Kreis Lörrach Lebensgeschichte unter der Lupe

Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

In der Römerstadt Augusta Raurica ist 2016 bei einer Notgrabung ein Bleisarg aus römischer Zeit gefunden worden. Im Museum Augusta Raurica beleuchtet jetzt die neue Sonderausstellung „Unter der Lupe“ die fachübergreifende Zusammenarbeit der archäologischen Wissenschaften und lässt Besucher in die Arbeitsweise des Fachs Archäologie eintauchen.

Augst. Es war schon länger bekannt, dass unter der Augster Hauptstraße ein großes Gräberfeld liegt. Da Bleisärge aus römischer Zeit aber sehr selten sind, war die Entdeckung eines solchen im Spätsommer 2016 eine Sensation, wie das Museum schreibt.

Särge aus Blei waren in römischer Zeit teuer und daher wohlhabenden Persönlichkeiten vorbehalten. In Augusta Raurica sind bisher nur vier Exemplare bekannt. Umso größer war die Überraschung, dass sich der Neufund beinahe intakt zwischen den Fundamenten der neuzeitlichen Häuser und Leitungsgräben erhalten hatte.

Angestoßen von diesem in verschiedener Hinsicht außergewöhnlichen Fund, wurden breit angelegte Untersuchungen in die Wege geleitet. Es begann schon mit der minutiösen Bergung des Sarges als Block in einer eigens darum herum gebauten Holzkiste.

Freilegung unter Laborbedingungen

Damit die zum Teil sehr fragilen Überreste korrekt geborgen werden konnten, war von Anfang an große Sorgfalt und eine enge Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Archäologie und spezialisierten Wissenschaftlern notwendig. Die Freilegung erfolgte unter Laborbedingen, wobei alle Beteiligten Schutzanzüge trugen, einerseits um sich selber vor dem giftigen Blei im Sediment zu schützen und andererseits um eine Verunreinigung der DNA des Skeletts zu verhindern. Danach reisten die Artefakte in verschiedene Labors im In- und Ausland: Spezialisten aus der Schweiz und Frankreich analysierten das Skelett, die Textilreste sowie das übrige Fundmaterial.

Ziel dieser aufwändigen Arbeiten war es, möglichst viel über das Leben der im Bleisarg bestatteten Frau herauszufinden. Aufgrund der spannenden Untersuchungsergebnisse entschloss man sich, auch einem breiten Publikum aufzuzeigen, welche spezialisierten Forschungsgebiete heute maßgeblich an archäologischen Forschungen beteiligt sein können.

Was die Wissenschaftler über den Fund wissen: Es handelte sich um eine 44 bis 50-jährige Frau, die nicht nur aufgrund des teuren Sarges, sondern auch ihrer feinen Kleidung zur Oberschicht von Augusta Raurica gehört haben musste. Sie hatte sich proteinreich ernährt, litt aber an diversen Krankheiten, und sie hat in einem der Glasfläschchen eine Substanz auf ihre letzte Reise mitbekommen, die möglicherweise zur Linderung ihrer offensichtlichen Zahnschmerzen gedient haben könnte.

Erforschung und Interpretation der Objekte

Im Zentrum der Ausstellung stehen nicht nur die archäologischen Objekte, sondern deren Erforschung und Interpretation durch die Wissenschaft. Was kann uns die aktuelle Forschung über das Leben und Sterben einer Römerin aus unserer Gegend berichten? Welche Geschichten lassen sich den Fundumständen und den Objekten entlocken?

Ein wichtiger Teil des Ausstellungskonzeptes sind auch Materialien rund um die Fundgeschichte, wie Fotos, Zeichnungen oder Fundprotokolle, die im Rahmen der Bergung entstanden sind. Ergänzend dazu werden Interviews mit den beteiligten Personen gezeigt: Die Gespräche mit Archäologen, Ausgräber, Restauratoren, Wissenschaftlern und einem Vertreter des Gemeinderates aus Augst beleuchten am Beispiel des Bleisarges die Forschungsarbeit in Augusta Raurica von ganz verschiedenen, manchmal auch kontroversen Seiten: Wie geht man damit um, dass trotz aller Sorgfalt immer nur eine Annäherung an die Vergangenheit möglich ist? Und weshalb interessieren sich die modernen Menschen überhaupt für die römische Antike? Und: Wie beeinflusst die Gegenwart unseren Blick auf diesen Fund und generell auf die Vergangenheit? Annäherungen an diese Fragen werden an den verschiedenen Hörstationen präsentiert.

Weitere Informationen: Infos finden Interessierte im Internet unter www.augusta­raurica.ch. Die Ausstellung läuft bis Dezember 2022. Zu bedenken: Touristische Ausflüge ziehen eine Quarantänepflicht nach sich.

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