Kleines Wiesental Tanzvariationen zum Thema Distanz

Ein Stück aus ihrem Lockdown-Projekt „Lost Places“ tanzen Pilar Buira Ferre und Anna Vogel Buira beim Festival „Tanz – Kultur – Distanz im Dialog“. Foto: Gabriele Seidel Foto: Markgräfler Tagblatt

Kultur trotz Corona: Das Tanzfestival im Kleinen Wiesental fällt nicht dem Virus zum Opfer. Ganz im Gegenteil: Es wird ein interessantes und schönes Event – und sehr anders.

Von Jürgen Scharf

Kleines Wiesental. Festivalmacherin Pilar Buira Ferre ist der Ansicht, dass besondere Zeiten besondere Kreativität und Ideen verlangen. Und so hat sie ihr Festival vom 16. bis 19. Juli „Tanz – Kultur – Distanz im Dialog“ genannt. Internationale Tanzcompagnien und Solotänzer werden das aktuelle Thema „Distanz“ vielfältig beleuchten.

Schon mutig, unter den ungewöhnlichen Umständen und Einschränkungen, die noch immer wegen der Pandemie gelten, den Tanz live auf die Bühne zu bringen und nicht nur per Video zu zeigen. Neu ist, dass das Tanzfestival nicht wie sonst im Freien unter einem Zeltdach auf dem Rosenhof-Gelände in Schwand stattfindet, sondern in einer Halle.

Und zwar in der Festhalle (Weideschuppen) in Wies, die eine ganze Woche für die Proben und Aufführungen genutzt werden kann. Die vorhandene Bühne wird aber nicht bespielt, das Tanzfestival geht in die Fläche. Choreografin Pilar Buira Ferre hat sich ein besonderes Raumkonzept überlegt. In der Mitte wird ein elf mal elf Meter großer Tanzboden ausgelegt und weiß angestrahlt. Um dieses Spielquadrat herum werden die Zuschauer mit dem gebührenden Abstand gruppiert. 80 Personen pro Vorstellung können Platz finden, man muss sich allerdings anmelden. Der Raum wird verdunkelt, mit schwarzen Stoffen verhängt, was eine interessante Verwandlung bewirken wird.

Neun Tanzcompagnien werden erwartet, die zum ersten Mal bei einem Rosenhof-Festival gastieren. Eine der Tänzerinnen, Melissa Kieffer, die in einer Berliner Compagnie tanzt und in einer Duo-Performance mit Partnerin körperbetonten Tanz über einen antiken Mythos zeigt, hat Verbindungen zu Schwand: Kieffer hat hier einige Jahre gelebt, dann Karriere gemacht und ist viel in der Welt unterwegs. Sie vertritt das, was das Programm ausmacht: zeitgenössisch-modernen Tanz.

Solche Tanzaktionen zwischen Tanztheater, Modern Dance, Ausdruckstanz und Performance wird es an drei Abenden und einer Matinee zu sehen geben. Die Besetzungen sind Solo, Duo und Trio sowie zwei größere Ensembles aus dem Dreiländereck: die beiden Formationen von Pilar Buira Ferre, das Ensemble „Vis à vie“ und die aktuelle „In-Zeit-Sprung“- Gruppe. Mit beiden erarbeitet die spanische Tanzpädagogin neue Stücke.

Für die Tanztheater-Performance von „Vis à vie“ („Mein Haus“) mit vier Frauen und einem Mann hat die Lörracher Künstlerin Astrid J. Eichin Kostümobjekte geschaffen: Mäntel aus Plastik, die in surrealen Szenen zum Thema „Isolation“ wie Hüllen oder eine neue Haut getragen werden.

Wegen Corona konnte die neue „In-Zeit-Sprung“-Männergruppe erst Mitte Juni mit dem Proben angefangen. Bis zur Premiere sei es „wie ein Marathon“, sagt Pilar Buira Ferre. Bei der 30-minütigen Tanztheater-Performance „Crazy Loop“ geht es um Distanz und Abstand, das drängende Thema in der durch den Shutdown ausgebremsten Gesellschaft.

Gespannt darf der Tanzfan auf Helga Carafi von der Truppe „Increpación Danza“ aus Barcelona sein, die den neuen Flamenco in mehr als 20 Länder getragen hat. Das Stück bringt eine Fusion aus Tanztheater, Flamenco und Modern Dance ins Kleine Wiesental und verspricht viel Energie und Feuer.

Das Stück über eine Frau, die sich in eine Spinne verwandelt, stellt die Pariser Tänzerin Maria Yannaros vor. Ein einbeiniger Schemel, wie man ihn vom Kühemelken kennt, wird in einer dynamischen Choreographie der Schweizer Compagnie Linga zu einem wichtigen Requisit. Judith Bach aus Bern, ehemalige Schülerin von Pilar Buira Ferre aus Bochumer Zeiten vom Theater Total, die auch die berühmte Dimitri-Schule durchlaufen hat, baut in ihr Theater-Chanson-Solo humorvoll-ironische Clownerien ein: ein Programm zum Lachen.

In einem Tanzstück zusammen mit ihrer 15-jährigen Enkelin Anna Vogel Buira, die in Basel Ballett studiert, spürt Pilar Buira Ferre in ihrem aktuellen Lockdown-Projekt „Lost Places“ verlassenen Orten in der Region nach, begleitet von Samano Altahir mit Saz und Stimme. Die Nachwuchstänzerin Anna tanzt zudem ein kurzes klassisches Solo.

Die nach Tanzkriterien wie Format, Kontrast und Harmonie zusammengestellten Programme dauern zwei Mal 40 Minuten mit einer 15-minütigen Pause, in der es Getränke und Snacks gibt. Unterstützt wird das Festival durch Fördermittel aus dem Impulsprogramm „Sommer Kultur 2020“ des Landes Baden-Württemberg. Während letztes Jahr zum Jubiläum erstmals Sponsoren auf den Plan traten, ist es das erste Mal seit 20 Jahren, dass das Rosenhof-Tanzfestival mit öffentlichen Geldern gefördert wird.

 Eintrittskarten und Vorbestellungen per Mail an tickets@kulturraumrosenhof.de , Restkarten an der Abendkasse

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