Kreis Lörrach Husten, Luftnot und Erschöpfung

Die Ausbreitung des Coronavirus setzt bundesweit Krankenhäuser unter Druck. Foto: Archiv

Die Corona-Pandemie stellt die Welt auf den Kopf und das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Unser Redakteur Michael Werndorff hat sich mit Prof. Dr. Hans-Heinrich Osterhues, Chefarzt für Innere Medizin der Kreiskliniken Lörrach, über die allgemeine Situation im Krankenhaus, getroffene Maßnahmen und die Behandlung von Covid-19-Patienten unterhalten.

Frage: Herr Osterhues, was bedeutet die Corona-Pandemie für die Kreiskliniken im Allgemeinen und für den Betrieb einer Intensivstation im Besonderen?

Vorweg: Kliniken sind bei einer Pandemie die Orte, an denen Kranke und Schwerkranke behandelt werden, dabei gibt es äußerst sensible Patienten in höheren Fallzahlen als zu normalen Zeiten. Wir haben alles daran gesetzt, uns auf allen Ebenen darauf vorzubereiten.

Wir haben den Regelbetrieb bis auf ein absolut notwendiges Minimum mit der Versorgung von Not- und dringlichen Fällen heruntergefahren. Verschiebbare Krankenhausaufenthalte wurden verschoben und große Teile der ambulanten Versorgung geschlossen. Unsere Geriatrie, die mit ausschließlich betagten Patienten eine Hochrisikogruppe behandelt, wurde nach Rheinfelden verlegt. Für die weniger schweren Patienten wurden spezielle Isolierstationen eingerichtet.

Frage: Die Kreiskliniken müssen sicherlich viele Themen bedenken.

Ja, um dies abzubilden, haben wir einen Krisenstab eingerichtet inklusive Untergremien, die sich mit strategischen und operativen Fragen zu Themen von Medizin über Organisation und Materialbeschaffung bis hin zu Personal befassen.

Frage: Lassen Sie uns auf die Intensivstation zu sprechen kommen.

Unsere Intensivstation wurde unterteilt. So verfügt sie nun über einen infektiösen, isolierten Teil für die Corona-Patienten und einen nicht-infektiösen für Notfall- beziehungsweise Regelpatienten.

Ganz besonders zu beachten sind dabei Isolier- und Hygienemaßnahmen. Dazu wurden und werden Mitarbeiter gezielt in Sachen Infektionsschutz sowie Eigen- und Patientenschutz geschult. Beatmungskapazitäten wurden ausgebaut. Der technische Part ist dabei genauso wichtig wie der räumliche, vor allem aber der personelle Teil.

Frage: Hat sich an Ihrer Arbeit auf der Intensivstation etwas geändert? Wie äußert sich die Pandemie?

Durch die hohe Zahl an Beatmungen sind die Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen der Mitarbeiter deutlich gestiegen. Die schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19 sind sehr betreuungsaufwendig und haben zu einer Verdichtung der Arbeit geführt.

Frage: Worauf müssen Sie bei der Arbeit an den Covid-19-Patienten besonders achten?

Jede Maßnahme am Patienten muss unter Beachtung höchster Infektionsschutzmaßnahmen erfolgen, um Ansteckung zu vermeiden. Die Intubation, also das Einlegen eines Beatmungsschlauchs, ist dabei die Situation mit dem höchsten Infektionsrisiko. Auch hier gilt es, die Hygienemaßnahmen genauestens einzuhalten.

Frage: Einige Patienten werden beatmungspflichtig. Was bedeutet das für die Betroffenen?

Nach bisherigen Erfahrungen kommt es bei den entsprechenden Patienten im Krankheitsverlauf schnell zu einem Ausfall der Lungenleistung mit einem maximalen Krankheitsbild pulmonaler Einschränkung, dem sogenannten ARDS (Acute respiratory distress syndrome). Dies kann im Extremfall bedeuten, dass das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt werden muss. Wir sehen oft lange Beatmungsphasen mit hinzukommenden Kreislaufproblemen und einer schweren Entwöhnung von der künstlichen Beatmung.

Frage: Es gibt Patienten, die über einen längeren Zeitraum beatmet werden müssen. Kann es zu Spätschäden kommen, auch wenn die Betroffenen wieder genesen sind?

Dazu wissen wir noch zu wenig über die Krankheitsverläufe nach Coronavirus-Erkrankungen. Aber nach kritisch langen Beatmungsphasen sind Lungenschäden allgemein als Verlaufskomplikation bekannt.

Frage: Gibt es im Zusammenhang mit Covid-19 weitere Herausforderungen in der Intensivmedizin, die für Sie neu sind?

Ja! Und zwar die schiere Menge der schwer- bis schwerstkranken Patienten, mit oft schwersten Verläufen der Krankheit und zusätzlichen Organkomplikationen wie Herz-Kreislauf-Versagen. Die Patienten und Krankheitsverläufe sind in vielen Aspekten besonders – ein Beispiel ist die Steuerung der künstlichen Komas während der Beatmung. Der Bedarf an entsprechenden Medikamenten ist anders und zugleich größer. Entsprechend muss der Einkauf dieser Medikamente anders organisiert werden.

Frage: Tauschen Sie sich bei der Behandlung Erkrankter mit Kollegen anderer Kliniken aus?

Ja, wir stehen in festem Kontakt mit der Uniklinik Freiburg und greifen auf Erfahrungen anderer Kliniken zurück, die in Veröffentlichungen oder über Fachgesellschaften mitgeteilt werden.

Frage: Wie sieht ein typischer Covid-19-Krankheitsverlauf aus?

Es kommt entweder zu leichten Symptomen mit grippeähnlichem Verlauf, manchmal sogar fast ohne Einschränkungen. Oder die Infektion führt zu schnell einsetzenden stärksten Einschränkungen mit Grippesymptomatik, Husten, Luftnot und Erschöpfung der Atemarbeit.

Frage: Wenn es zu Todesfällen in Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus kommt, ist in der Regel die Rede von Vorerkrankungen. Welche sind das?

Vor allem geht es dabei um Risikogruppen. Das sind zum einen die älteren Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so gut funktioniert wie in jüngeren Jahren. Gleiches gilt für jüngere Menschen, deren Immunsystem eine derartige Infektion aufgrund von Immunsuppression, HIV oder ähnlichem nicht gut kompensieren kann.

Für alle Menschen spielen Vorerkrankungen insbesondere der Atemwege eine besondere Rolle. Dazu zählen etwa COPD aber auch Asthma. Unabhängig davon werden aber immer wieder auch kritische Verläufe bei jungen Menschen berichtet, die keines der oben genannten Risiken in der Vorgeschichte aufweisen.

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