Kreis Lörrach Für eine kontrollierte Abgabe

SB-Import-Eidos
Kiffen ist nicht ohne Risiko, denn es besteht die Gefahr, abhängig zu werden. Foto: Fotos: Patrick Pleul/dpa/Heinz Kelvin Esser

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP strebt eine Legalisierung des Verkaufs von Cannabis an. Auch Menschen in der Region haben sich um das Thema Gedanken gemacht, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt.

Kreis Lörrach (hke). „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein“, schreiben SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag, der jetzt vorgestellt wurde. Wann dies geschehen soll, ist noch unklar. Was halten die Bürger davon? Wir haben uns umgehört:

Florian König: „Ich persönlich bin gegen eine Tabuisierung von Cannabis. Es macht durchaus Sinn, den Verkauf von Cannabis in bestimmten dafür eingerichteten Läden zu legalisieren. Gerichte und Polizei könnten sich aber aufgrund der gesetzlichen Neuregelungen mehr um schwerere Straftaten kümmern. Mir sind die negativen Folgen bewusst. Die Wirkstoffe des Cannabis verlängern die Reaktionszeit, und es besteht eine Gefahr, psychisch von den Substanzen abhängig zu werden. Allerdings könnten wie beim Alkohol Grenzwerte für bestimmte Inhaltsstoffe von Cannabis wie THC eingeführt werden, die während des Fahrens eines Kraftfahrzeugs nicht überschritten werden dürften. Der Staat sollte den Bürgern die Freiheit zugestehen, eine bestimmte Menge Cannabis zu konsumieren. Es könnte auch positive Folgen für die deutsche Wirtschaft haben, wenn landwirtschaftliche Unternehmen für den deutschen Markt produzieren könnten. Für die medizinische Nutzung sollte man die Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen untersuchen.“

Urs Baumann: „Ich bin eindeutig gegen eine Legalisierung von Cannabis. Der Gehalt an THC von hochgezüchteten Pflanzen ist um einiges höher als vor vier Jahrzehnten. Das erhöht auch die physiologische Wirksamkeit. Psychiatrische Studien belegen, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren psychischen Abhängigkeit mit dem Konsum steigt. Menschen, die eine bestimmte Veranlagung haben, könnten psychotisch werden. Ich bin nur für eine medizinische Verwendung. Cannabis sollte in Apotheken erhältlich sein und auf Rezept verkauft werden.“

Stefanie Ostertag: „Es ist besser, wenn Cannabis frei erhältlich ist, da Menschen dann nicht mehr auf den Schwarzmarkt gehen müssen. Die Risiken des Cannabis-Konsums sind mit Alkohol vergleichbar. Es sollte aber für Teilnehmer am Straßenverkehr einen Grenzwert von THC im Blut geben.“

Andreas Ley: „Ich stehe einer Legalisierung kritisch gegenüber. Ich bin zwar dafür, dass Cannabis für die Behandlung von bestimmten Erkrankungen in Apotheken verkauft werden darf, aber ich bin gegen einen Verkauf in Läden. Cannabis kann abhängig machen und gilt als Einstiegsdroge. Wer das Cannabis nicht über die Apotheke bezieht, kann sich nie sicher sein, welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bei ihm auftreten könnten.“ Alina Schaff: An Cannabis sind bislang, so weit ich weiß, sehr viel weniger Menschen gestorben als an einer Vergiftung durch alkoholische Getränke. Ich halte die Suchtgefahr für geringer als bei Alkohol und würde deshalb einen Verkauf über Läden erlauben. Menschen sollten eine bestimmte Höchstmenge der Droge kaufen dürfen. Das Verbot von Cannabis reizt Konsumenten eher dazu, den Stoff illegal zu erwerben.“

Katharina Soder: „Viele Probleme der Strafverfolgungsbehörden könnten gelöst werden, wenn Cannabis endlich legalisiert wird. Läden sollte der Verkauf einer nicht überschreitbaren Maximalmenge der Substanz erlaubt werden. Die Vorteile überwiegen: Der Schwarzmarkt wird eingegrenzt, die Inhaltsstoffe werden im Labor auf Unreinheiten getestet, und in der Medizin wird der Stoff auch im großen Umfang eingesetzt werden.“

Kein Konsum ist ohne Risiko

Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatung „Arbeitskreis Rauschmittel“ im Landkreis Lörrach, betonte bereits in der Vergangenheit im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Kiffen nicht ohne Risiko sei. Die Gefahr eine Abhängigkeit bestehe nach wie vor.

Dass Cannabis als Einstiegsdroge bezeichnet wird, weist Meißner allerdings zurück. „Es gibt dafür keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zudem erscheint es für alle unglaubhaft, die risiko- und gesundheitsbewusst konsumieren. Das nimmt den Menschen die Verantwortung.“

In Deutschland haben laut Meißner rund 30 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal Marihuana konsumiert. Zwar sei die Zahl kontinuierlich über die Jahre gestiegen, doch die Zahl der klinisch-relevanten Verbraucher bleibe zwischen 1,2 und 1,5 Prozent stabil. Dies zeige, dass die meisten Konsumenten keine Abhängigkeit durch Cannabis entwickeln.

„Kein Konsum ist ohne Risiko. Dennoch bedeutet er nicht gleich Abhängigkeit. Um abhängig zu werden, spielen andere Faktoren eine Rolle.“ Meißner erklärt: „Ein Faktor ist das persönliche Befinden, sprich, wie verletzlich oder psychisch betroffen eine Person ist. Dann wäre noch die gesellschaftliche Situation wie Armut oder Perspektivlosigkeit.“ Als letzten Punkt nennt der Experte im Gespräch mit unserer Zeitung das Lebensumfeld des Konsumenten.

  • Bewertung
    3

Umfrage

Impfung

Was halten Sie von den Forderungen nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht?
Ergebnis anzeigen
loading