Kreis Lörrach Alle Standorte sollen bestehen bleiben

Michael Werndorff
Der Recyclinghof in Steinen muss wegen Bauarbeiten ab April geschlossen werden. Foto: Maximilian Müller

Die Verwaltung hat das Recyclinghofkonzept überarbeitet.

Beim Recyclinghofkonzept ist die Verwaltung über die Bücher gegangen. Statt der Schließung einzelner Standorte soll mittelfristig ein Hybridmodell verfolgt werden. Kurzum: Alle bisherigen Höfe bleiben nach dem Willen des Betriebsausschusses des Kreistags erhalten. Das letzte Wort hat der Kreistag.

Die Vorgeschichte: Das Recyclinghofkonzept des Kreises wurde im Jahr 2022 überprüft, daraufhin empfahl der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft eine Zentralisierung der Recyclinghöfe, was Schließungen zur Folge gehabt hätte. Der Kreistag stimmte nicht zu und beauftragte den Eigenbetrieb, seine Handlungsoptionen auf den Prüfstand zu stellen und eine Option zu beleuchten, bei der alle Höfe bestehen bleiben und die Klimawirkung berücksichtigt wird.

Eine Datenerhebung samt Bürgerbefragung brachte zudem neue Erkenntnisse zu den Wünschen und Bedürfnissen der Bürger, wie Leiterin Silke Bienroth im Betriebsausschuss am Mittwoch berichtete. Verglichen wurde der Ist-Zustand mit dem Hybridmodell und der zunächst ins Auge gefassten Zentralisierung, bei der vier Höfe (Rümmingen, Rheinfelden-Stadt, Steinen und Zell) geschlossen worden wären.

Das Hybridmodell: Das Konzept sieht den Ausbau einzelner Höfe zu Recyclingzentren (RZ) in Kombination mit kleineren Recyclinghöfen (RH) vor. Die großen Zentren sollen nach definierten Qualitätskriterien ausgebaut und weiterentwickelt werden. Das hat laut Bienroth zur Folge, dass es unterschiedliche Ausbauzustände geben wird. Bei einem Zentrum würden alle Abfälle angenommen, möglichst auch Grünabfall, so die Leiterin des Eigenbetriebs. Die Öffnungszeiten sind montags bis samstags. Ein Hof soll nur freitagnachmittags und samstags zugänglich sein, und das bei einer eingeschränkten Abfallannahme: Nur Papier, Pappe, Kartonage, Metalle, Altglas, Textilien, Speisefette/-öle, gegebenenfalls auch Sperrmüll, Altholz, Hartplastik und Grünabfall sollen angenommen werden.

Der Vergleich der kalkulierten Kosten zum Ist-Zustand zeigt beim Hybridmodell eine Verteuerung um 22 300 Euro pro Jahr, die Zentralisierung ermöglicht indes Einsparungen von 114 000 Euro. Die Zentralisierung hätte aber auch Nachteile, vor allem in Sachen Kundenorientierung. Negativ wären außerdem die Erhöhung der Transportkilometer und des CO2-Ausstoßes durch längere Anfahrtswege.

Die Bürgerumfrage: Das Stimmungsbild wurde vom 13. Februar bis 31. März 2023 gezeichnet und bestätige im Wesentlichen die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen, so die Verwaltung: So ist für die Umfrageteilnehmer die Nähe zu einem Recyclinghof wichtiger als erweiterte Öffnungszeiten.

Zudem liegt die Nutzung ortsnaher Höfe ohne PKW mit zehn bis 25 Prozent der Anlieferungen deutlich über dem Durchschnitt mit fünf Prozent. Für das Ziel der Kundenorientierung sei die Beibehaltung dezentraler Annahmestellen vorteilhaft, bilanziert der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft.

Die Höfe: Für Lörrach, Rheinfelden-Herten, Schönau, Schopfheim und Kandern ist der Bestandsbetrieb gesichert. In Weil am Rhein ist am Standort Märkt eine Kündigung der Fläche wegen Eigenbedarf des Eigentümers absehbar. Hier komme der Behörde zufolge gegebenenfalls eine Flächenpacht in Haltingen bei Holcim samt Neubau, den der Kreistag bereits bestätigt hat, in Frage. In Steinen wurde die Fläche des Recyclinghofs wegen der Sanierung einer Gasleitung und der Verlegung der L 138 bereits gekündigt. Der Hof muss ab Anfang April bis Jahresende geschlossen werden, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Wann der Standort endgültig aufgegeben werden muss, ist noch unklar. Wegen baulicher Mängel, und um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, ist man in Zell auf der Suche nach einem geeigneten Standort für den Recyclinghof.

Stimmen der Fraktionen: „Die Stimme der Vernunft hat gesiegt“, befand Paul Renz (CDU). Sperrmüll sollte seiner Ansicht nach auf allen Höfen angenommen werden.

Ulrich May (FW) lobte das „kundenorientierte Konzept“. Weite Wege sollten den Bürgern nicht zugemutet werden. Es sei richtig, dass alle zehn Höfe bestehen bleiben und davon sechs zu Zentren ausgebaut würden.

Und von einer gut entwickelten Lösung sprach Klaus Eberhardt (SPD). Dass man nicht mehr an allen Standorten alles anbieten könne, hänge auch am Thema Personal, kommentierte er das Hybridkonzept.

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