Kleines Wiesental „Wies ist für die Zukunft gerüstet“

Wies for future: Das ließ sich gestern kaum jemand entgehen: Zahlreiche Interessierte strömten am Sonntag zum „Tag der offenen Tür“ im Wieser Dorfgemeinschaftshaus, um einen Blick auf die – so Ortsvorsteher Rolf Vollmer – „vermutlich größte thermische Solaranlage im Kreis Lörrach“ zu werfen.

Von Petra Martin

Kleines Wiesental-Wies. Was da ein ganzes Dorf in Sachen klimaneutrales Heizen auf die Beine gestellt hat, zog auch Auswärtige an, darunter auch der frühere Zeller Bürgermeister Rudolf Rümmele.

Ortsvorsteher Vollmer ließ die Erfolgsgeschichte des Nahwärmenetzes und der Heizzentrale Revue passieren. Noch zu Zeiten der Selbstständigkeit des Ortes habe man erkannt, dass sich die Dachflächen auf der Südwestseite in idealer Weise für eine Solaranlage eignen würden. So habe man erwogen, alle Dachflächen öffentlicher Gebäude mit Solarmodulen zu versehen; sogar eine Verpachtung sei erwogen worden.

Doch dann besann man sich und nahm die Sache selber in die Hand. Zusammen mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) und dem Verein Erneuerbare Energien Kleines Wiesental habe man ein Projekt gestemmt, von dem nicht nur die öffentlichen Gebäude profitieren, sondern „von dem alle Wieser etwas haben“: eine leistungsfähige Anlage für alle Bürger. An schönen Sommertagen würden 25  000 Liter Wasser auf 100 Grad Celsius erhitzt werden können, „das schafft die Anlage“.

Nach ersten Überlegungen im Jahr 2016 und Datenerhebungen zum Energieverbrauch war 2018 mit den Tiefbauarbeiten begonnen worden. Im Dezember 2018 wurde der Pufferspeicher eingerichtet, im Januar dieses Jahres konnte der Holzkessel in Betrieb genommen werden. Im Juli sei mit dem Betrieb der Solarenergieanlage gestartet worden, Bauende soll im Juli 2020 sein.

Ortsvorsteher Vollmer bedankte sich bei allen am Bau Beteiligten sowie ausdrücklich bei den Bürgern, die mitmachten, und darüber hinaus über einen langen Zeitraum hinweg Unannehmlichkeiten ertragen mussten. „Manche Wieser fahren seit eineinhalb Jahren über eine Baustelle“, so Vollmer. Denn auch der Breitbandausbau fand parallel statt - das schnelle Internet soll nächstes Jahr in Betrieb gehen.

„Wies hat seinen Beitrag zum Klimaschutz erbracht“

Darüber hinaus finde auf Vorschlag von Bürgermeister Gerd Schönbett eine Erneuerung der Straßendecken statt; der Antrag von Mitteln aus dem Ausgleichsstock sei bewilligt worden, spätestens in der übernächsten Woche würden die Straßenbauarbeiten beginnen, teilte Ortsvorsteher Vollmer mit.

Daniel Weiß, Geschäftsführer der EWS Energie GmbH, sagte, zehn Prozent der Energie würden über die Solaranlage und 90 Prozent durch Holz gewonnen. „Wies ist für die Zukunft gerüstet.“ Das Dorf habe seinen großen Beitrag für den Klimaschutz erbracht. Die Versorgung mit Holz für die Hackschnitzel erfolge nicht auf weiten Wegen, vielmehr werde das Holz noch bis in 30 Jahren aus der Region rund um Wies kommen. Dass ein ganzes Dorf mit umweltfreundlicher Energie versorgt werde, sei etwas ganz Besonderes. Fast jeder der Wieser Hausbesitzer mache mit, so Daniel Weiß, der ebenfalls den Beteiligten und besonders den Bürgern dankte. „Ohne euch alle hätte man das nicht machen können.“

Helmut Grether vom Verein für Erneuerbare Energien und von der Weidegemeinschaft würdigte ebenfalls die Entstehungsgeschichte des Nahwärmenetzes von den ersten Überlegungen bis zur Verwirklichung dieses außergewöhnlichen Projekts.

Die Weidegemeinschaft war es denn auch, die die Besucher im Dorfgemeinschaftshaus bewirtete. Ein Film zeigte Fortgang und Ziele des Bürgerprojekts auf, und schließlich wurden die Besucher auf einen Rundgang ins Herz der Heizzentrale und zum Hackschnitzelbunker geführt.

Firmen, die EWS und der Energie-Verein hatten an ihren Ständen Infomaterial für Interessierte parat.

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