Kandern Wo alte Loks auf Zugführer warten

Kandern - Gut 30 interessierte Erwachsene und Kinder waren am Samstag der Einladung zum zweiten Infotag der Kandertalbahn gefolgt. Sinn und Zweck eines solchen Infotags ist es, wie der Oberste Betriebsleiter Jürgen Lange den Besuchern erläuterte, Menschen für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Kandertalbahn oder als Mitglieder des Vereins zu gewinnen.

Nach Wiedereröffnung der Kandertalbahn im Jahr 1986, zuvor wurde die Strecke von der SWEG betrieben, führte die euroVapor – Sektion Kandertalbahn als Besitzerin der Fahrzeuge die Dampfzugfahrten durch. Erst Ende der 1990er Jahre trat der Verein Kandertalbahn in alle Rechten und Pflichten der euroVapor ein. Seit nunmehr 20 Jahren sind alle Loks und Wagen im Besitz des Vereins. Damit sind auch der Betrieb und die oft kostspielige Restaurierung Sache des Vereins.

Der Zweckverband Kandertalbahn ist für die Unterhaltung der Strecke Haltingen - Kandern, der darauf befindlichen Bahnanlagen sowie Brücken und Gebäuden zuständig. Als Vorsitzender des Zweckverbands, also quasi „Eisenbahndirektor“, fungiert der Bürgermeister Kanderns, Christian Renkert.

Ebenso vielfältig wie die Aufgaben, die der Verein zu bewältigen hat, sind seine Strukturen. So gibt es mit Wolfgang Hugenschmidt (Maschinentechnik) und Martin Gfeller (Infrastruktur) gleich zwei stellvertretende Oberste Betriebsleiter. Die Werkstatt leitet Arnold Steiner. Örtlicher Betriebsleiter und Vorsitzender des Vereins ist Alexander Meyer.

Gemeinsam mit Lange nahm Steiner die Gäste mit auf einen Rundgang durch Wagenhalle und Lokschuppen. In der Halle werden gleich mehrere Wagen wieder instand gesetzt, unter anderem einer der Baureihe BCi für die zweite und dritte Klasse aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Tauschgeschäfte sorgen für einen zur Bahn passenden Bestand

Mit einem ähnlichen Wagen nahm die Kandertalbahn damals ihren Betrieb auf, wie Hugenschmidt erklärte. Auf dem Weg eines Fahrzeugtauschs hat der Verein diesen Wagen, der zuletzt in Hanau stand, erworben. Solche Tauschgeschäfte sind nicht selten, wenn festgestellt wird, dass irgendwo ein Wagen steht, der in den Bestand der Kandertalbahn passt und man dafür einen abgibt, den man entbehren kann. Die Transporte erfolgen im Idealfall auf eigenen Rädern, ansonsten jedoch huckepack über die Straße.

Bei den Dampflokomotiven wartet derzeit die Lok 7, in ihre Einzelteile zerlegt, auf Wiedererweckung. 1907 war sie als Lok 3 bei der Kandertalbahn in Betrieb genommen worden. Im Jahr 2012 kam sie total abgewrackt, zuletzt als Denkmal und Spielplatz in Staufen dienend, wieder nach Kandern zurück. Ihr Kessel befindet sich, wie Steiner erklärte, zum Zweck einer möglichen Restaurierung bei einer Spezialfirma in Bruchsal. Wenn sie voraussichtlich in drei bis vier Jahren wieder in neuem Glanz erstrahlt, wartet schon die Lok 8532 auf umfängliche Restaurierung.

Der Gepäck- und Postwagen wird auch als Trauzimmer genutzt

Interesse weckte der Gepäck- und Postwagen bei den Besuchern. Er kann nämlich auch als Trauzimmer genutzt werden. Nur darf das nicht während der Fahrt geschehen, wie Hugenschmidt bemerkte. Für eine Trauung muss der Wagen abgekoppelt am Bahnhof stehen.

Geduldig beantworteten die im Gegensatz zu den Besuchern, die Gelbwesten trugen, in orangene Signalwesten gekleideten Bähnler möglichst jede Frage. Im Barwagen stellte Bianca Roth, stellvertretende Betriebsleiterin und im Zivilberuf Programmiererin, die Tätigkeitsfelder im Zug vor. So besteht die Besetzung eines Zugs aus Lokführer, Zugführer und dem Schaffner. Wie der Oberste Betriebsleiter Lange zuvor erklärt hatte, sind je nach Schwierigkeitsgrad und Verantwortung teils mehrjährige Ausbildungen nötig. Die Tätigkeit des Schaffners sei für den Einstieg ideal.

Wer sich über eine der ehrenamtlichen Arbeiten bei der Kandertalbahn und die Voraussetzungen dafür informieren oder einen Schnuppertag in einem der Tätigkeitsbereiche verbringen will, kann sich für weitere Informationen an info@kandertalbahn.de wenden.

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