Kreis Lörrach Damit die Versorgung gesichert ist

Die Oberbadische, 12.10.2017 18:05 Uhr

Von Michael Werndorff

Mehr Unterstützung für Ansiedlungswillige, die Förderung neuer Versorgungsformen, die Entlastung durch nicht-ärztliches Personal und eine zusätzliche Arztstelle am Krankenhaus eigens für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. So lauten einige Empfehlungen der jetzt veröffentlichten Bedarfsanalyse der hausärztlichen Versorgung im heimischen Kreis.

Kreis Lörrach. Die Erhebung, die der Kreistag Ende vergangenen Jahres in Auftrag gegeben hatte, zeigt Handlungsbedarf: Zwar hat noch jede größere Gemeinde im Landkreis ihren Hausarzt, aber das könnte sich in Zukunft ändern. Denn mehr als 40 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre und älter – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt, wie Dezernent Michael Laßmann am Mittwoch berichtete.

Konkret wollen 23 Hausärzte in den nächsten Jahren ihre Praxis abgeben, nur fünf haben bereits einen Nachfolger in Aussicht. Hinzu kommt, dass Hausärzte hier noch überwiegend in Einzelpraxen arbeiten – ein Nachteil bei der Suche nach einem Nachfolger, da solche Praxen eher unattraktiv und mit hohen Investitionskosten verbunden sind, wie zu erfahren war.

Die Analyse zeigt, dass im Mittelbereich Schopfheim der Versorgungsgrad (Verhältnis von Einwohnerzahl zu Arzt) sehr heterogen ist. Das obere Wiesental ist nach den Kriterien der Bedarfsplanung mit 148 Prozent entgegen dem Bundestrend überversorgt, das mittlere Wiesental befindet sich mit 78 Prozent an der Grenze zur Unterversorgung – in den kommenden Jahren wird man hier ohne Nachbesetzung sogar auf 59 Prozent abfallen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) berechnet hier noch eine ausreichende Versorgung, da sie den gut versorgten und den unterversorgten Bereich zu einem Mittelbereich zusammenfasst.

Ziel ist es nun, aufgrund der vorliegenden Studie für den Bereich Schopfheim eine drohende Unterversorgung aufzuzeigen. Damit können auch Fördergelder für Praxisneugründungen und -umstrukturierungen in dieser Region beantragt werden, wie Laßmann erklärte.

Nach der regen Beteiligung an der Befragung von mehr als 70 Prozent sehen auch die Hausärzte vor allem mangelnden Nachwuchs in der Allgemeinmedizin und eine ungleiche Verteilung der Ärzte als Ursachen für eine erschwerte flächendeckende hausärztliche Versorgung in der Zukunft. Sie weisen außerdem auf große berufspolitische Schwierigkeiten hin: überbordende Bürokratie, nicht angemessenes Einkommen bei hohem finanziellen Risiko und Regressforderungen. Gerade junge Ärzte wollen eher in Teilzeit oder im Angestelltenverhältnis arbeiten. Sie wollen weniger finanzielle Verantwortung und Verwaltungsaufgaben übernehmen und schätzen das Arbeiten in einem kollegialen Team mit der Möglichkeit zur Spezialisierung. Dies bedeutet aber auch, dass für zwei ausscheidende Ärzte drei junge Hausärzte gewonnen werden müssen – so kalkuliert beispielsweise der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, heißt es von Seiten des Landratsamts.

Dieses will mit dem angebotenen Engagement der Hausärzte bezüglich der Aus- und Weiterbildung von jungen Ärzten und Studenten gemeinsam den ärztlichen Nachwuchs in den Landkreis bringen. Durch positive Beispiele vom „Landarztsein“ sollen Anreize geschaffen werden, den Beruf des Hausarztes zu ergreifen und sich in der Regio niederzulassen.

Aus diesem Grund hat der Verwaltungsausschuss dem Kreistag jetzt einen Maßnahmenkatalog zu Verabschiedung empfohlen: Gefördert werden soll die Rotationsstelle Allgemeinmedizin und sowohl ein Budget für die spezifische Förderung von Weiterbildungsassistenzen als auch eines für die gezielte Werbung bei Studenten eingerichtet werden.

Dass man auf die Unterstützung des Kreises baue, betonte Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz (CDU), zudem hoffe er, dass die (KV) die Region zukünftig kleinteiliger betrachte. Vom Konzept der Einzelpraxen müsse man wohl abrücken, so Nitz weiter.

„Es hat sich gezeigt, dass sich unsere Sorgen greifbar erklären lassen“, kommentierte Gabriele Weber (SPD) die Analyse, nun müsse der Kreis die KV in die Pflicht nehmen. Dass die Ergebnisse der Studie richtig besorgniserregend seien, erklärte Willibald Kerscher (FW/Die Unabhängigen). Den Erfolg der Maßnahmen zweifle er an, wobei er die Schuld an der sinkenden Attraktivität des Hausarztberufs bei Politik und Krankenkassen verortete.

„Beinflussbare Dinge sollten wir auch beeinflussen“, meinte indes Margarethe Kurfeß (Grüne). Dass man sich mit den Maßnahmen nur auf einem Nebenkriegsschauplatz befinde, stellte Wolfgang Roth-Greiner klar, denn in Berlin müssten die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Klaus Eberhardt (SPD) regte an, das Thema auch in der kommunalen Gesundheitskonferenz auf die Agenda zu setzen und aggressiver für den Kreis bei jungen Ärzten zu werben. Landrätin Marion Dammann erklärte, dass man mit der Analyse jetzt eine nachweisliche Grundlage habe und einen Vorstoß in Richtung KV unternehmen könne. Zudem sollten die heimischen Bundestagsabgeordneten gezielt angesprochen werden.

 
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