Kreis Lörrach In einem andauernden Lernprozess

Die Kreiskliniken passen ihre Teststrategie situationsbedingt an. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Die Corona-Pandemie hält die Region und die Kreiskliniken weiterhin auf Trab. Derzeit werden rund 35 bis 40 Covid-Patienten und Verdachtsfälle in den Kreiskliniken behandelt, wie Bernhard Hoch, Geschäftsführer Medizin, am Mittwoch im Verwaltungsausschuss berichtete. Er informierte auch über die angepasste Teststrategie.

Die Lage hat sich mit dem Abebben der zweiten Welle etwas entspannt. Seit Pandemiebeginn haben die Klinikverantwortlichen 730 Patienten gezählt, die im Zusammenhang mit Covid-19 in den Kreiskliniken behandelt wurden.

Mit Blick auf den Clinotel- Krankenhausverbund, zu dem auch die Kreiskliniken zählen, haben diese im vergangenen Jahr deutlich mehr Covid-Patienten versorgt als der Durchschnitt. „Wir sind im oberen Drittel“, kommentierte Hoch die Clinotel-Kennzahlen. Der Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2021 fort. Über dem Durchschnitt lagen die Kreiskliniken auch mit 25,8 Prozent bei den durch eine Lungenentzündung verstorbenen Patienten.

Ausbruchsgeschehen

Das Ausbruchsgeschehen innerhalb der Kreiskliniken hat für Schlagzeilen gesorgt. Hoch setzte die Zahlen ins Verhältnis: In der Meldewoche 45 im vergangenen Jahr kam es laut Robert Koch-Institut (RKI) bundesweit zu 414 Ausbrüchen, darunter war auch der Standort Lörrach der Kreiskliniken.

Für die Meldewoche 47 wurden in Deutschland insgesamt 818 Fälle gemeldet, in der Woche 50 waren es schon 2124 Fälle, wobei es auch zu Ausbrüchen an allen drei Standorten der Kreiskliniken kam (wir berichteten).

Das Risiko, sich in einem Krankenhaus mit Sars-Cov2 zu infizieren, ist unterschiedlich und hängt laut Hoch mit der Art der medizinischen Maßnahmen und zugrundeliegenden Erkrankungen der betroffenen Patienten zusammen. Und: Eine positive Testung innerhalb von Krankenhäusern bedeute nicht, dass sich der Patient während seines Aufenthalts angesteckt habe, verwies Roswitha Skendaj, Leiterin des Kliniklabors, auf das sogenannte diagnostische Fenster.

Jeder Test sei nur eine Momentaufnahme, und ein negativer Test könne somit in kurzer Zeit positiv sein. Gleichwohl gelte: Der laborgebundene Antigentest könne bereits drei Tage vor Symptomen ein positives Testergebnis zeigen. „Das liefert uns ein schnelles Ergebnis mit hoher Nachweissicherheit.“ Indes: Testen sei zwar ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Pandemie-Bekämpfungs-Strategie, es dürfe aber nicht alleine betrachtet werden, verwies Hoch auf die Einhaltung von Hygienregeln und die Beobachtung von Symptomen.

Teststrategie

Im Laufe der Pandemie haben die Kreiskliniken ihr Test- und Sicherheitskonzept in Absprache mit dem Gesundheitsamt angepasst: „Die Pandemie zwingt uns zur ständigen situativen Anpassung verschiedenster Maßnahmen“, erklärte Hoch. Am 19. April wurde die Teststrategie dahingehend erweitert, dass Elektivpatienten zur Aufnahme einen negativen PCR-Test nachweisen müssen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Gestern teilten die Kreiskliniken mit, die Covid-Testregelungen für ihre Patienten zu vereinheitlichen. Demnach müssen mit einer Übergangsfrist bis zum 25. Mai ab sofort alle Patienten, die einen geplanten Termin in einer der drei Kreiskliniken oder im St. Elisabethen-Krankenhaus haben, einen negativen Antigen-Nachweis mitbringen. Während dies für geplante Aufenthalte bereits galt, führen die Kliniken nun über das empfohlene Maß hinaus eine einheitliche Lösung für alle Patienten ein, auch solche mit ambulanten Sprechstundenterminen. Erforderliche Begleitpersonen sind bei dieser Testnachweispflicht ebenfalls eingeschlossen. Ein PCR-Test darf nicht älter als 48 Stunden sein, bei einem Antigen-Schnelltest gilt ein Zeitfenster von 24 Stunden. Geimpfte oder Genesene sind von dieser Regelung ausgenommen, wenn sie die Immunisierung nachweisen können – etwa mittels Impfpass und Personalausweis.

Die darüber hinausgehenden, bisherigen Testregelungen bleiben unverändert bestehen. So erhalten alle geplanten und Notfall-Patienten bei ihrer Aufnahme und während ihres Aufenthaltes weitere Tests.

Täglicher Test möglich

Nach dem letzten Ausbruch sei der Normalbetrieb in Rheinfelden am 26. April wieder aufgenommen worden, berichtete Hoch. In Kalenderwoche 18 fanden erneut Teil-Reihentestungen bei allen Pflegekräften und Ärzten statt.

Regeltestungen für Mitarbeiter seien täglich möglich. Außerdem sei ein mobiles Abstrichteam für die Außenstandorte aufgestellt worden, um die Motivation der Mitarbeiter für Abstriche zu erhöhen. Weiterhin schreitet die Mitarbeiterimpfung voran.

Stimmen der Fraktionen

Dass die Lage immer wieder neu eingeschätzt werden müsse, sei eine Herausforderung, befand Klaus Eberhardt (SPD). Zudem betonte er die Neutralität des Gesundheitsamts vor dem Hintergrund der Diskussion um die kritisierte Teststrategie, die sogar zu einer Strafanzeige führte.

Dass es überhaupt keinen Anlass gebe, über die Unabhängigkeit der Behörde zu diskutieren, betonte Landrätin Marion Dammann, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskliniken ist. Bernd Martin (Grüne) begrüßte die umfassende Informierung des Aufsichtsrats seitens der Kliniken. Zudem erinnerte er an die Erweiterung des Gremiums um zwei externe Experten. „Das war hilfreich.“ Es sei wichtig, dass die Anregungen auch umgesetzt würden.

Paul Renz (CDU) betonte, die Kliniken hätten stetig dazugelernt, und Ulrich May (FW) attestierte den Verantwortlichen ein verantwortungsvolles Vorgehen in der Pandemie. Es sei schade, dass die Kreiskliniken in die Kritik gekommen seien. Bernhard Escher (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einem Vertrauensverlust seitens der Öffentlichkeit. „Wir sind dran, das Vertrauen wieder aufzubauen.“

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