Kandern Wenn echte Einsätze den Übungsbetrieb ersetzen müssen

Günter Lenke, Kommandant der Feuerwehr Kandern, spricht über die besonderen Herausforderungen für die sieben Abteilungen während der Corona-Krise. Foto: zVg

Kandern - Auf ein herausforderndes Jahr blickt die Freiwillige Feuerwehr Kandern zurück. Nicht nur der Übungsbetrieb hat unter der Pandemie stark gelitten, auch die Kameradschaft blieb auf der Strecke. Denn Rettungskräfte wurden von Anfang an zu besonderer Vorsicht angehalten – sogar privat. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass ganze Abteilungen ausfallen und die Schlagkraft bei Einsätzen dadurch gefährdet wird. Über einen Ausnahmezustand, der längst nicht vorbei ist, gab im Gespräch mit unserer Zeitung Kommandant Günter Lenke Auskunft.

„Seit Dezember sind wir nur noch mit FFP2-Masken im Einsatz“, informiert der Kommandant über eine verschärfte Vorgabe des Innenministeriums Baden-Württemberg. Das Ärgerliche dabei: Die Feuerwehr muss die Masken selbst bezahlen. Darüber hinaus wird auch das Desinfizieren der Hände weiterhin groß geschrieben. Die Vorgaben gelten für alle sieben Abteilungen der Kanderner Feuerwehr.

Mittlerweile wurde, wie bereits beim ersten Lockdown im März, der Übungsbetrieb wieder eingestellt. Auch Versammlungen mussten das ganze Jahr über ausfallen. „Meine Stellvertreter und ich sind im Prinzip schon ein Jahr zu lang im Amt“, sagt Lenke mit Blick auf die ausgefallene Jahreshauptversammlung im März 2020. Bei der Kanderner Feuerwehr hofft man nun darauf, die Versammlung in Form von einer Präsenzveranstaltung im kommenden Frühjahr nachholen zu können. „Es wäre einfach schade, wenn wir die Ehrungen und Beförderungen nicht persönlich würdigen könnten“, sagt der Kommandant. Die Alternative wäre eine Briefwahl.

Das derzeit wieder bestehende Übungsverbot kann vor allem für kleinere Abteilungen zum Problem werden, die kaum Einsätze haben. Besonders diesen kleinen Feuerwehren in den Ortsteilen fehlt zunehmend die Praxis, was Lenke als prekär bezeichnet. Hinzu kommt, dass auch die Nachbesprechung nach den Einsätzen wegfällt. Denn aus Sicherheitsgründen sind die Feuerwehrleute dazu angehalten, sofort wieder nach Hause zu gehen. „Darunter leidet die Kameradschaft“, betont Lenke, von der fehlenden Interaktion mit Neueinsteigern ganz zu schweigen.

Besonders bedauert der Kommandant, dass acht potenzielle Neueinsteiger ihren im Herbst begonnenen Grundlehrgang nicht abschließen konnten, obwohl die Ausbildung extra auf zweieinhalb Wochen komprimiert worden war. Der Dezember-Lockdown brachte das Aus für den Lehrgang. „Wir hätten diese Leute gebraucht“, bedauert Lenke, der nun befürchtet, dass einige einen zweiten Anlauf nicht mehr machen werden.

Immerhin haben die strengen Hygieneregeln bei der Feuerwehr Kandern offenbar Wirkung gezeigt. Infektionsfälle gab es die ganze Zeit über keine, lediglich einige vorsorgliche Quarantänefälle. Auch Lenke selbst war einmal betroffen.

Der Kommandant hofft nun, dass Rettungskräfte bei den Impfungen früher berücksichtigt werden als andere Bevölkerungsgruppen. Informationen darüber stehen im Moment allerdings noch aus.

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