Kreis Lörrach Die Heilung hat ein Gesicht

Die Oberbadische
Jazz trifft auf orientalische Musik: Das HP Schmitz Quintett und der syrische Musiker Mohammad Altahir Saman fanden musikalisch zusammen. Foto: Ursula König Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König

Krieg, Verfolgung und Folter: Dies mussten viele Menschen erleben, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind und nun eine Bleibe im Landkreis gefunden haben. Das Traumanetzwerk, das am Samstag einjähriges Bestehen feierte, wurde mit dem Ziel gegründet, traumatisierten Geflüchteten eine angemessene Behandlung zu ermöglichen.

Kreis Lörrach. Am Anfang stand eine Projektgruppe, hervorgegangen aus dem Arbeitskreis Miteinander, den Freundeskreisen Asyl aus Lörrach und Rheinfelden sowie der Caritas, um ehrenamtlich und mit hoher fachlicher Kompetenz eine „sehr anstrengende Arbeit“ aufzunehmen, die letzten Endes auch dazu führen kann, dass für Betroffene Integration überhaupt erst möglich ist. Das erklärte die Netzwerk-Sprecherin Anke Reinbach, Ärztin und Psychotherapeutin, zur Entwicklung des Projektes. Die Arbeit sei auch deshalb schwierig, weil sogenannte „Sprachmittler“ eingebunden seien, um Verständigung zu ermöglichen. Eine von der Caritas zu 50 Prozent hauptamtlich angestellte Fachkraft entlaste inzwischen, wenn es um Administration und Therapie gehe.

Im Gegensatz zu Naturkatastrophen seien die von Menschen inszenierten Katastrophen weitaus belastender, meinte Reinbach. Denn: „Das Grauen hat ein Gesicht.“ Aber auch die Heilung habe ein Gesicht. Und werde traumatisierten Geflüchteten nicht geholfen, so bedeute dies auch Folgeprobleme für den Landkreis.

Die Schirmherrin des Netzwerkes, Landrätin Marion Dammann erinnerte daran, dass in den Jahren 2015 und 2016 über 3000 Geflüchtete im Landkreis aufgenommen wurden und hob die „sensationelle Leistung“ der ehrenamtlichen Helfer hervor. „Flucht macht krank. Ich glaube, das wissen wir alle“, ging sie auf eine Situation ein, die verstärkt werde durch die Belastungen in einer Gemeinschaftsunterkunft mit wenig Privatsphäre und Spannungen.

Lörrachs Bürgermeister Michael Wilke stellte die Frage: „Wer kann sich abwenden, wenn Menschen kommen und Hilfe brauchen?“ Das Traumanetzwerk sei unerlässlich, um die Last zu erleichtern und Menschen wieder auf den Weg zu bringen. Auch Angelika von Loeper vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg hob die Bedeutung des Netzwerkes hervor und gab zu bedenken, dass traumatisierten Menschen ihre leidvollen Erfahrungen nicht anzusehen seien.

Das HP Schmitz Quintett und der syrische Musiker Mohammad Altahir Saman umrahmten die Feier musikalisch. Eine der Gewinnerinnen des Lörracher Vorlesewettbewerbs für junge Flüchtlinge, Joudi Khalil aus Syrien, las aus dem Buch „33 Bogen und ein Teehaus“ von Mernousch Zaeri-Esfahani. Anschließend wurden die Besucher zu einem orientalischen Apéro gebeten.

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