Kreis Lörrach Einzelhandel bangt ums Weihnachtsgeschäft

Michael Werndorff
Erst 3G, dann 2G: Viele Händler bekommen die schärferen Coronamaßnahmen zu spüren und zählen schon jetzt weniger Kunden. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kreis Lörrach - Für viele Händler in Südbaden ist das Geschäft am ersten Adventssamstag verhalten gelaufen. Mit den verschärften Corona-Maßnahmen und 2G sieht sich der stationäre Einzelhandel erneut benachteiligt

Geschäft am ersten Adventssamstag lief schlecht

Wieder trifft es den stationären Einzelhandel, und das im wichtigen Weihnachtsgeschäft. „Über die Sinnhaftigkeit der Trennung zwischen Betrieben, die unter die Grundversorgung fallen und von 3G beziehungsweise 2G nicht betroffen sind, und anderen Bereichen im stationären Einzelhandel kann trefflich diskutiert werden“, meint Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Geschäft am ersten Adventssamstag lief schlecht, und wo 2G gilt, sogar noch verhaltener“, verweist er auf eine aktuelle Umfrage des Verbands.

Bewährte Hygienekonzepte

Im Landkreis Lörrach gilt die Verschärfung seit Sonntag. Nichtimmunisierte Kunden ist der Zutritt zu Betrieben des Einzelhandels und zu Märkten – ­mit einigen Ausnahmen – nicht mehr gestattet. Dabei hätten doch alle Unternehmen ein Hygienekonzept, das sich bewährt habe, erklärt der Branchenvertreter und stellt fest: „Der Handel ist kein Infektionstreiber.“

Eine weitere Ungerechtigkeit: 2G treffe den Onlinehandel nicht, den stationären schon. „Das ist wieder ein herber Schlag.“ Nicht alle Geschäfte können vom Internethandel profitieren: Die Preise im Internet seien niedriger, Web-Plattformen verlangten Provisionen und die Margen deckten nicht die stationären Kosten.

Konkurrenz mit Online-Handel spitzt sich zu

War der Onlinehandel schon vor der Pandemie eine harte Konkurrenz, so würde sich die Lage nun zuspitzen, und das im für viele Geschäfte wichtigen Weihnachtsgeschäft. Letzteres sei zum Beispiel für Juweliere und Spielwarenläden enorm wichtig, betont Geiselhart. Und es sei leider nicht die erste Saison, in der die Pandemie voll zuschlage.

Der Dezember zähle mit dem Weihnachtsgeschäft zu den umsatzstärksten Monaten überhaupt, stellt Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee fest. „Bis zu 20 Prozent machen nicht selten der Anteil des Weihnachtsgeschäfts am Gesamtjahresumsatz aus.“ In einzelnen Branchen liege der Anteil noch höher. „Schon im vergangenen Jahr war es für die Händler nicht möglich, mit einem starken Weihnachtsumsatz die Verluste des laufenden Jahres auszugleichen. Eine Wiederholung dieses Szenarios, erst recht für den Fall eines weiteren Lockdowns, brächte sie in eine prekäre Situation.“

HDE schlägt Alarm

Alarm schlägt derweil der Handelsverband Deutschland (HDE): „Wenn 2G im Einzelhandel angeordnet wird, dann werden wir einen Umsatz und Frequenzrückgang haben, der so massiv ist, dass viele Unternehmen das mit Sicherheit im Winter, im Weihnachtsgeschäft nicht überstehen können“, sagte dieser Tage HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Dem pflichtet Geiselhart bei. „Bei den Betriebsschließungen stellen wir eine steigende Tendenz fest.“ Daher rücke die Überbrückungshilfe 3 wieder in den Fokus. Allerdings setzt diese einen Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent voraus. Liegt ein Unternehmen nur knapp darunter, so geht es dennoch leer aus.

Handel muss 2G sicherstellen

Der Handel stehe nun vor der Aufgabe, 2G in den Geschäften sicherzustellen. Einlasskontrollen seien nicht vorgeschrieben, es genügten Stichproben im Geschäft, worauf man sich mit dem Sozialministerium geeinigt habe. Für den Händler sei dies eine Erleichterung, denn zum Beispiel zusätzlich Sicherheitspersonal zu beschäftigen, sei für viele finanziell nicht leistbar.

„Wichtig ist, dass der Betrieb neben dem Hygiene- auch ein Kontrollkonzept vorweisen kann.“ Denn die Vorgaben seien strafbewährt, erklärt Geiselhart. Dieser appelliert derweil an das Verantwortungsbewusstsein der Kunden, sich an 2G zu halten.

Änderungen erneut zu kurzfristig

Nicht nur die Verschärfung im Handel an sich stoße bei einigen Unternehmern auf Unverständnis, sondern auch die Tatsache, dass diese kurzfristig inkrafttrete. „Hier hat die Politik nichts dazugelernt.“ Die Geschäfte bräuchten mehr Zeit, sich darauf einstellen zu können. Und mit Blick auf einen möglichen Lockdown: „Dann muss die Abholung von bestellter Ware im Geschäft möglich bleiben“, fordert Geiselhart.

Nun komme es darauf an, die Impfquote zu erhöhen. „Das treibt uns schon lange um“, verweist er auf Impfstraßen in Einkaufszentren. Denn mit einer höheren Quote ließen sich strengere Maßnahmen vielleicht noch verhindern.

„Auf Seiten der Unternehmen treffen wir weit weniger auf Kritik an diesen aktuellen oder noch bevorstehenden Maßnahmen als vielmehr daran, dass die Entwicklung der Pandemie auf Landes- und Bundesebene so lange ignoriert wurde“, sagt Marx. Viele hätten sich ein früheres und entschiedeneres Gegensteuern gewünscht, so vor allem im Hinblick auf die defizitäre Impfquote und die dringend notwendige dritte Impfung.

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