Kreis Lörrach Papiertonne wird gebührenpflichtig

Für die bisher kostenlos angebotene Papiertonne soll eine Gebühr erhoben werden. Foto: Die Oberbadische (Archiv)

Kreis Lörrach - Für die privatwirtschaftlich betriebene „Blaue Tonne“ im Landkreis Lörrach sollen die Bürger zukünftig eine Gebühr zahlen. Das wurde am Mittwoch in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses des Kreistags bekannt.

"Geschäft mit Altpapier läuft schlecht"

Das Geschäft mit dem Altpapier läuft schlecht. Deshalb wollen die Entsorgungsunternehmen Remondis und Kühl im Landkreis Lörrach Gebühren für die Papiertonne einführen. Laut Remondis-Pressesprecher Michael Schneider will das Unternehmen pro Abholung 2,70 Euro verlangen, wie er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Eine Grundgebühr soll es nicht geben. Derzeit werde das Prozedere noch geprüft, doch bis spätestens Mitte Juni soll die Neuerung eingeführt werden. Das Entsorgungsunternehmen Kühl äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung hierzu nicht.

Die Lage auf dem Absatzmarkt für Altpapier sei sehr angespannt. „Das ist ein branchenweites Problem“, verwies er auf verschärfte Importbeschränkungen seitens China. So gebe es in Europa einen Stau auf dem Absatzmarkt, weshalb das Unternehmen die Altpapierverwertung nicht mehr kostendeckend betreiben könne. Zudem stünde die Einführung von Gebühren deutschlandweit auf der Agenda, erklärte der Unternehmenssprecher.

Öffentliche Hand plant keine Übernahme der Tonne

Schneider hofft, dass die Bürger trotz der Gebührenerhebung am Angebot der Papiertonne festhalten werden. Denn: „Altpapier ist ein wichtiger Rohstoff, wenn es darum geht, Klima und Umwelt zu schützen.“

Beide Unternehmen betreiben die Abholung der Papiertonne weiterhin koordiniert: Remondis leert seit dem Jahr 2017 rund um Schopfheim die Blauen Tonnen im südöstlichen Teil des Landkreises. Darunter fallen im Süden die Stadt Rheinfelden, im Westen Steinen sowie im nordöstlichen Bereich die Stadt Zell.

Damals übergab Remondis im restlichen Teil des Landkreises die Tonnen an Kühl. Dieser Entsorger kümmert sich um ein Gebiet, das im Süden bis Grenzach-Wyhlen, im Norden über Efringen-Kirchen bis Schliengen und im Nordosten bis Todtnau reicht, bestätigte Schneider. Auch Weil am Rhein, Lörrach, Kandern und Schönau werden von Kühl angefahren. Eingeführt wurde der Service im Jahr 2008.

Recyclinghof oder Papiertonne:  Bürger hat die Wahl

Dass man sich zukünftig vielleicht von der Altpapiersammlung trennen könnte, nannte Schneider als eher unwahrscheinlich. Die Frage einer Übernahme der Tonne stellt sich demnach für den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft derzeit nicht, wie Pressesprecherin Anna Sebastian sagte. „Sollte es irgendwann tatsächlich so weit kommen, dass die privaten Entsorger signalisieren, keine Papiertonne mehr anzubieten, wird die Abfallwirtschaft das Thema aufarbeiten und eine Kosten-Nutzen-Analyse vorlegen.“ Auf dieser Grundlage müsse dann der Kreistag über das Sammelsystem entscheiden.

Sabine Bienroth, Leiterin des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft, erklärte am Mittwoch im Rahmen der Sitzung, dass der Bürger die Wahl habe. So gebe es neben der Blauen Tonne auch die Möglichkeiten, das Altpapier auf den Recyclinghöfen im Landkreis abzugeben oder die Vereinssammlungen in Anspruch zu nehmen.

Einnführung der Papiertonne war harter Schlag für Vereine

Für viele Vereine im Landkreis sei die Einführung der Papiertonne damals ein harter Schlag gewesen, verwies Simone Kothe-Bähr, Leiterin der Turnabteilung des TuS Lörrach-Stetten, auf Einbußen von 50 Prozent. Der Verein ging vor einem Jahr von der Straßen- zur Containersammlung über, weil der Personalaufwand zu groß wurde. Gleiches erlebte der Ruderclub Rheinfelden, wie Vorsitzender Peter Peitz im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Der Aufwand habe sich nicht mehr rentiert, weshalb man im Dezember 2016 die seit Jahrzehnten andauernde Tradition gänzlich beendete. Die neue Gebühr führe laut Peitz aber nicht dazu, die Straßensammlung wieder aufzunehmen.

Kothe-Bähr, die sich von der Gebühreneinführung nicht überrascht zeigte, merkte an, dass es wünschenswert sei, wenn die Bürger im Landkreis Lörrach bei der Altpapierentsorgung wieder mehr die Vereine berücksichtigen würden. Sobald Vorgehen und Datum der Gebühreneinführung feststehen, will der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft die Öffentlichkeit informieren.

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