Kleines Wiesental Kommunikation via Feuer, Rauch und Böller

Markgräfler Tagblatt, 18.06.2018 22:00 Uhr

Kleines Wiesental. Die Wälder des Südschwarzwaldes – vor allem der hiesigen Region - sind nicht nur für Naturliebhaber ein Refugium und ein ertragreicher Wirtschafts- und Nutzungsraum, sondern auch ein Schutzraum für jahrhundertlang streng behütete Kultur- und Bodendenkmale.

„Nur im tiefen, selbst vom Forst kaum berührten Wald haben sie die einmalige Chance, ihre eindrückliche Form und Vielfalt zu bewahren, um uns selbst heute damit nachhaltig zu beeindrucken“, sagt Heimatforscher Werner Störk.

Und weiter: „Das Kleine Wiesental ist gerne als „gute Stube“ und als kulturelles „Schatzkästlein“ des Landeskreises geehrt worden – zurecht, wie die archäologischen Funde gerade der letzten Wochen (wir berichteten) nachhaltig belegen.“ Und dass die waldreichen Reviere immer wieder für eine Überraschung gut seien, zeige der erneute Fund einer ausgedehnten Schanzanlage nördlich vom Elbenschwander Wolfsacker.

Dort hatte bereits in der vergangenen Wochen Revierleiter Rüdiger Motzke gemeinsam mit dem Schopfheimer Schanzenspezialist Werner Störk eine bislang unbekannte Viereck-Schanze als Bodendenkmal sichern können.

„Die Auswertung der die Wolfacker-Schanze umgebenden Waldareale ergab dann aber auch konkrete Hinweise auf das mögliche Vorhandensein neuer Objekte – die man aber eben nicht gerade mal so bequem am PC, sondern nur vor Ort durch intensive Geländebegehungen klären kann“, so Störk. „Eine nochmalige gemeinsame Begehung der Wolfsacker-Schanze war deshalb notwendig, um von dort aus die fraglichen Flächen zu untersuchen. Denn bereits auf einer handgezeichneten Militärkarte von 1701 – sie war einst im Besitz des badischen Markgrafen und liegt heute im Generallandesarchiv Karlsruhe – war beim Gewann Wolfsacker der Standort eines jener Alarm- und Signalfeuers eingezeichnet, dass die Kommunikations-Signale per Spiegel, Feuer, Rauch und Böller zwischen den einzelnen – zum Teil weit auseinanderliegenden – Schanzen gewährleisten sollte.“

Nur durch solche Feuer konnte in der damals noch überwiegend verkehrstechnisch kaum erschlossenen Berg- und Tal-Landschaft eine schnelle Benachrichtigung der verschiedenen Posten erreicht werden. Wie eine solche „Feuerleitstelle“ aussah, konnte man bisher nur erahnen – denn eine konkrete Fundsituation gab es in unserer Region noch nicht.

„Nun ist es erstmals auf dem nördlich über der Wolfsacker-Schanze liegenden Bereich gelungen, einen solchen Standort real nachzuweisen und so zum ersten Mal überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen, wie eine solche, die lebenswichtige (bei einem Angriff ja auch überlebenswichtige) Kommunikation schützende und eine Tag und Nacht funktionierende Verständigung sicherstellende Anlage aussah“, sagt Werner Störk.

Er ergänzt: „Das gesamte Kern- und Außenareal umfasst rund 30 000 Quadratmeter und liegt im exponierten Kuppenbereich – mit einer damals wohl – ohne den heute hohen Baumbestand – fantastischen Rundum- und Fernsicht über das gesamte Kleine Wiesental. Ganz offensichtlich wurde der Punkt, an dem man die Feuer entfachte – von der Mannschaftsunterkunft auch räumlich gut erkennbar getrennt.“ Der nächste Kommunikationspunkt im Süden lag auf der Südflanke des Zeller Blauens; im Norden erwartete man bei Böllen – und von dort weiter über Wieden nach Muggenbrunn – auf die von hier ausgehenden Nachrichten. „Wie wichtig dieser neu entdeckte Standort auch militärisch war, zeigen die eindrucksvollen, fünf lang gestreckten ringförmig angeordneten Steinwälle im Kuppenbereich, welche die Anlage gegen Westen sicherte“, sagt Störk.

Eine vergleichbare Ringwall-Struktur – bislang allerdings nur bei solitären Schanzen - kenne man auch von der Hebelhöhe über Raitbach sowie der Ringwallanlage auf dem Neuenweger Schlossboden. Störk zieht aus dem Fund den Schluss: „Der erneute überraschende Fund – ausgelöst durch die mögliche Beeinträchtigung der Wolfacker-Schanze durch die Zuwegung im Rahmen der Planungskulisse von Windenergieanlage 8 (Hirschkopf) und Windenergieanlage 7 (Tannenkopf) macht deutlich, dass man wohl alle in Frage kommenden Standorte des geplanten Windparks jetzt nochmals genau unter die Lupen nehmen muss, um sicherzustellen, dass keine schützenswerte Boden- und Kulturdenkmale im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Räder kommen“. Gleichzeitig mache die neue Situation aber auch deutlich, wie wichtig es gewesen wäre, bereits im einem sehr frühen Planungsstadium die in Frage kommenden Standorte nicht nur durch Entscheider im „fernen“ Freiburg per Software überprüfen zu lassen, sondern auch jene Fachleute – inklusive aus dem Forst – mit ins Boot zu nehmen, die sich mit ihrem detailreichen Lokalwissen vor Ort bestens auskennen.