Kandern Hübner mehr Aufmerksamkeit geben

Christoph Schennen
Markus Manfred Jung hat zu seinem Vortrag auch ein Bild von Paul Hübner mitgebracht, das dieser ihm geschenkt hat. Foto: Christoph Schennen

Markus Manfred Jung hat in der Stadtbibliothek an das künstlerische Schaffen von Paul Hübner erinnert. Der Förderverein hat den Vortrag anlässlich seines 25-jährigen Bestehens organisiert.

Jung hat den 2003 in Kandern gestorbenen Schriftsteller und Maler persönlich gekannt und konnte seinen Vortrag daher mit Schilderungen persönlicher Begegnungen bereichern. Jung ist im Jahr 1985 über eine Rezension in einer großen Wochenzeitung auf Hübner gestoßen. Er las dessen „Lappland Tagebuch 1941“, in dem Hübner seine Zeit als Soldat in Nordeuropa verarbeitet, auf Landserromantik sowie die Beschönigung des Grauens verzichtet und stattdessen die „Entbehrungen eines Einzelnen“ (Jung) in Kriegszeiten in den Vordergrund stellt.

Jung besucht Hübner

Jung begann einen Briefwechsel mit Hübner und las weitere Werke des gebürtigen Lörrachers – zunächst „Der Berg“, eine Geschichte von jungen Menschen, deren Geschick sich am Belchen erfüllt. „Ich war fasziniert und befremdet vom naturmagischen und mystischen Grundton des novellenhaften Textes“, sagte Jung. Er erinnerte ferner daran, dass Hübner auch Lyrik schrieb, nachzulesen ist sie in dem Buch „Gedichte 1936 - 1948“. „Meisterhaft geformte expressionistische, sinnbildhafte lyrische Gebilde“ habe Hübner geschaffen, so Jung.

Ihre Wertschätzung für die alemannischen Gedichte Manfred Marquardts verband die beiden und führte zu einem persönlichen Kennenlernen, das sich zu einer Freundschaft entwickelte. Hübner wohnte in einem Haus auf der Stockmatt, unterhalb des Lipple.

Bei einem dieser Treffen erzählte Hübner, wie er als Dreieinhalbjähriger im Rhein schwimmend Onkel und Tante die Zunge raussteckte und ihn dann eine Wespe in die Zunge stach. Dieser schmerzhaften Begebenheit hat der Autor viel zu verdanken – das „wäsehafti Ufgoh in allem, die Selbstvergessenheit, die wesenhafte Begegnung mit irgendöbbis – ’s cha sogar mit ere Teligrafeschtange sii.“

Es geht um Heimat

Jung las dann noch einen Auszug aus Hübners „Zur Frage nach dem Wesen des Menschen“ vor, in dem Hübner unter anderem den Heimatbegriff definiert. Daheim ist man, laut Hübner, „wenn man von ganzen Herzen sich vergessen und sich den Dingen zuwenden kann, also ganz Liebender sein kann.“

Jung trug ferner das Gedicht „Z’Wiil“ von Hübner vor, in dem er ein idyllisches Bild seiner Heimat Alt-Weil zeichnet und sein Gedicht „S’Glück“, das er Paul Hübner gewidmet hat. Hübner hat vom Schreiben nie leben können – er war Chemielaborant bei Hoffmann La Roche und wurde später Lehrer. Auch seine 3000 Bilder machten ihn nicht zu einem reichen Mann. Sie werden von seiner Tochter, Christiane Ahlswede, verwahrt und verkauft.

Das Dreiländermuseum, die Villa Kaltenbach, das Kunstmuseum Stuttgart, das Kunstmuseum Basel und Schloss Moyland besitzen laut Jung Werke des Kanderners, für den sich Jung wünscht, dass sein Oeuvre mehr Aufmerksamkeit bekommt.

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