Kleines Wiesental „Die Fotovoltaik mehr fördern“

Markgräfler Tagblatt, 09.08.2018 22:00 Uhr

„Die gemessenen Windgeschwindigkeiten am Zeller Blauen sind grenzwertig“, sagte Christoph Hoffmann, FDP-Bundestagsmitglied, gleich zu Anfang des Gespräches mit den Vertretern der Bürgerinitiative „Gegenwind-Schwarzwald“.

Kleines Wiesental-Bürchau. Zudem verwies Hoffmann auf das flächenhafte Bodendenkmal. Um diese Erkenntnis zu gewinnen, war Hoffmann in der Umgebung von Böllen und Neuenweg mit dem Lokalhistoriker Werner Störk unterwegs, der seit fast 30 Jahren die Bodendenkmäler in der Gegend erforscht und dokumentiert.

Wechselvolle Geschichte

Grenzsteine, Wallgräben und Schanzanlagen erzählten von der wechselvollen Geschichte dieser Gegend, die besonders im 30-jährigen Krieg hart umkämpft war, heißt es in einer Pressemitteilung Hoffmanns. Im Wald, oberhalb der Passhöhe Hau, liege die größte Schanzanlage der Region, von Störk „Holderschanze“ genannt. Die Idylle sei durch den geplanten Windpark bedroht. Störk befürchte, dass durch den Bau das einzigartige Schanzen-Ensemble zerstört wird. „Ich habe dem Landratsamt meine Bedenken mitgeteilt. Man hat mir daraufhin geantwortet, bei der Holderschanze handele es sich um keine flächige Schanzenanlage. Was im Klartext bedeutet, dass auch dem Bau der Windkraftanlage nichts entgegensteht.“

Denkmalpflege

Christoph Hoffmann ist der Ansicht, dass mit Blick auf die Denkmalpflege das Vertrauen in die Behörden wiederhergestellt werden müsse. „Es kann nicht sein, dass der Bürger den Eindruck hat, dass das RP bodenhafte Denkmale nicht gewissenhaft und ordnungsgemäß in ein Genehmigungsverfahren einbringt. Ich vermag den Wert des Bodendenkmals nicht einzuordnen, daher fordere ich eine gemeinsame Begehung der Behörde mit dem Schanzenexperten Störk.“

Dieser habe mittlerweile den Eindruck, die Schanzanlage sei vom Landesdenkmalamt bereits zum Bau des Windrades aufgegeben. Sein Vertrauen in die Behörde sei erschüttert.

Einen Verdacht äußert die Bürgerinitiative „Gegenwind-Schwarzwald“. Es habe in der Vergangenheit schon zwei Windräder in der Gegend gegeben. Eins davon habe man nach einem Jahr zurückgebaut – zu wenig Wind, habe es geheißen. Doch nun sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz geändert, und es sei dank der Subventionen lukrativ, Windparks auch an Orten zu errichten, an denen wenig Wind wehe. „Die EWS profitiert in jedem Fall, und die Natur bleibt auf der Strecke“, so die BI.

Die Bewohner der Gegend bemühten sich, die Landschaft zu erhalten. Im Tourismusgeschäft sei das Gebiet wegen der Täler und Wiesen und vor allem wegen der Ruhe begehrt. „Das ist doch auch ein Wert, den es zu erhalten gilt.“

Fotovoltaik fördern

Laut Hoffmann gelte es, die Fotovoltaik mehr zu fördern. „Der neue Paragraf im EEG, der Subventionen auch für relativ unrentable Windkraftanlagen in Baden Württemberg garantiert und auf Intervention von Ministerpräsident Kretschmann ins Gesetz kam, muss gestrichen werden.“ Vielmehr sollte das EEG die Fotovoltaik-Anlagen im „Landstrich der Sonne“ wiederbeleben, indem die Eigenstromverwendung nicht mit EEG-Umlagen belegt werde. „Dann würde auf so manchem Fabrikdach eine Anlage gebaut, im Moment lohnt sich das als Investition nicht. Nur so kann die Energiewende erfolgreich werden“, so Hoffmann.

 
          0