Kandern Über die Augen ins Herz

Weiler Zeitung, 15.05.2018 05:54 Uhr

Von Walter Bronner

Kandern. Werke von Max ­Laeuger wurden in der Kanderner Galerie Robert Keller schon wiederholt gezeigt. Jetzt präsentiert das kunstsinnige alte Haus am Kirchplatz rund 70 bisher nicht oder kaum bekannte Arbeiten auf Papier des bis zu seinem Tod (1952) unermüdlich kreativ tätigen Universalkünstlers.

Dessen im Kanton St. Gallen lebender Enkel Dieter ­Laeuger hat diese „Frauen und Landschaften“ betitelte Auslese zur Verfügung gestellt. Es sind vor allem Mischtechniken kleineren Formats sowie einige wenige Tuschezeichnungen und Aquarelle, in denen der vielseitige Kunstschaffende dem „ewig Weiblichen“ nachspürt und seine Liebe zur heimischen Natur bekundet.

Die Kunsthistorikerin Andrea S. Végh vermittelte bei der Vernissage in ihrer Laudatio ein plastisches Lebensbild des 1864 in Lörrach geborenen und in seiner Heimatstadt verstorbenen Max Laeuger, der wie kaum ein anderer den Jugendstil prägte und als großer Keramiker, Maler, Bildhauer, Glasgestalter, Architekt für Gebäude, Innenräume, Gärten, Brücken sowie Entwerfer ganzer Stadtpläne internationales Renommee erlangte. Erinnert wurde dabei auch an die Jahre seines Kanderner Wirkens als Begründer und Leiter der Tonwerke-Kunsttöpferei.

In der jetzigen Werkschau offenbare sich erneut Laeugers „Vorliebe für arkadische Szenen“, deren unbekleidete Figuren „nie anstößig“ wirkten, sondern eher als „sphärische Wesen“ oder gar als androgyn anmutende Gestalten in Erscheinung träten. Neben sitzenden, stehenden, kauernden, liegenden, mit erhobenen Armen posierenden sowie mit nach rechts oder links gerichtetem Blick skizzierten Akten sind aber auch etliche Arbeiten mit bekleideten Frauenfiguren in der Ausstellung anzutreffen. Auffallend darunter ist die Studie einer stämmigen Bäuerin bei der Kartoffelernte, wie auch etliche andere mit flinkem Stift- oder Pinsel aufs Papier gebannte Alltagsszenerien.

Die Natur- und Landschafts-Impressionen und die von blühenden, Früchte tragenden und kahlen Bäumen wirken häufig als wohlvertraute, wenn auch nicht direkt definierbare Sujets von Markgräfler Hügel-, Wiesen- und Waldregionen. Nachvollziehbar sind nicht zuletzt die stilistischen Entwicklungsstadien des Künstlers, die das gezeigte Oeuvre an Arbeiten aus fast allen Jahren zwischen 1900 und 1950 veranschaulicht.

Und durchweg offenbart die Werkschau Stück für Stück Laeugers künstlerisches Selbstverständnis, dass „die bildende Kunst über die Augen ins Herz erlebt sein will“ und nicht auf Umwegen über gesprochene oder geschriebene Texte ins Hirn.  bis 9. September: Sa. und So., 14-18 Uhr. Parallel zur Kanderner Ausstellung sind auch in der Ötlinger Dorfstube Laeuger-Werke mit heimischen Motiven (So., 15-17 Uhr) zu sehen.

 
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