Kreis Lörrach „Finnische Lehrer sind entspannter“

Petteri Möhwald fährt jedes Jahr nach Finnland und ist über das dortige Schulsystem bestens informiert. Foto: Christoph Schennen

Kreis Lörrach - Das deutsche Schulsystem trennt schon nach der vierten Klasse leistungsstarke von schwächeren Schülern. In Finnland ist das anders - wie Petteri Möhwald, Lehrer an der Wiesentalschule am Donnerstag bei einem Vortrag in der Friedrich-Ebert-Schule in Schopfheim erläuterte. Seine Mutter ist eine Finnin, sein Vater ein Deutscher. Organisiert hatte den Vortrag die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Kreisgruppe Lörrach.

Als Leiter der Erasmus-Lehrerfortbildung in Helsiniki kennt er das finnische Schulsystem, an dessen Anfang eine einjährige Vorschule steht. Danach besuchen alle Schüler von der Klasse eins bis neun die Gemeinschaftsschule, in der die sechsjährige Grundschule inkludiert ist. Nach diesen neun Jahren können die Schüler ein freiwilliges zehntes Jahr absolvieren, oder sie wechseln auf die gymnasiale Oberschule, an der sie nach drei Jahren das Abitur machen können. Daneben gibt es noch die Berufsschule. Privatschulen gibt es kaum, weil das staatliche Schulwesen ein so gutes Konzept ist, dass der Bedarf an Privatschulen gering ist.

Im finnischen Schulsystem steht das Wohl des Schülers im Vordergrund, wie Möhwald festgestellt hat. Darum kümmern sich „multiprofessionelle Teams“: neben Eltern und Lehrern sind es Schulpsychologen, Gesundheitspfleger, Ärzte und Therapeuten.

Optimale Betreuung der Kleinkinder

Schon die Betreuung der Kleinkinder ist optimal. Ein Lehrer betreut sieben Kinder. Und anders als in Deutschland sind die finnischen Erzieherinnen Akademikerinnen, die den Studiengang Kindergartenlehrerin erfolgreich abgeschlossen haben. Nahezu jedes Kind (97 Prozent) geht in dem skandinavischen Land in die Kita.

Die schulpsychologische Betreuung hat in Finnland eine höhere Bedeutung als in Deutschland. Im Landkreis Lörrach kommt auf fünftausend Schüler ein Schulpsychologe, in Finnland ist ein Schulpsychologe lediglich für 600 Schüler zuständig.

Im „Land der 1000 Seen“ gibt es ein Zentralabitur, das an zwei Terminen im Jahr abgelegt werden kann. „Es wird online geschrieben. Wenn die Prüfungszeit um ist, speichert der Rechner die Ergebnisse des Prüflings und fährt herunter“, sagt Möhwald, der immer mal wieder überlegt, Lehrer an der deutschen Schule in Helsiniki zu werden. Allerdings muss man dafür Gymnasiallehrer sein und nicht wie Möhwald Grund- und Hauptschullehrer. Auch die hohen Lebenshaltungskosten sprechen dagegen. Deswegen hat er sich zum Ziel gesetzt, an seiner Schule Veränderungen zu bewirken.

Auch wenn die Lehrer in Finnland weniger Geld verdienen als die deutschen Pädagogen - ein Fachlehrer bekommt durchschnittlich 3900 Euro im Monat, ein Klassenlehrer 3500 Euro - , sind sie laut Möhwald „souverän, entspannter und immer professionell.“ Wer Lehrer werden will, muss ein „hartes Auswahlverfahren“ durchlaufen und danach in einem Interview erklären, warum er Lehrer werden will.

Lukrativ sind zudem Vertretungsstunden, die extra bezahlt werden und mit denen die Lehrer ihr Gehalt aufbessern können.

Nach dem Vortrag durften die Zuhörer Korvapuusti und Karjala probieren. Was, noch nie gehört? Erstere sind Zimtschnecken, letzteres ist Bier aus der Hartwall-Brauerei in Helsinki.

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