Kreis Lörrach Hintergründe und Beispiele statt trockene Kost

Die Oberbadische, 20.05.2015 23:02 Uhr

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank hat diesem Buch eine besondere Aktualität verliehen: Zur Geburtsstunde des Leitfadens „Die Ansiedlung von Unternehmen in Deutschland“ vor zwei Jahren konnten zwar weder Alt-Landrat und Rechtsanwalt Walter Schneider noch Josef Seidler, Gründer der Rechtsanwaltskanzlei Seidler & Kollegen in Weil am Rhein sowie früherer Lörracher Bürgermeister, den besonderen Stellenwert ihres Werkes erahnen. Doch: „Diverse kleine und mittelständische Unternehmen in der Schweiz machen sich Gedanken über eine Ansiedlung“, weiß Christoph Mayer, Geschäftsführer des Schweizer Dike-Verlags.

Das Zielpublikum des Buches ist neben diesen Unternehmern noch weiter gefasst, wie Schneider gestern bei der Vorstellung am Dreiländereck erklärte. Auch deutschen Firmen, Mittelständlern, Mitgliedern kommunaler Gremien, Wirtschaftsförderern und interessierten Bürgern soll ein Werk an die Hand gegeben werden, das sich als „Praxisleitfaden“ versteht. Außer der Antwort auf die Frage, was Unternehmen bei einer Ansiedlung in Deutschland zu beachten haben, gibt es Hintergrundwissen für deutsche Betriebe, die vor einer Erweiterung stehen oder einen neuen Standort suchen. Genehmigungsverfahren, Baurecht, Umweltschutz, Gesellschaftsrecht, Miete, Grundstückskauf, Arbeitsmarkt und Sozialversicherung sind Aspekte, die allgemeinverständlich beleuchtet werden. Wer sich für einen Bebauungsplan interessiert, erhält ebenfalls passend aufbereitete Infos.

Das Buch ist alles andere als trockene Kost, betonen die Mitwirkenden. Hierzu hat der Journalist Jörg Bertsch die fiktive Figur Urs Hausammann geschaffen. Der Chef eines Schweizer Unternehmens ist mit seiner Assistentin auf der Suche nach einem passenden Standort für eine Niederlassung in Deutschland. Die Leser sollen auf unterhaltsame Weise die beiden bei ihrer Recherche begleiten, bei der wertvolle Tipps und Hinweise transportiert werden.

Der Universitätsprofessor Wolf Dietrich Weigert, der die architektonische Konzeption des Innocel-Innovationszentrums in Lörrach übernommen hatte, schreibt in seiner Rezension: „Die Lektüre dieser rund 250 Seiten zeigt einen auf das Ziel gerichteten überzeugenden methodischen Ansatz, der akademischen Ansprüchen auf hohem Niveau gerecht wird.“ Besonders hilfreich und gut zu lesen seien die kursiv gesetzten Fallbeispiele.

Herausgeber Hans Martin Tschudi weiß als ehemaliger Basler Großrat und heutiger Universitätsdozent um die wirtschaftlichen Verflechtungen im Dreiländereck. Und: „Kooperation ist ein Thema, das immer wichtiger wird.“ Dass ein Schweizer Verlag gemeinsam mit dem deutschen Verlag Nomos das Buch publiziert, sieht er zudem nicht als Problem an. „Es ist ein Geben und ein Nehmen. Über die Zeit pendelt sich das ein.“

Schneider kennt als früherer Vorsitzender in mehreren Gremien der trinationalen Zusammenarbeit sowie der Wirtschaftsregion Südwest einerseits die lange Tradition von grenzüberschreitenden Aktivitäten, wie bei Roche oder auch Endress + Hauser der Fall. Während diese auf ein großes Firmen-Know-how zurückgreifen könnten, würde es den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen hingegen schwerer fallen, sich im Dickicht der Vorgaben und Gesetze zurecht zu finden. Der Titel des Buches sei selbstbewusst gewählt worden: „Wir erheben damit den Anspruch, etwas für Deutschland insgesamt anzubieten“ – auch wenn weder Schneider noch die weiteren Verfasser um solch eine Frankenstärke beim Schreiben wussten.

Die Ansiedlung von Unternehmen in Deutschland, Ein Leitfaden, Autoren: Walter Schneider, Josef Seidler und Sebastian Seidler (Herausgeber), 2015, 248 Seiten, broschiert, 57 Euro, Schriften zur Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, Band 11, Dike Verlag, Zürich/St.Gallen und Nomos Verlag Baden-Baden. Verfasser sind neben Walter Schneider und Josef Seidler die Rechtsanwälte Sebastian Seidler und Bernd Andresen, Jörg Bertsch, Günter Zisselsberger (ehemaliger AOK-Geschäftsführer in Lörrach) und Winfrid Arens (Stadtbau Lörrach).