Kreis Lörrach Jammern gefährdet die Gesundheit

Wir leben in einer Gesellschaft von Jammerern, weil wir unseren Ist-Zustand dauernd mit dem Soll-Zustand vergleichen, meint Dani Nieth. Der Autor, Coach und Moderator wird heute im Rahmen der Vortragsreihe „Studium Generale“ an der DHBW dem Jammern den Kampf ansagen. Denis Bozbag hat dem Referenten im Vorfeld einige Fragen gestellt.

Frage: Herr Nieth, den Deutschen wird nachgesagt, dass sie viel jammern. Sehen Sie das als Schweizer auch so?

Meinen Sie, ob ich als Schweizer finde, dass die Deutschen besonders viel jammern? Oder ob wir Schweizer ebenfalls oft jammern? Gerade im deutschsprachigen Raum wird auffällig viel gejammert. Im englischen Sprachraum beispielsweise ist die Frage „How are you?“ keine Einladung zum Jammern und Klagen. Die gängige Antwort lautet: „Fine, thanks!“ – und zwar ganz egal, wie es einem tatsächlich geht. Im deutschsprachigen Raum hingegen wird die Frage „Wie geht es Dir?“ gern als Startschuss für allerlei Jammerei genutzt und mit Klagefloskeln beantwortet, die die Schwere des Daseins verdeutlichen.

Frage: Worüber wird denn aktuell besonders viel gejammert?

Klimawandel und Politik – beziehungsweise Greta und Trump – besetzen seit einiger Zeit die Spitzenplätze der internationalen Jammer-Hitparade. Dabei jammern wir über Dinge, die wir selber verantworten – das ist doch pervers. Wir könnten ganz einfach dort ansetzen und Situationen ändern, wo wir es mit Eigeninitiative und aus eigener Kraft schaffen. Doch wir tun es nicht, weil es viel bequemer ist, empört über die andern zu richten und ihnen die Schuld für die eigene Unzufriedenheit in die Schuhe zu schieben.

Auf der individuellen Ebene wird am meisten über die eigene Figur gejammert: Man ist zu dick oder zu klein oder zu groß oder zu was-weiss-ich. Da hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Und die Preise sind übrigens auch alle zu hoch und die Rente zu knapp und alle Zuständigen unfähig. Die Wörtchen „zu“ und „alle“ sollte man an dieser Stelle genau untersuchen. Stimmt das wirklich? Eine Frage wie „zu klein für was?“ wirkt zwar provokativ, kann aber den Jammerlappen gegenüber zumindest zum Denken anregen.

Frage: In Ihrem Bestsellerbuch „Jammern gefährdet Ihre Gesundheit“ zeigen Sie die Gefahren einer negativen Grundeinstellung auf. Warum ist Jammern für den Menschen ungesund?

Wenn sich Gedanken oft wiederholen, ruft das Gehirn immer wieder die gleichen Informationen ab. Bei jedem Gedanken bilden die Synapsen untereinander Brücken, um die Information zu transportieren, die für den Gedanken notwendig ist. Anders gesagt: Jammern wir permanent, zieht unser Gehirn die negativen Gedanken den optimistischen vor – und zwar aus dem einfachen Grund, weil es sich dafür weniger anstrengen muss.

Jammern setzt den Körper unter Stress; er schüttet das Stresshormon Cortisol aus. Ein dauerhaft hoher Cortisol-Spiegel erhöht das Risiko für bestimmte Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes und Depressionen.

Frage: Kann den jeder Schwarzseher zum Optimisten werden?

Optimismus ist eine Lebensauffassung, in der die Welt oder eine Sache von der besten Seite betrachtet wird; er bezeichnet allgemein eine heitere, zuversichtliche und lebensbejahende Grundhaltung sowie eine positive Erwartung hinsichtlich der Zukunft. Insofern kann sich jede Person durch Perspektivenwechsel zum Optimisten entwickeln.

Für ganz hartnäckige Jammerer gibt es also folgenden Tipp: Lernen Sie Sachverhalte, die in erster Linie negativ erscheinen, positiv umzudeuten. Das nennt sich Reframing. Wenn es zum Beispiel in den Sommerferien halt mal regnet, dann können Sie zum Beispiel den Besuch eines Museums so richtig genießen. Es gibt viele spannende Sachen, die man nicht machen würde, wenn die Sonne scheint. Überlegen Sie, was der Gewinn des Verlusts ist.

Frage: Jammern Sie denn nicht manchmal auch selber über das viele Gejammer um Sie herum?

Unser Gehirn baut Empfindungen nach, um sich vorzustellen, wie es dem Gegenüber geht. Umgibt man sich also mit Jammerlappen, übernimmt man automatisch deren Gedankengut. Und das möchte ich definitiv nicht.

Dank der rund dreijährigen Recherche zu meinem Buch lernte ich diverse Werkzeuge gegen das Jammern und die Jammerer kennen und setze sie heute mit Erfolg ein. Den Freundeskreis und die lieben Verwandten habe ich bereits ausgemistet. Und wenn ich selber wieder einmal akut gefährdet bin, dann stelle ich mich vor einen Spiegel und versuche, richtig ernsthaft zu jammern. Das geht nicht! Ich kriege einen Lachanfall und… das Ziel ist erreicht. Die Veranstaltung im Lörracher Georg H. Endress Auditorium beginnt um 18 Uhr.

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