Karlsruhe Johann Peter Hebel und die „Frauengeschichten“

Martin Braun
Verleger Hubert Klöpfer (links) mit dem Autor Thomas Weiß, der ein Exemplar seines Buches in der Hand hält Foto: Martin Braun

Ein neues Buch informiert über das Leben des Dichters und die Frauen, die ihn geprägt haben.

Anlässlich der Karlsruher Literaturtage gab es vergangene Woche in der evangelischen Stadtkirche von Karlsruhe eine Einführung zu dem Buch „Theuerste Freundin! Frauen um Johann Peter Hebel“ des Karlsruher Pfarrers und Erwachsenenbildners Tomas Weiß.

Hebels Bezug zu Karlsruhe

Zur Begrüßung sprach Claudia Rauch, Pfarrerin der Stadtkirche, von „Hebelträchtigem Boden“: In der Taufkapelle liege die von Johann Peter Hebel (1760 –1826) mitunterzeichnete Unionsurkunde der Evangelischen Landeskirche in Baden. Nebenan sei das Karlsruher Lyzeum gewesen (Vorgängereinrichtung eines Gymnasiums), dessen Direktor Hebel von 1808 bis 1814 war.

Hubert Klöpfer, der Verleger des genannten Buches, gratulierte seinem Autor Weiß zum gemeinsamen „Wunschkind“. Johann Wolfgang von Goethe, der Philosoph Ernst Bloch und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hätten Hebel verehrt. Und der Schriftsteller Hermann Hesse „hieß ihn gar… den ‚größten deutschen Erzähler‘ überhaupt“ (Klöpfer). Und weiter: Hebel werde geschätzt wegen seiner „alemannischen Gedichte (und) Kalendergeschichten“.

Weiß habe es nicht „pseudoanalytisch“ oder gar „voyeuristisch“, sondern „erzählerisch-annäherungsmäßig“ gelöst, sich in die „Frauengeschichten“ Hebels einzufühlen. Dies gelte für Ursula Hebel, seine Mutter, und Gustave Fecht, der Hebel in einer „ungelebten großen Liebe“ verbunden war. Und es reiche bis zu „Henriette Hendel, der verehrten Schauspielerin, in die Hebel … ‚richtig vernarrt‘ war“. Und Klöpfer lobte das Buch mit Hebels Worten: „Ä wahrs Fündli, ä Pfündli.“

Der Autor Weiß zitierte Hebel mit dessen Werbung, seine biblischen Erzählungen zu lesen: Ein Körnchen Goldes sei in allem. Er meinte, hier untertreibe Hebel als „ein Meister des Understatements“. Nicht Körnchen, „sondern ganze Minen“ seien bei ihm zu finden. Schon seit der Schulzeit sieht sich Weiß dem Hebel verbunden: „Die Geschichte Kanitverstan mag ich noch immer“. Und er dankt seinem Verleger Klöpfer für dessen Freundschaft und alles, was er von ihm gelernt habe.

Einfühlsame Schilderungen

An Hebel seien ihm dessen „Verletzungen“ aufgefallen. Um die tiefste gehe es in der ersten Erzählung seines Buches: „Es grust eim. Ursula Hebel.“ Bevor er diese vorlas, betonte Weiß, dass er als gebürtiger Karlsruher kein Allemanne sei. Da passte es, dass zunächst die Cellistin Dorothea Lehle eine wunderbar vorgetragene „Allemande“ von Johann Sebastian Bach (1685–1750) erklingen ließ.

In der zuerst von Weiss vorgetragenen Erzählung geht es um den plötzlichen Tod der Mutter des damals erst 13-jährigen Hebel auf einem Ochsenkarren an einer Kreuzung bei Brombach. Peter, der Schulbub, saß neben seiner kranken Mutter. Ein Kutscher brachte sie von Basel nach Hausen, dem Heimat- und Wohnort von Ursula Hebel und ihrem einzigen Sohn „Peterle“.

Mit dem Tod der Mutter war Hebel plötzlich verwaist. Sein Vater und seine Schwester waren schon gestorben als er noch Kleinkind im Alter von einem Jahr war. Weiß sieht hier ein Trauma des Dichters, das es ihm sein Leben lang verwehrt habe, ein fruchtbares Zusammenleben mit Frauen zu entwickeln. Hebel war im Alter von 66 Jahren schließlich als Junggeselle gestorben. Darum geht es in den sieben Erzählungen von Weiß‘ Buch zu Hebel und seinen „Frauengeschichten“, sagt Klöpfer.

Von ganz anderer Art ist die eher heiter gestimmte Erzählung „Die Stillende von Rastatt“. Die von Weiß nach Art einer Kalendergeschichte Hebels entwickelte Erzählung knüpft an eine Anekdote des Poeten selbst an. Hebel sitzt in der Geschichte als älterer Herr mit einer erst 20 Jahre jungen Frau und ihrem kleinen Säugling für mehrere Tage allein in einer von ihm gemieteten Kutsche auf dem Weg von Weil am Rhein nach Karlsruhe.

„Theuerste Freundin! Frauen um Johann Peter Hebel“ von Thomas Weiß ist in der Edition Klöpfer, Stuttgart, Kröner 2023, erschienen und kostet 22 Euro.

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