Kandern Reise durch Europas Kulturen

Hingebungsvoll: die Geigerin Ariane Cohen-Adad und der Mandolinenspieler Jefferson Louvat bei ihrer musikalischen Reise im Theater im Hof Foto: Jürgen Scharf

Kandern-Riedlingen - Die Reise geht weiter. Das Sommerprogramm im Theater im Hof ist „On the Road“. Ging es zu Beginn mit dem Duo Martenitsa stromaufwärts, entlang den Ufern der Donau, vom Delta im Schwarzen Meer, durch Rumänien, Bulgarien, die Slowakei, nach Wien, bis zur Quelle, so gab es dann einen „Umweg“ über Tibet: Bei „Spiritual Bach“ und Mantra-Singen mit Alfredo Ferre waren Echos aus östlichen Kulturen, tibetische Musik, hinduistische und arabische Gesänge zu hören.

Weiter führte die musikalische Reise über den großen Teich nach New York, wo die Immigranten in Ellis Island, einer vorgelagerten Insel als Durchgangsstation, ankamen. Das Unterwegssein von Menschen bis hin zu Auswanderern und Flüchtlingen war in dieser Spielzeit unter der Kastanie oder im Schopf, je nach Wetterlage, einer der roten Fäden. Auch die dabei gehörte Musik war eine Reise durch Europa und europäische Musikstile bis hin zum Genre der Country-Musik.

Und die beiden letzten Abende mit dem Duo Szabadság (ungarisch für Freiheit), das mit seinem Programm „Ellis Island“ sein neues CD-Album vorstellte, könnte man gut und gern in die Kategorie Weltmusik einreihen.

Der Titel war eine Anspielung auf die große Einwandererwelle von Europa nach Amerika und eine Hommage an die Immigranten aus allen Ländern der Welt auf ihrem verzweifelten oder hoffnungsvollen Weg in ein neues Leben.

Die Geigerin Ariane Cohen-Adad und der Mandolinenspieler Jefferson Louvat brachten einen globalen Sound mit, neue Klänge, neue Rhythmen. Die typisch amerikanische Folkmusikrichtung des Bluegrass kommt ohne Fiddle nicht aus, auch nicht ohne Mandolinen. Letztere ersetzen, perkussiv gespielt, das Schlagzeug.

Stilistisch und spieltechnisch wird hier die Geige und die Bratsche anders verwendet als in der klassischen Musik. Das macht Ariane Cohen-Adad vor, die eine solide klassische Ausbildung durchlaufen hat. Sie kann bestens Klezmer, jiddische Musik und Balkanrhythmen spielen, genauso wie amerikanische Fiddle-Stücke und Hillbilly.

Die Geigerin kommt in den Hof ganz in Schwarz, im kurzen Rock, mit schwarzen Stiefeln und einer roten Blume im Haar. Und wenn sie den Bogen an ihrem Instrument ansetzt, hängt der Blick des Zuhörers fasziniert an ihrem rhythmisch schnellen Spiel. Sie weiß sogar mit einer losen Saite Klänge zu erzeugen. Mit ansteckender Fröhlichkeit nimmt sie die Zuhörer gern mal nach Kentucky zu den Bluegrass-Koryphäen mit.

Phänomenales Geigenspiel

Cohen-Adad spielt ein Liebeslied genauso schön wie jiddische Volksmusik, ein rumänisches Volkslied, den Hochzeitstanz „Hora“ und einen alten ungarischen Magyar-Tanz. Mit ihrem phänomenalen Geigenspiel weiß sie durch die Bank weg zu überzeugen.

Ihre Liebe zum Bluegrass teilt sie mit ihrem musikalischen Partner Jefferson Louvat, der seine Virtuosität gleich auf drei Instrumenten der Mandolinenfamilie zeigt. Neben der Sopranmandoline mit ihrem kristallenen, metallischen Klang greift er zur Tenorvariante, der Mandola, die mit ihrem größeren, bauchigeren Korpus und ihrer längeren Mensur gitarrenähnlich klingt.

Als weiteres Zupfinstrument darf das achtsaitige Mandoloncello, auch Mandocello genannt, nicht fehlen. Es wird gern als Bassinstrument, im Falle von Louvat auch als Soloinstrument mit goldenem Ton benutzt, hat eine ganz eigene Klangfarbe, ist größer und tiefer gestimmt, weist eine gewisse Verwandtschaft zum Cello auf und spielt mit seinen Anklängen an die Jazzgitarre eine wichtige Rolle im modernen Folk.

Wie groß das Einsatzgebiet für dieses Instrument in der Musik der heutigen Bluegrass-Spieler ist, hörte man an diesem Abend sowohl in Interpretationen von Standards als auch Eigenkompositionen von Louvat.

In individuellen Arrangements und energie- und temperamentgeladenen Wiedergaben vermischten sich die musikalischen Stile ebenso subtil wie dynamisch, vor allem in den mutigen und zupackenden Instrumentalparts, die das richtige Feeling hatten. Und etwas auch im Gesang der Geigerin, wobei die Instrumentalstimmen überwogen

Die musikalische Kommunikation zwischen den beiden Weltmusikern, dem belgisch-ungarischen Mandolinisten und der franko-sephardischen Geigerin, war sehr inspirierend. Mit den beiden sympathischen Reisebegleitern ging die musikalische Weltreise im Hof in einer gelassenen, entspannten Stimmung zu Ende.   Abschluss: Lesung und Gespräch mit Marion Poschmann aus ihrem Roman „Die Kieferinseln“: Mittwoch, 15. September, 20 Uhr, im Kino Kandern

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