Kreis Lörrach Mehr tun gegen Mobbing

Die GEW-Vertreter Norbert Asal und Anja Hanke lenken das Interesse auf das Thema Mobbing an Schulen und fordern, dass das Land aktiver wird. Foto: Peter Schwendele

Kreis Lörrach - Das Thema Mobbing ist seit dem mutmaßlichen Suizid einer elfjährigen Schülerin in Berlin wieder in den Vordergrund gerückt. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beschäftigt man sich zwar permanent mit dieser Thematik, doch hat man den traurigen Vorfall jetzt zum Anlass genommen, die eigenen Forderungen zu unterstreichen. Kernpunkt: Das Thema soziales Lernen muss institutionalisiert und von der Landesregierung im Bildungsplan verankert werden.

Bei einem Pressegespräch in der Zeller Montfort-Realschule skizzierten Anja Hanke, Vorsitzende der GEW im Kreis Lörrach, und Norbert Asal, Mitglied im Kreisvorstand, die aktuelle Situation an den Schulen im Landkreis. Grundsätzlich sei nach dem Amoklauf in Winnenden im Jahr 2009 ein Ruck durch die Schullandschaft in Baden-Württemberg gegangen und das Land habe wichtige Programme (etwa „stark, stärker, wir“) aufgelegt. Die Schulsozialarbeit und die Prävention von Lehrkräften sei gestärkt worden. All das genüge indes bei Weitem nicht, um unter den aktuellen Anforderungen angemessen mit dem Thema Mobbing umzugehen.

Vergleich zur Vergangenheit

Mobbing habe zwar an den Schulen im Vergleich zur Vergangenheit nicht massiv zugenommen, die Abläufe hätten sich allerdings vor allem durch die Nutzung der sozialen Medien stark verändert. Auch aufgrund der neuen Kommunikationskanäle sei es für Erziehungsberechtigte und Lehrer schwieriger geworden, echte Fälle von Mobbing zu erkennen. Dazu komme, dass sich gesamtgesellschaftlich eine Abnahme von Empathie und eine Zunahme der Ellbogenmentalität feststellen lasse, so Hanke und Asal.

Um dem entgegenzuwirken und potenzielle Mobbingopfer besser unterstützen zu können, müsse sich einiges in der Schullandschaft verbessern, so die GEW-Vertreter. Insbesondere müsse das Kultusministerium dafür sorgen, dass „auf der Basis eines Bildungsplans“ das soziale Lernen und damit die Prävention asozialen Verhaltens zum festen Bestandteil an allen Schulen werde. Soziales Lernen müsse denselben Stellenwert erhalten wie die traditionell an den Schulen unterrichteten Fächer.

Bisher würden die meisten Aktivitäten in dieser Richtung an den Schulen freiwillig ablaufen, berichtet Asal. Hanke ergänzt: Wenn Schulen aktiv werden, müssten sie die hierfür genutzten Stunden aus dem ohnehin knappen Gesamtpool abzwacken.

Verstärkt uns ausgebaut

Außer Frage steht für die GEW, dass auch die Aus- und Fortbildung von Lehrern in diesem Bereich künftig vom Land getragen werden muss. Weiterhin fordert die Gewerkschaft, dass die Schulsozialarbeit auf alle Schulen im Land – auch auf die kleineren, die in dieser Hinsicht in der Regel durch den Rost fallen – ausgeweitet wird. Verstärkt und ausgebaut werden müssten auch die vorhandenen Beratungssysteme, die nicht nur im Landkreis Lörrach längst an der Belastungsgrenze angekommen seien und häufig nur die Spitze des Eisbergs bei Mobbing und sozialen Dissonanzen bearbeiten könnten.

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