Regio (mh). Mit einem Positionspapier ist jetzt die Initiative „Chemie am Hochrhein“ in Rheinfelden gestartet. Dieses ist eine aktuelle Standortbestimmung und richtet den Blick in die Zukunft der chemischen Industrie am Hochrhein. Es beschreibt dazu gemeinsame Ziele und Aufgaben aller beteiligten Institutionen, erläuterte Bezirksleiter Wilfried Penshorn von der IG BCE bei einem Pressegespräch.

Die Initiative ist aus einem Runden Tisch entstanden, der im September 2013 von der IG BCE zur Zukunft der chemischen Industrie am Hochrhein ins Leben gerufen wurde. Aus dieser Plattform wurden in drei Arbeitsforen zu den Themen „Der Hochrhein als Industriestandort für Unternehmen“, „Arbeiten und Leben am Hochrhein“ und „Besser miteinander auskommen“ Ergebnisse erarbeitet und im Juli 2014 präsentiert. Daraus entstand ein Steuerungskreis, der nun die Initiative „Chemie am Hochrhein“ auf den Weg bringt. In der Zwischenzeit hat die Initiative bereits vier Sitzungen durchgeführt, an denen Vertreter von Kommunen, der Industrie, Wirtschaftsförderern, Verbänden, Arbeitnehmervertretungen und der Bürgerinitiative Zukunftsforum aus Grenzach-Wyhlen teilnahmen. Beteiligt sind zudem der Landkreis Lörrach und das Wirtschaftsministerium in Stuttgart.

Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt betonte die konstruktive, offene Zusammenarbeit, bei der man sich auch trotz teilweise unterschiedlicher Interessen bemüht habe, nach einer ersten Phase der kritischen Revision eine gemeinsame Position im Konsens zu finden. Dies sei mit „ausgeprägter Einvernehmlichkeit“ geschehen. Die räumliche Abgrenzung am Hochrhein reiche dabei von Weil am Rhein bis nach Waldshut-Tiengen. Der Standort umfasst damit eine Bevölkerung von rund 200 000 Menschen.

Am Chemie-Standort Hochrhein sind etwa 30 Unternehmen mit 5400 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro zu finden, stellte Peter Dettelmann, Werksleiter der Evonik, dar. Dabei eingerechnet seien jedoch nicht die Zuliefererbetriebe und indirekt abhängige Unternehmen und Beschäftigte. Zudem stellte Dettelmann kurz eine repräsentative Umfrage vor, die vom Arbeitgeberverband in Auftrag gegeben wurde. Mit großer Mehrheit (80 Prozent) wurde der Industrie ein positives Image bescheinigt. Als Kritikpunkt stand der Wunsch nach mehr und einer offeneren Kommunikation dagegen.

Die strukturellen Grundlagen und damit die Perspektiven für Betriebe der chemischen und pharmazeutischen Industrie seien gut, fügte Eberhardt an. Die Unternehmungen könnten sich im internationalen Wettbewerb erfolgreich positionieren.

Manfred Mutter von der BI Zukunftsforum aus Grenzach-Wyhlen betonte die Wichtigkeit der Kommunikation, er erhofft sich für die Zukunft einen Konsens zu erreichen.

Das Positionspapier soll im Detail weiter ausgebaut werden, sagte Klaus Keßner vom Betriebsrat der DSM. Für ihn ist es wichtig, die von der Initiative erarbeiteten Schritte in die beteiligten Betriebe und Organisationen hineinzutragen. Es gebe schon konkrete Ansätze: In der nächsten Woche werden Personalchefs und Betriebsräte die Arbeitsagentur in Lörrach besuchen, um dort gemeinsam zu prüfen, wie man dem Fachkräftemangel begegnen kann.

Die Mitglieder der Initiative „Chemie am Hochrhein“ sind:

Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Freiburg; Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg; Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg; Landkreis Lörrach; Stadtverwaltung Rheinfelden; Gemeinde Grenzach-Wyhlen, Bürgerinitiative Zukunftsforum Grenzach-Wyhlen; Evonik Industries, Rheinfelden; BASF Grenzach; Betriebsräte der Chemie- und Pharmabetriebe am Hochrhein; Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee; Wirtschaftsregion Südwest; Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung Rheinfelden