Kleines Wiesental Wenn die Quelle trocken fällt

Zoë Schäuble

Die Wasserversorgung auf Allmendweiden gestaltet sich zunehmend schwierig. Um diese trotz andauernder Hitze und zunehmender Trockenheit sicherzustellen, hat die Gemeinde Kleines Wiesental Fördermittel im Rahmen eines Projekts der Umweltabteilung des Regierungspräsidiums Freiburg und des Biosphärengebiets Schwarzwald beantragt. In Neuenweg wurden bereits erste Maßnahmen umgesetzt.

Von Zoë Schäuble

Kleines Wiesental-Neuenweg. Eine Kuh auf einer Allmendweide am Belchen trinkt pro Tag bis zu 100 Liter Wasser, weiß Erwin Eiche, Vorsitzender der Weidegemeinschaft Neuenweg. „Mit dem Voranschreiten des Klimawandels fällt an exponierten Stellen im Biosphärengebiet immer weniger Regen“, erklärt Florian Brossette, Leiter des Fachbereichs Landnutzung im Biosphärengebiet. Wie also kommt das Vieh auf den Hochweiden am Belchen und speziell oberhalb von Neuenweg an das so wichtige Trinkwasser, wenn die natürlichen Quellen sukzessive versiegen und Bäche trocken fallen? Immerhin benötigt eine Milchkuh zwischen vier und fünf Litern Wasser für die Erzeugung von jedem Kilogramm Milch. Christoph Huber, stellvertretender Biosphären-Geschäftsführer, macht deutlich, dass eine Entnahme von Wasser aus dem öffenlichen Netz in manchen Bereichen unumgänglich ist: „Das muss dann allerdings aufwendig auf die Weiden transportiert werden.“ Mobile Tränken können eine Alternative sein, eine solche steht beispielsweise am Heideckfelsen oberhalb von Neuenweg. Allerdings dauert die Befüllung des 3000-Liter-Tanks lange, und der Transport auf die Hochweiden sei kompliziert.

Weidewasserleitungen sichern Versorgung

Umso erfreulicher ist denn die Lösung, mit der Neuenweg seit kurzem die 14 Belchenhöfe und die Viehtränken mit Wasser versorgt, finden Eiche und Gerd Schönbett, Bürgermeister der Gemeinde Kleines Wiesental. Mithilfe von Weidewasserleitungen und einem Pumpsystem wird das Trinkwasser vom Feuerwehrhaus in Neuenweg – hier befindet sich der Wasserspeicher – zu den Höfen hochgepumpt. Zisternen auf den Neuenweger Hochweiden speichern das Wasser und können per Zeitschaltuhr entsprechend bedient werden, erklärt Eiche, der die Wasserversorgung des Viehs in den Sommermonaten kontrolliert.

Von den Allmendweiden bei Neuenweg, den gemeinschaftlich genutzten großflächige Bergweiden, die bis in die höchsten Lagen reichen, sind rund 100 Hektar beweidet. Von Mitte Mai bis Mitte Oktober weiden auf dieser Fläche zwischen 90 und 100 Tiere. Im Rahmen des Projekts konnte die Verlegung von einer rund viereinhalb Kilometer langen Wasserleitung bezuschusst werden. Zwei der acht Viehtränken sind somit an die Wasserversorgung angeschlossen. Dass die Weidewasserversorgung nicht nur für die Gemeinde immens wichtig ist, sondern darüber hinaus auch einen Beitrag zum Naturschutz leistet, bemerkt Huber: „Ohne die Weidewasserversorgung wäre keine Beweidung möglich und ohne Beweidung würde alles zuwuchern.“ Das wiederum führe dazu, dass Insekten, wie etwa Falter und Schmetterlinge, hier keinen Lebensraum mehr vorfänden. „Allmendweiden sind heute seltener geworden, jedoch gerade wegen ihres großen Artenreichtums ein besonders schützenswertes Kulturgut.“

Dass die natürlichen Quellen an den Hochweiden am Belchen-Südhang zunehmend trocken fallen, sei auch auf die Geologie der Landschaft zurückzuführen. Brossette: „Gneise und Granite, aus denen die Landschaft hier vordergründig besteht, können nur sehr wenig Wasser speichern.“ Der wenige Niederschlag und die andauernde Hitze tun ihr Übriges. Während im Januar noch 113 Liter Regen pro Quadratmeter in Neuenweg gefallen sind, waren es im Juli nur noch acht Liter pro Quadratmeter, berichtet Eiche mit Blick auf die gesammelten Daten.

Ergebnisse gibt es im komenden Jahr

Die Maßnahmen, die im Rahmen des Projekts der zukunftsfähigen Wasserversorgung der Hochweiden inNeuenweg bereits umgesetzt wurden, sollen auch in anderen Gebieten rund um den Belchen verwirklicht werden. „Ziele des Projekts sind, den Zustand der Infrastruktur zu erfassen, Leitungen anzupassen, Quellen zu schützen und Tränken zu optimieren.“ Das alles, so Brossette, solle dabei helfen, die Wasserversorgung künftig besser zu händeln. Im kommenden Jahr sollen Ergebnisse vorliegen.

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