Kreis Lörrach Damit Frauen Hilfe erfahren

Michael Werndorff
Die Anträge auf finanzielle Hilfen für die Baumaßnahmen zur Erweiterung der Frauenhausplätze füllen ganze Aktenordner. Trotz der bürokratischen Hürden zeigen sich Carolin Throm, Antje Lauber und Annette Perschke optimistisch. Foto: Michael Werndorff

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Frauen helfen Frauen ist ein kleiner Verein mit einer großen Aufgabe: Im Landkreis Lörrach entstehen nicht nur mehr Frauenhausplätze, Ziel ist es auch, die Qualität der Betreuung zu verbessern. Zwar liegen die Arbeiten im Zeitplan, das Projekt wird wegen steigender Baukosten aber deutlich teurer.

Der aktuellen Wasserstandsmeldung zufolge rechnet der Verein mit Gesamtkosten von drei Millionen Euro – rund eine halbe Million mehr. Die Kosten seien aber ständig in Bewegung, und zwar nach oben, wie Carolin Throm, Antje Lauber und Annette Perschke vom Verein „Frauen helfen Frauen“ im Rahmen eines Pressegesprächs erklären. „Es wird sicher nicht bei dieser Kostensteigerung bleiben“, erklärte Carolin Throm. Alle Kosten stiegen, auch die Nebenkosten. „Es ist eine nicht absehbare Entwicklung.“ Auf vielen Ebenen sei der Verein mit Unwägbarkeiten konfrontiert.

Nun sei man damit befasst, weitere Anträge auf finanzielle Zuschüsse zu stellen. Eine Wand voller Aktenordner zeugt vom bürokratischen Aufwand, den die Frauen schon gestemmt haben und weiterhin stemmen müssen. Es müssten viele Hürden genommen werden, wie Annette Perschke sagte. Immerhin: So gebe es für einen finanziellen Zustupf seitens des Bundes schon eine mündliche Zusage. „Wir hätten es aber gerne schriftlich“, moniert die Sozialarbeiterin.

Mammutaufgabe stemmen

Der kleine Verein, der zum Ziel hat, Frauen in Notlagen zu helfen, stemmt eine Mammutaufgabe: So wird derzeit nicht nur das alte Frauenhaus umgebaut und modernisiert, es wurde auch eine Immobilie in Lörrach erworben, die derzeit hergerichtet wird. Für den Kauf musste der Verein 1,5 Millionen Euro aufbringen. Gelungen ist dies dank öffentlicher Zuschüsse sowie Spenden von Institutionen und Privatleuten. Großer Dank gelte hier der Bürgerstiftung, die ein Darlehen ermöglichte. Tilgung und Zinszahlungen starteten ab 2023, wie es weiter hieß. Nach Fertigstellung sollen Anfang nächsten Jahres insgesamt 24 Plätze zur Verfügung stehen – ein wahnsinniger Gewinn für Frauen und Kinder, betonte Throm. „Das verbessert das Hilfesystem, was Plätze und Qualität angeht.“ Die steigenden Baupreise muss das Team vom Frauenhaus kompensieren. Dabei besteht die Herausforderung darin, sich durch den Antrags-Dschungel einen Weg zu bahnen.

Mindereinnahmen belasten

So gebe es nicht nur ein einziges Förderprogramm, sondern viele: zum Beispiel Bundes- und Landesmittel und Geld vom Deutschen Hilfswerk. „Mit dem Aufwand der Anträge habe ich nicht gerechnet“, kommentiert Antje Lauber die Situation.

Bisweilen können Quellen nicht erfolgreich angezapft werden, wie die Vorgaben von Aktion Mensch zeigen. Der Antrag umfasste 100 000 Euro, die Hälfte hätte das Land geben müssen, der Eigenanteil des Vereins betrug 20 Prozent. Auf die Aktion Mensch entfielen 30 Prozent. Allerdings hätte der Verein eine Satzungsänderung vornehmen müssen, wovon die Verantwortlichen Abstand nahmen.

Kreis soll Zustupf leisten

Erschwerend kommen laut Lauber Mindereinnahmen während des Umbaus zum Tragen. Mittlerweile stehe ein Minus von rund 105 000 Euro unter dem Strich. Die vom Landkreis Lörrach beantragte Ausfallfinanzierung brachte dem Verein 30 000 Euro. Nun will man auch hier um weitere Unterstützung vom Kreis bitten.

Finanziell wird es jetzt richtig knapp: Der Verein muss an seine Rücklagen, zudem müsse er viel Geld selbst aufbringen. Lauber setzte den Betrag mit 120 000 Euro an. Mit weiteren Kostensteigerungen sei zu rechnen. Darüber hinaus werde sich der Eigenanteil von 30 Prozent mit dem Betrieb des zweiten Hauses verdoppeln. Die Mittel aufzubringen, sei ein Kraftakt. Gleichwohl zeigten sich die Frauen optimistisch, auch dies schaffen zu können. Gerade auch, weil die Unterstützung aus der Bevölkerung sehr groß sei. „Die Menschen sind uns zugewandt.“ Man werde aber umso mehr auf Spenden angewiesen sein, betonte Throm.

 Weitere Infos finden Interessierte unter www.fhf-loerrach.de

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