Kleines Wiesental Einst eine Hochburg der Anhänger

Kleines Wiesental - Nach seinen aufsehenerregenden Publikationen über die NS-Geschichte in Steinen und Maulburg wird der Heimathistoriker Hansjörg Noe in der kommenden Woche seine neueste Arbeit unter dem Titel „Mitgelaufen“ über die Geschichte der NS-Zeit in den Ortschaften des Kleinen Wiesentals offiziell vorstellen.

„Die Bürger im Kleinen Wiesental wählten bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 mit 88,9 Prozent die NSDAP“, so der Autor bei einem Vorgespräch mit Bürgermeister Gerd Schönbett und Hubert Bernnat, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins Markgräflerland, die die Herausgabe dieses Buches ermöglicht hatten. Ursprünglich hatte sich Hans Viardot für die Druck-Finanzierung des Buches beim Bürgermeister verwendet.

Doch als weder der Gemeinderat Kleines Wiesental noch der Verein „Krone und Kultur“ (KuK) Kleines Wiesental bereit waren, die Druckkosten der Arbeit des ehrenamtlich tätigen Heimathistorikers übernehmen zu können oder zu wollen, hatte sich Hansjörg Noe an den Vorsitzenden des Geschichtsvereins Markgräflerland gewandt. Hubert Bernnat sagte die angefragte Unterstützung spontan zu. Jetzt erscheint „Mitgelaufen“ als Sonderband der Reihe „Das Markgräflerland“.

Für dieses Buch hat Hansjörg Noe die Ortsarchive der früher selbstständigen Gemeinden im Kleinen Wiesental, Dokumente im Landesarchiv Freiburg, im General- und Landesarchiv Karlsruhe, aus den Stadtarchiven von Schopfheim und Lörrach sowie im Bundesamt in Potsdam ausgewertet. Hilfreich waren auch die gesammelten Jahrgänge des Markgräfler Tagblatts im Stadtarchiv in Schopfheim. Hinzu kamen die Gespräche mit mehr als 20 Zeitzeugen aus den Gemeinden des Kleinen Wiesentals.

Lag der Stimmenanteil für die NSDAP 1933 im Kleinen Wiesental bei 88,9 Prozent, mit Spitzen bis zu 97 Prozent in den Einzelgemeinden, lag er im Amt Schopfheim etwa bei der Hälfte und reichsweit bei 43,9 Prozent. Diese Abweichung erklärt Noe mit der bäuerlichen Prägung des Kleinen Wiesentals, in dem die Bauernpartei seit dem 19. Jahrhundert dominierte und eine industriell geprägte Arbeiterschaft fehlte.

In Kapiteln mit Titeln wie „Unser Führer oder die Errichtung der Diktatur“, über die „Inbesitznahme der Jugend“, über die Rolle der evangelischen Kirche und Pfarrer Ludwig Simon, den Reichsarbeitsdienst, aber auch die Werwolfmorde im Kleinen Wiesental, entwirft Hansjörg Noe ein umfassendes Bild über das Leben der Menschen in den Jahren der NS-Zeit. Dabei spart er auch bedenkliche Erscheinungen in den Reihen des Geschichtsvereins Markgräflerland nicht aus.

Großer Dank für die motivierte Unterstützung gebührt neben Hans Viardot Bürgermeister Gerd Schönbett, der ein persönliches Interesse an diesem Thema hat. Gerade auch angesichts wieder auflebender rechtsradikaler Tendenzen müsse man immer wieder an die Ereignisse der Vergangenheit erinnern, meinten sowohl Hansjörg Noe als auch Gerd Schönbett. Es soll gebührend erinnert, aber es solle niemand an den Pranger gestellt werden. Deshalb werde in dem Buch auch behutsam mit den Klarnamen der handelnden Personen umgegangen.

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