Kandern Nur unter Vorbehalt

Markus Adler
Kandern könnte einen Gestaltungsbeirat bekommen. Foto: Tourist-Info Kandern

Kann sich Kandern einen wünschenswerten Gestaltungsbeirat leisten?

Nur unter einem klaren Haushaltsvorbehalt hat der Kanderner Gemeinderat beschlossen, einen eigenen Gestaltungsbeirat einzurichten. Das Gremium hätte beratenden Charakter und würde die Stadt bei städtebaulichen Fachfragen begleiten. Weiteres zweites Instrument ist eine gestalterische Beratung durch Fachleute auch bei Projekten von Privatleuten.

Die Idee eines Gestaltungsbeirats entstand als Teil der Bewerbung der Stadt als Schwerpunktgemeinde im Zuge des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) des Landes. Seit Juli 2022 besteht der Kontakt der Stadtverwaltung mit einem von der Architektenkammer vorgeschlagenen Gremium zur Gründung eines Gestaltungsbeirats.

Vorgeschlagen waren dafür Professorin Susanne Dürr von der Fakultät für Architektur und Bauwesen an der Hochschule Karlsruhe, Sabine Schneider vom gleichnamigen Architekturbüro aus St. Georgen im Schwarzwald und Andreas Böhringer, Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer des Büros AG Freiraum in Freiburg. Die drei Mitglieder stellten sich in der Gemeinderatssitzung der Öffentlichkeit vor.

„Wir dürfen Fragen stellen und haben kein Gesicht zu verlieren“, sagte Dürr bei der Vorstellung. „Und wir bringen unser Netzwerk mit“, erläuterte sie und nannte als Beispiel die Idee für eine Dorf- und Feuerwehrhaus für den Ortsteil Riedlingen. Diesen Punkt habe sie bereits an die Hochschule mitgenommen und sei schon gespannt, was sich daraus entwickeln werde.

Bürgermeisterin Simone Penner ergänzte: „Wir müssen über den Tellerrand schauen. Der Gestaltungsbeirat trifft aber nur Empfehlungen, entscheiden müssen Sie als Gemeinderäte.“ Zudem soll es für private ELR-Projekte in der Förderung Beratung durch den Verein „Bauwerk Schwarzwald“ geben. Aus Fördermitteln bekommt Kandern für 2023 insgesamt 9400 Euro für beide Gremien, insgesamt kosten beide Instrumente jährlich etwa 22 000 Euro.

Angesichts eines zu erwartenden gigantischen Lochs im nächsten Haushalt in der Größe von 1,5 bis zwei Millionen Euro Minus, das Kämmerer Benedikt Merkel im Haushaltszwischenbericht für 2024 in Aussicht gestellt hatte, blieben fragende Gesichter bei manchen Gemeinderäten: Kann sich Kandern ein solches Instrument nächstes Jahr überhaupt noch leisten? „Das Problem ist, dass wir den ELR-Antrag bis Ende August gestellt haben müssen“, sagte Bürgermeisterin Penner. „Da ist es etwas spät, wenn wir über die Fortführung erst in den Haushaltsberatungen entscheiden wollen.“

Der Gestaltungsbeirat soll dabei nicht nur nach innen wirken, sondern auch mehr Bürgerbeteiligung ermöglichen. Zwei Begehungen und eine Bürgerinformation gab es schon – also fachlich bringt es die Stadt an der Kander schon vorwärts. Bei einer Enthaltung stellte der Kanderner Gemeinderat die Entscheidung zurück – bis zum Herbst 2023.

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