im südfranzösischen Valauris mit Keramik experimentierte. Eine kleine Vase aus einer seiner Editionen wird als besondere Kostbarkeit auch in dieser ausschließlich aus Leihgaben arrangierten Ausstellung gezeigt. Ebenso das Schaffen der damals angesagten Kanderner Keramikkünstler Richard Bampi, Hermann Karl Hakenjos und des jungen Horst Kerstan, dessen dunkeltonige Frühwerke mit ihren wohlproportionierten Dekoren ihn damals schon deutlich als einen schöpferischen Individualisten auswiesen.

Daneben finden sich auch einige rare, formal und dekormäßig bildhübsch gestaltete Vasen, Schalen, Figuren und Wandteller von Ursula Kluge-Hakenjos, der früh verstorbenen Mutter der heutigen Betreiberin und Inhaberin der Traditionswerkstatt Hakenjos, Sabine Kluge.

Bekanntlich waren die 50er Jahre eine Zeit, in der sich die Menschen nach dem verheerenden Weltkrieg wieder allmählich den schönen Seiten des Lebens zuwandten, und Künstler und Kunsthandwerker dies auch in optimistisch wirkenden Stilelementen auszudrücken versuchten. Das gilt auch für die französischen Meister, deren Arbeiten hier zu sehen sind.

Etwa Alexandre Kostanda (Valauris), dessen Werke als stilbildend für seine Zeit galten, oder die am gleichen Ort bestehende nicht minder renommierte Werkstatt der Familie Madoura, bei der Picasso experimentieren durfte.

Und natürlich die Elsässer Keramiker-Dynastie Elchinger, deren bedeutendstem Meister, Léon Elchinger, die letztjährige Sonderausstellung gewidmet war. In der neuen kommen jetzt sein Sohn Fernand Elchinger und der bei ihm tätige brillante Designer Robert de Montgolfier mit herausragenden Exponaten zu verdienten Ehren. Ebenso der Soufflenheimer Meister, der sich Jean Grillon nannte, aber eigentlich auch Elchinger hieß.

Präsentiert werden überdies Kreationen damaliger Zeit der Majolika-Manufaktur Karlsruhe, etwa von Erwin Spuler und Fridegart Glatzle, ein hochwertiges Frühstücksgedeck der Gräflich Oldenburgischen Steingutmanufaktur Tambach (Flohmarktfund von Kustodin Gisela van Mahnen, die gemeinsam mit Hermann Hakenjos jr. die Ausstellung auch kuratierte) und ein gutes Dutzend Frauenkopf-Wandmasken sowie etliche Kleinplastiken von Frauenfiguren der Porzellanfabrik Cortendorf bei Coburg. Dazu etliche 50er-Jahre-Kleinmöbel sowie Musterblätter und Entwurfsskizzen einer Werkstätte.

Eröffnungsfeier der neuen Ausstellung ist am Samstag, 24. März, 16 Uhr, in der Aula der Grundschule. Einführende Referate halten Hermann Hakenjos (deutsche Werkauslese) und der Elsässer Sammler Rainer Syring (französische Exponate). Dauer der Ausstellung bis 28. Oktober; Öffnungszeiten: Mittwoch 15 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr.