Kreis Lörrach - Ein freundlicher Herbstwald und ein paar vereinzelte Häuser: Das Haus Buche in Schweigmatt liegt in einer idyllischen Umgebung. Nicht ganz so idyllisch ist jedoch die Situation der Kinder und Jugendlichen, die hier ein Zuhause finden.

Die Mitarbeiter der Michaelgemeinschaft betreuen hier etwa 32 Kinder in verschiedenen Altersgruppen. Diese Kinder können aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zuhause wohnen, erklärt Markus Holland, Betreuer in Haus Buche. „Oft geht es um Kindeswohlgefährdung, Drogen, Vernachlässigung oder Überforderung“, führt er aus. Über die Polizei geht es dann zum Jugendamt, und die Mitarbeiter schalten schließlich Haus Buche ein. „Es kann auch vorkommen, dass eine alleinerziehende Mutter einen Kurplatz wegen Depression bekommt, und nicht weiß, wohin sie ihr Kind bringen kann. Aber meistens sind es längerfristige Umstände bei den Familien.“

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Holland ist Betreuer, Ansprechpartner und wie ein Vater für die derzeit sieben sechs- bis elfjährigen Kinder in Haus Buche.

Herzenswünsche und Sehnsüchte der Kinder

Dadurch kennt er ihre Herzenswünsche und Sehnsüchte, so wie den Wunsch, möglichst viel Zeit mit einem erwachsenen Ansprechpartner zu verbringen. „Wir Erwachsenen schaffen nicht eine Situation und sagen ‚jetzt mach mal‘, sondern wir sind aktiv dabei und die Kinder helfen mit“, erklärt Holland das Konzept. Bei angekündigtem Besuch wird gemeinsam ein Kuchen gebacken, bei schönem Wetter wird zusammen Gemüse geerntet, und dank der Spende der Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“ wurde im Garten gemeinsam eine Werkstatt gebaut. „Dadurch dauert dann eben alles etwas länger“, lacht Holland. Der Effekt sei umso intensiver für die Kinder, da sie erleben, dass sie selbst etwas können.

Wenn der Lebensweg dann wieder in manchmal zerrüttete Familien führt, gehen sie mit einem neuen Selbstbewusstsein und Glauben in ihre eigenen Fähigkeiten zurück. „Unsere Zielsetzung ist immer, dass die Kinder wieder in ihre Familien zurück können“, sagt Christopher Chalk, Leiter der Michaelgemeinschaft. „Wir hoffen allerdings immer, dass wir sie liebevoll stärken können, damit sie auch in schwierigen Umständen gut zurechtkommen.“

Neue Werkstattausstattung

Die neue Werkstatt ist sehr wertvoll dafür, meint Holland dankbar. Im vergangenen Jahr hatte "Leser helfen" Haus Buche eine neue Werkstattausstattung gespendet. Markus Holland hat daraufhin begonnen, mit den Kindern das Gartenhaus zu bauen, in dem die Werkbank eingerichtet werden wird. „Wir freuen uns schon sehr“, sagt Holland. „Einer der Lieblingssätze der Kinder ist ‚Darf ich helfen?‘, und die Werkstatt wird uns viele Kreativprojekte ermöglichen.

Auch wenn das Jugendamt finanziell die Einrichtung unterstützt, ist oft kein Spielraum für zusätzliche Fachräume. „Sobald die Werkstatt eingerichtet ist, dürfen die Kinder gemeinsam mit uns hier ihre handwerklichen Fähigkeiten testen.“

Kinderarmut war 2017 der Themenschwerpunkt

Die Aktion Leser helfen hat im vergangenen Jahr den Schwerpunkt auf das Thema „Kinderarmut“ gelegt und die Anschaffung der Hütte mit 2500 Euro untersützt.