Kandern Lust, Leben und Leiden

Von Gabriele Hauger

Kandern-Riedlingen. Das Theater im Hof ist der Pandemie-Herausforderung im letzten Sommer mit einem schönen Kultur-Programm begegnet. Das soll auch dieses Jahr so sein. Dieter Bitterli und seine Frau Dorothea Koelbing Bitterli bieten ab 29. Juli im Hof unter der Kastanie eine bewährte Mischung aus Konzert und Lesung, ergänzt von zwei emotionalen Geschichten-Erzählungen – auch für Kinder.

Zum Auftakt geht es stromaufwärts mit Musik von den Ufern der Donau. Christian Fromentin, letzten Sommer bereits mit dem Quintett Bumbac in Riedlingen zu hören, präsentiert mit Violine, Gitarre und Gesang gemeinsam mit der Akkordeonistin Catherine Roy Klänge aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei, Österreich und Deutschland, ein Zusammenspiel voller Lust und Leben. Alte, traditionelle Melodien werden durch heutige Instrumentierung verwandelt, die Musik neu und persönlich gegriffen, erklärt Dieter Bitterli voller Vorfreude auf das Konzert (28./30. Juli, 20.30 Uhr). „Die beiden sind fantastisch aufeinander abgestimmt und glänzen mit ihren Improvisationen.“

Ausgewählte Briefe und die Erzählung „Das Erdbeben in Chili“ von Heinrich von Kleist werden von Mathias Noack gelesen (31.7. und 7.8., 20.30 Uhr). In den Texten geht es um Fragen der menschlichen Existenz. „In extremen Situationen treten die speziellen Verhaltensweisen des Menschen zutage, davon spricht Kleist, und darin kann man natürlich auch Parallelen zu heutigen Krisensituationen ziehen“, erläutert Bitterli. Der Schauspieler Mathias Noack ist regelmäßiger, gern gesehener Gast beim Theater im Hof. Er spielte unter anderem am Maxim Gorki Theater, am Deutschen Theater in Berlin und wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. Seit 2014 ist er Professor an der Universität der Künste Berlin.

Ebenso regelmäßig tritt der Musikspieler Jürg Kienberger vor das Publikum in Riedlingen. Er serviert sich einen Tee und musiziert, verspricht das Programm, und dazu noch eine Überraschung fürs Auge, mehr möchte Bitterli nicht verraten (4. und 5.8., 21 Uhr).

Bach-Suiten und Mantra-Singen? Eine höchst interessante Kombination, die unter dem Titel „Spiritual Bach“ von dem spanischen Cellisten Alfredo Ferre geboten wird (11.8., 20.30 Uhr). Er studierte unter anderem bei Sol Gabetta, gewann namhafte Preise und kombiniert klassische, elektronische und spirituelle Musik. Die Mantras werden jeden Abend neu improvisiert. „Die Musik von Bach, die für mich Ordnung und Frieden repräsentiert, ist in unsere Zeit von Isolation und Ungewissheit sehr notwendig“, wird der Musiker zitiert. Und weiter: „Bach ermöglicht es mir, mich mit dem großen Ganzen zu verbinden.“

Erstmals im Theater im Hof zu Gast ist Schauspieler Jens Harzer, der aus Hölderlins Roman „Hyperion“ liest (13.8., 20.30 Uhr). Im Film arbeitet Harzer mit Größen wie Michael Verhoeven, Tom Tykwer und Wim Wenders, erhielt viele Preise und wurde zwei Mal von der Zeitschrift Theater Heute zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 2019 ist er Träger des Iffland-Rings. „Er beschäftigt sich unglaublich intensiv mit der Sprache: semantisch, klanglich, rhythmisch“, so Bitterli.

Ein weiteres Konzert präsentiert das vor Musikalität sprühende belgische Duo Szabadság“, zu Deutsch Freiheit. Gespielt werden mit Violone, Viola, Quinton, Mandoline und Mandola im Wechsel sowie Gesang Klezmer, Bluegrass und Irish Folk mit subtilen Arrangements und Improvisationen. Titel des Abends (14. und 15.8., 20.30 Uhr): „Ellis Island“, eine Anspielung auf die Insel vor New York, die die Immigranten aus der ganzen Welt passieren mussten.

Nicht zu vergessen die Geschichten für Kinder und Erwachsene unterm Kastanienbaum mit Gabi Altenbach (8.8., 11 und 15 Uhr): Märchen vom Sommer sowie wilde griechische Sagen werden von der Spielerin ungemein emotional und lebhaft erzählt, dabei stets in Kontakt mit dem Publikum tretend.

Zeitlich und örtlich aus der Rolle fallen Lesung und Gespräch mit der Autorin Marion Poschmann und ihrem Roman „Die Kieferninseln“ (15.9., im Kino Kandern). Eine Schriftstellerin, die Bitterli unbedingt im Programm haben wollte, die aber nur zu diesem späten Termin anreisen kann. Sie wurde für ihre Lyrik und Prosa mehrfach ausgezeichnet und wird im Programmheft folgendermaßen zitiert: „Ich beschäftige mich in der Literatur mit der Machtlosigkeit, der Selbsttäuschung, aber auch der Liebesfähigkeit und der Entgrenzung des Subjekts.“  Karten ab 20. Juli unter Tel. 07626/972081; Infos: www.theaterimhof.de

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