Kleines Wiesental Eine Liebeserklärung an die Heimat

Fabiene Gentner und Melanie Mühlhauser (rechts) vom Projektbüro „Im Tal leben – im Tal bleiben“ präsentierten das Buch „Viele Dörfer, ein Tal“.Fotos: zVg Foto: Markgräfler Tagblatt

Kleines Wiesental (hp). „Viele Dörfer, ein Tal“ heißt ein facettenreiches Buch, das unter Federführung des Projektbüros „Im Tal leben – im Tal bleiben“ entstanden und noch vor Weihnachten erhältlich ist. Mit Fabienne Gentner vom Projektbüro sprach unser Redakteur Harald Pflüger.

Frage: Der erste Satz ist meist die größte Hürde, die es bei einem Buch zu überwinden gilt. Wie lautet der erste Satz in „Viele Dörfer, ein Tal“?

„Wer dieses Buch in die Hand nimmt, mag – so vermute ich – das Kleine Wiesental gern.“ Es handelt sich um das Vorwort des Pfarrers der Oberen Kirchengemeinde.

Frage: Wie kam das Projekt zustande? 

Während das Thema Corona langsam in unser schönes Tal einzog, fragten wir uns, wie wir trotzdem etwas Schönes, am Liebsten etwas Greifbares und Sichtbares, schaffen könnten. Melanie Mühlhäuser erzählte mir daraufhin, wie viele Senioren die Zeit nutzten, um zu sortieren und alte Schätze wieder zu entdecken, aber auch die Zeit nutzten, um zu schreiben und kreativ zu sein. Da dachte ich mir, dass es doch ein spannendes Projekt wäre, diese Schätze zu sammeln und ein eigenes, kleines Buch durch unser Projektbüro zu erstellen.

Frage: Wie schwer war es, Mitstreiter zu gewinnen?

Wir haben, wie bei jedem unserer Projekte, das Glück, dass die Menschen aus den beiden Kirchengemeinden und der politischen Gemeinde wirklich offen sind für all unseren Ideen. So lief es zwar zunächst schleppend, aber spätestens nach den Veröffentlichungen in den Gemeindebriefen, Amtsblättern und Zeitungen wurde die Idee bekannt, weitergetragen und einigen Menschen empfohlen. Man kann sagen, dass es zwar manchmal mühselig war, aber schwer war es nicht.

Frage: Hat Sie die Resonanz überrascht?

Da wir gerade auch bei der Frage nach der Auflage zwischen 50 und 500 Exemplaren schwankten, ja! Wir wussten, dass bestimmt einige diese alten Geschichten und auch die jungen Beiträge von den Schulen und Kindergärten schätzen, aber die bisherige Nachfrage hat uns überrascht.

Frage: Wer alles hat an dem Buch mitgewirkt?

Mitgewirkt haben viele. Zum einen gab es Beiträge für die Inhalte und Bilder von Markus Manfred Jung, Marlies Kropf, Hans Ruf, Else Wittum, Walter Dreher, Christian Rave, Helga Dürr und Joachim Veit, zwei Schülerinnen der Grundschule Weitenau-Wieslet, der Kindergärten Wieslet und Wies, Peter Kufner, Liselotte Schultheiß, Hans-Willi Dürr und Artur Oßwald. Aber auch die Richard Grossmann-Stiftung und der Printservice Rösch, ohne die die Realisierung niemals geklappt hätte, unterstützten uns. Dann waren wir auch sehr dankbar für die Unterstützung von Gerald Nill mit seiner Expertise in dem Bereich. Aber auch die Kirchengemeinden und die Kommune haben uns bei unserem Vorhaben unterstützt und Korrektur gelesen. Zu guter Letzt waren auch wir mit viel Herzblut, Kreativität und manchmal auch Zweifeln mit dabei.

Frage: Können Sie etwas über die Co-Autoren erzählen?

Die meisten Co-Autoren haben mit ihren Sammlungen und Geschichten gezeigt, dass sie das Leben im Dorf lieben. Es zeigt Geschichten und Gedichte, die uns schmunzeln lassen, nachdenklich stimmen und zum Schwelgen einladen. Jeder Einzelne von ihnen hat ganz andere Perspektiven und Themen mit eingebracht, und das liest man einfach gerne. Manch einen mussten wir noch etwas bitten. seine Kunst zu teilen, andere haben nur darauf gewartet, ihr Wissen mit den Menschen hier zu teilen, und andere wussten gar nicht, welche Schätze sie versteckt hatten. Sie mussten erst einmal schmökern.

Frage: Kann man von einem Generationenwerk sprechen?

Ja, zum einen besteht unser Team aus verschiedenen Generationen, und das merkt man dem Buch auch an. Zum anderen beteiligen sich auch hier wieder nicht nur Senioren, sondern auch Schulen, Kindergärten und jüngere Menschen.

Frage: Welche Bereiche deckt „Viele Dörfer, ein Tal“ ab?

Die Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Zum einen natürlich Geschichten aus anderen Zeiten, aber auch Fantasie-Geschichten, Gedichte und Fotografien. Auch Sagen und Ausflüge, Lieblingsorte im Dorf und das besondere Heimatgefühl werden literarisch und kreativ umgesetzt. Ganz besonders ist auch hier, dass es nicht nur Geschichten aus dem Kleinen Wiesental sind, sondern auch aus den Gemeinden der Kirchengemeinden. Das bedeutet Gresgen, Schlächtenhaus, Hofen, Schillighof, Fahrnbuck, Endenburg, Lehnacker und Enkenstein haben auch die Möglichkeit gehabt, sich zu beteiligen.

Frage: In dem Buch findet sich nicht nur Text?

Genau, auch Bilder und Eindrücke der damaligen Zeit und Heute finden wir in dem Buch. Auch selbstgemalte Kunstwerke jüngerer Bürger, handgeschriebene Briefe, gezeichnete Karten und vieles mehr findet man in dem Buch, aber lassen Sie sich überraschen.

Frage: Das hört sich nach einem facettenreichen Buch an.

Ja, das ist es wirklich geworden.

Frage: Wie lange hat es von der Idee bis zur Realisierung gedauert?

Zirka neun Monate; also von unserem ersten Gespräch über das Buch bis heute.

Frage: Was war für Sie die größte Herausforderung? 

Die Form beziehungsweise die Realisierung. Soll es DIN A4 oder DIN A5 werden? Wie bekommen wir alte Schriftstücke, neue Texte, Bilder und so weiter in ein Buch, was ästhetisch ist, schön aussieht im Schrank und jeder immer wieder gerne in die Hand nimmt? Bei Layout und Satz wurden wir professionell durch den Printservice Rösch begleitet und unterstützt. Da Herr Rösch auch aus dem Kleinen Wiesental kommt, ist auch für ihn das Projekt zu einer Herzensangelegenheit geworden, was man bei der Zusammenarbeit spüren konnte.

Frage: Was hat Sie bei dem Projekt am meisten überrascht?

Wie viele Leute in dem Dorf bereits eigene Bücher geschrieben haben. Natürlich auch, wie kreativ und abwechslungsreich die Beiträge waren.

Frage: Was bildet die Klammer, die das Buch zusammenhält?

Das, was der Titel aussagt. Es sind viele Dörfer, aber ein Tal, das uns verbindet.

Frage: Was erwartet die Leser?

Ein Buch voller Herzblut, das mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht oder Nachbarn realisiert worden ist. Geschichten, die einem bekannt vorkommen, überraschen, begeistern und nachdenklich stimmen und Gedichte, in denen man sich verliert.

Frage: Was macht Ihrer Meinung nach das Buch so einzigartig?

Dass es mit so vielen Autoren gestaltet worden ist. Ich denke, die meisten finden sich darin wieder oder staunen über Vergangenes oder über die Heimatliebe.

Frage: Kann man das Buch auch als eine Liebeserklärung an das Kleine Wiesental verstehen?

Nicht nur an das Kleine Wiesental, denn in unserer Kooperation sind auch die beiden Kirchengemeinden beteiligt. Das bedeutet, über die Kommune Kleines Wiesental sind auch die Kommune Zell mit Gresgen, Schopfheim   mit Enkenstein und Steinen mit Endenburg, Weitenau, Schlächtenhaus beteiligt. Die Bürger aus den Orten haben ganz wunderbare Beiträge und Bilder geliefert.

Frage: Nochmals zur Entstehungsgeschichte. Wie lief der Arbeitsprozess ab?

Also zunächst hatten wir gemeinsam die Idee, dann haben wir Werbung gemacht über Newsletter, Zeitungen, Gemeindebriefe, Amtsblätter und über bereits bekannte Menschen im Dorf, von denen wir wussten, dass da Interesse sein könnte. Dann sind wir nach und nach zu den verschiedenen Personen und haben die Sachen abgeholt oder sie haben die Sachen teilweise sogar selber vorbeigebracht oder eingeworfen. Als wir dann mal einige Beiträge hatten, haben wir begonnen, diese einzupflegen, zu sortieren und uns zu überlegen, wie man eine stimmige Einteilung machen könnte. Dann haben wir nach einem Titelbild gesucht und auch die letzten einsortiert, schließlich sind wir nach Lörrach und haben uns den Satz gestalten lassen, damit wir auch ein hochwertiges Buch bekommen mit nicht zu vielen verschiedenen Größen und Schriftarten. Dann ging es an die Überarbeitung und Fehlersuche.

Frage: Wie haben Sie sich im Projektbüro die Arbeit geteilt?

Da wir noch viele andere Aufgaben haben und zum Beispiel zur gleichen Zeit die Adventsfenster konkreter wurden, habe ich mich zunächst federführend darum bemüht, aber auch Melanie Mühlhäuser hatte einige Kontakte beziehungsweise Besuche und hat immer wieder Bilder oder Geschichten mitgebracht. Als das Konzept soweit stand und es ums Korrigieren und die finale Umsetzung ging, waren wir beide und auch viele weitere wieder beteiligt, damit man nicht irgendwelche groben Fehler übersieht.

Frage: Was würden Sie mit dem Buch gerne bewirken? 

Wir wollen zeigen, dass die anstrengenden letzten Monate nicht nur voller Einschränkungen und Ängste waren, sondern zu ganz großartigen Arbeiten, kreativen Ideen und tollen Texten geführt haben. Egal ob Altes ausgegraben oder Neues verfasst wurde, es sind ganz wunderbare Perspektiven auf die Dörfer der politischen Gemeinde und der kirchlichen Gemeinden, das ist ein Privileg und wir wollen das so vielen Menschen wie möglich zeigen.

Frage: Wie stolz sind Sie auf das Buch?

Sehr! Wir hoffen, dass andere genauso viel neues Erfahren wie wir, aber sich auch immer wieder mit den geschriebenen Gefühlen identifizieren können. Dieses Gefühl hier zu leben ist etwas ganz besonderes und dass sollen alle spüren beim Lesen.

Frage: Welches Projekt wollen Sie als nächstes angehen?

Gerade stecken wir auch noch in den Adventsfenstern, die man auch online anschauen kann. Natürlich warten auf uns dann auch erst mal Aufgaben, die die Corona-Pandemie gerade mit sich bringt, wie Rezepte abholen, Einkaufsdienste organisieren, Gespräche anbieten und einfach da sein. Dann haben wir immer noch ein paar offene Projekte, wie Urlaub ohne Koffer, Sitztanz, Mittagstisch und Mobilität, welche wir hoffen im nächsten Jahr (wieder) realisieren zu können.

Frage: Wo ist das Buch erhältlich?

Das Buch gibt es zunächst einmal bei der Kommune Kleines Wiesental und auf den beiden Pfarrämtern in Schlächtenhaus und Tegernau. Gerne finden wir aber auch individuelle Lösungen wie Lieferungen oder Aufbewahrung, um auch jedem einen sicheren Kauf zu ermöglichen. Je nach Situation werden dann im nächsten Jahr auch noch weitere Stellen angefragt für einen breiteren Verkauf.

Weitere Informationen: Das Buch „Viele Dörfer, ein Tal“ beschränkt sich nicht auf das Kleine Wiesental, da auch die beiden Kirchengemeinden beteiligt. Das bedeutet, dass auch die Kommunen Zell mit Gresgen, Schopfheim   mit Enkenstein und Steinen mit Endenburg, Weitenau, Schlächtenhaus einbezogen sind.

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