Kreis Lörrach Mehr Sicherheit für Radfahrer

Michael Werndorff
Velostreifen und Piktogramme: Mit verschiedenen Maßnahmen kann für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gesorgt werden Foto:  

Eine vertane Chance: So lautet die Bilanz der IG Velo mit Blick auf die Umsetzung der Gemeindesteckbriefe im Rahmen des Radverkehrskonzepts.

Der Landkreis Lörrach hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Radverkehr zu fördern. Ein wichtiger Baustein hierbei ist das Radverkehrskonzept als Grundlage der strategischen Förderung und die sogenannten Gemeindesteckbriefe, also Vorschläge an die Kommunen, Verbesserungen für Velofahrer herbeizuführen. Die individuellen Steckbriefe wurden vor zehn Jahren an die Kommunen übergeben und enthalten zahlreiche Maßnahmen, die diese umsetzen können.

Indes: Nur ein Bruchteil sei realisiert worden, wie IG Velo-Co-Vorsitzende Madlee Disch, Wolfram Uhl und Schriftführer Daniel Lill am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs erklärten. Die Gesamtbilanz sei ernüchternd, und so ziehe die IG Velo nach einer Gesamtschau der Maßnahmen die Bilanz: „Chance vertan!“

Teilweise fielen die Maßnahmen nicht in die Kostenverantwortlichkeit der jeweiligen Gemeinde. „Sie hätten entsprechend der Zuständigkeit nur angestoßen werden müssen“, erklärte Uhl.

Zehn Jahre nach Veröffentlichung der Briefe haben die IG Velo-Ortsgruppen diese Steckbriefe durchforstet, Orte abgefahren und geprüft, ob aus den vielen Empfehlungen konkrete Verbesserungen für Radfahrer geworden sind, berichtete Lill. Insgesamt sind es 945 Ideen zur Verbesserung, davon hat die IG Velo 710 überprüft. Von diesen seien genau 148, also 21 Prozent, vollständig oder teilweise umgesetzt worden, so der Schriftführer. 515 Vorschläge seien nicht realisiert worden.

Spitzenreiter Lörrach

Wenn man betrachtet, wie viele Vorschläge je Gemeinde verwirklicht wurden, sind die Spitzenreiter Lörrach (30 von 68 ausgewerteten Anregungen), Schopfheim (21 von 80) und Grenzach (17 von 41). Am unteren Ende der Skala finden sich Schwörstadt, Hasel und Todtnau: Dort ist der IG Velo zufolge kein einziger Vorschlag genutzt worden, es seien lediglich einige der Maßnahmen inzwischen obsolet, führte Lill aus. Die IG Velo kommt zu dem Schluss, dass die geschätzten Kosten der einzelnen Maßnahmen nur wenig Einfluss auf eine Umsetzung hatten. Es habe keinen Unterschied gemacht, ob eine Maßnahme weniger als 1000 oder zwischen 1000 und 10 000 Euro kosten würde – die Quote der Umsetzung habe konstant bei 20 Prozent gelegen. Wäre man die günstigen Maßnahmen konsequent angegangen, so hätte man schon mit wenig Geld vieles verbessern können, hieß es weiter. Von 90 Projekten mit geschätzten Kosten von mehr als 100 000 Euro seien nur drei verwirklicht worden, allerdings befänden sich einige weitere in Planung oder würden bei der Umsetzung des Radschnellwegs unnötig.

Das Paradebeispiel für eine vertane Chance sieht Uhl unter anderem an der Maienbühlstraße/Todtnauerliweg in Wembach. Dort wurde der Parkplatz komplett neu asphaltiert. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass hier ein Radweg darüber führt, geschweige denn sei die Querung auf den Radweg auf der anderen Seite der B 317 verbessert worden. Die Kosten für eine Maßnahme zur Verbesserung der Situation belaufen sich laut Steckbrief auf 200 Euro.

200 Euro für Piktogramm

Ein Fahrrad-Piktogramm mit Pfeil kostet Uhl zufolge 200 Euro. Wenn mit diesen überall dort, wo ein Radweg in den Mischverkehr mündet, auf die Existenz von Radfahrern hingewiesen würde, wäre schon viel für die Sicherheit getan, ist der Co-Vorsitzende überzeugt. Auch das Gefahrenpotenzial habe keinen großen Einfluss auf die Umsetzung gehabt. Von 120 Anregungen, bei denen die Gefahr als hoch eingestuft wurde, seien 28 Prozent erledigt oder seien mittlerweile überflüssig. Und auch an Unfallschwerpunkten seien lediglich acht von 23 Maßnahmen umgesetzt worden, erklärt die IG Velo. Die Steckbriefe und der Grad ihrer Umsetzung ergäben aber nicht das ganze Bild, was Städte und Gemeinden für den Radverkehr tun.

Fakt sei, dass in diesem Tempo die Verkehrswende nicht gelinge. Städte und Kommunen müssten in die praktische Umsetzung kommen, fordern Disch, Uhl und Lill im Rahmen des Pressegesprächs.Sie seien es den Bürgern schuldig. Die Ortsgruppen der IG Velo wollen nun mit den Gemeinden ins Gespräch kommen und den Finger in die Wunde legen.

Die Auswertung sei ein Wachmacher für die Kommunen, befand Disch. Auch kleine Maßnahmen würden für mehr Sicherheit sorgen, betonte Uhl.

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