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Kreis Lörrach Klinik-Aus nach sechs Jahrzehnten

Rolf Rombach
Mit der Verlegung von Ruth Fischer endete nach 49 Jahren die Patientenbehandlung am Kreiskrankenhaus.Foto: Rolf Rombach Foto:  

Die Kreiskliniken haben den Standort Rheinfelden am Freitag für immer geschlossen. Für die Notfallversorgung hat dies keinen Einfluss.

Ein Jahr früher als ursprünglich im Rahmen der Etablierung des Zentralklinikums geplant, hat am Freitag das Kreiskrankenhaus auf dem Rheinfelder Vogelsang geschlossen. Zahlreiche Straßenschilder wurden abgeklebt, die bisher den Weg zur Klinik wiesen.

Bereits seit Anfang der Woche wurden keine neuen Patienten mehr aufgenommen. Wer noch weiter im Krankenhaus bleiben musste, wurde spätestens am Freitag in die Standorte Lörrach und Schopfheim verlegt.

Als letzte Patientin wurde kurz vor zwölf Uhr Ruth Fischer, langjährige Vorsitzende des Behinderten- und Rehabilitationssportvereins Lörrach, mit Applaus und Spalier durch das Personal von der Station Adelberg verabschiedet. Nach der Aufnahme vor einigen Tagen im Lörracher Krankenhaus und dem Aufenthalt in Rheinfelden muss sie nun weiter nach Schopfheim. „Eine kleine Rundreise – das ist nicht so angenehm, wenn man krank ist“, erzählte sie vor der Abreise und dankte dem Team, dessen doppelter Abschiedsschmerz deutlich spürbar war.

Für Notfälle irrelevant

Die größte Sorge vieler Menschen: Die Notfallversorgung in der großen Kreisstadt. Selbst Alt-Chefarzt Hans-Rudolf Henche meldete sich noch im Herbst zu Wort, dass die Schließung ein Sicherheitsrisiko darstelle. Doch das einst große Krankenhaus mit eigenem Labor, Küche und Intensivstation wurde in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt um diese und weitere Funktionsbereiche gekürzt. Akute Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle wurden seit längerer Zeit nicht mehr in Rheinfelden behandelt.

Die viel gelobten kurzen Wartezeiten von Patienten mit vergleichsweise milden Beschwerden beruhten darauf, dass Notfallpatienten durch den Rettungsdienst meistens direkt nach Lörrach, Basel, Bad Krozingen oder Freiburg gebracht wurden, wo entsprechende Fachrichtungen und das notwendige Interventionsmaterial vorhanden ist.

Schon länger verwaist

Schon seit längerer Zeit war die ehemalige Intensivstation verwaist. Wo einst um Leben gekämpft wurde, begleitet von piependen und blinkenden Monitoren, ist es still und dunkel geworden. Überwachungspflichtige Patienten wurden im Erdgeschoss unweit der Notaufnahme betreut.

Der Hubschrauberlandeplatz wurde mehr für Patienten von außerhalb als für Klinikpatienten benutzt. Viele Kisten wurden bereits gepackt. Alleine 250 Kartons auf 31 Paletten umfasst das Archiv. Bis Ende April werden weitere Materialtransporte erfolgen. Die Kosten hierfür gibt die Klinik mit rund 250 000 Euro an. Ein hilfreicher Nebeneffekt: Man kann daraus lernen für die Inbetriebnahme des Zentralklinikums.

Kosten reduzieren

Schrittweise werden einzelne Strukturen, von der Sauerstoffleitung bis zur Heizung, nun heruntergefahren, um die Kosten zu reduzieren. Das Personal hat bereits diese Woche angefangen, an neuer Wirkungsstätte tätig zu werden.

Wie Sabine Graf von der Klinik-Kommunikation beim Presserundgang ausführte, habe es umfangreiche Maßnahmen gegeben, um den Rheinfelder Angestellten passende neue Beschäftigungsorte zu vermitteln. So werden Raja Abdallah und Manuela Freimuth, die bisher in der Notaufnahme tätig waren, künftig in der „Holding Area“ tätig sein, die als Bindeglied zwischen der Lörracher Notaufnahme und den Pflegestationen geschaffen wurde.

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