Kreis Lörrach Region der zwei Geschwindigkeiten

Die Oberbadische, 12.01.2018 16:55 Uhr

Dem Handel in der Region Hochrhein-Bodensee geht es gut. Nicht zuletzt dank der Schweizer Kunden erfährt der Einzelhandel eine dynamische Entwicklung mit der Schaffung neuer Verkaufsflächen, wie eine aktuelle Studie zum Einzelhandel belegt. Deren Ergebnisse wurden jüngst in einer Sitzung des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee vorgestellt. Deutlich wurde: Es handelt sich um eine Region der zwei Geschwindigkeiten.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Die Verbandsversammlung hatte im Juli 2016 die Verbandsverwaltung beauftragt, unter Mithilfe eines externen Büros eine Bestandsaufnahme und Analyse der Einzelhandelssituation der Region Hochrhein-Bodensee zu erstellen. Die Ergebnisse sollen als wesentliche Grundlage für die Diskussion zum Thema „großflächiger Einzelhandel“ in der Gesamtfortschreibung des Regionalplans dienen, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht.

Ziel sind Entwicklungsoptionen mit einer raumverträglichen Steuerung ohne zusätzliche Verbote oder einer Überregulierung. Erarbeitet wurde die Studie von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Ludwigsburg.

Viereinhalb Millionen Euro Umsatz, 4117 Betriebe und 1,4 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche in den Kreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz: So lauten die Eckdaten des vergangenen Jahres, die GMA-Geschäftsführer Stefan Holl vorstellte. Davon entfällt der größte Anteil mit rund 30 Prozent auf die Bereiche Hausrat und Möbel, gut ein Fünftel auf Lebensmittel (22,6 Prozent) und auf das drittgrößte Sortiment Bekleidung, Schuhe und Sport mit 17,8 Prozent, gefolgt von Bau-, Heimwerker-, und Gartenbedarf mit 14,2 Prozent.

Langfristiger Bedarf dominiert

Weitere Sortimente wie Schmuck oder Schreibwaren machen 11,5 Prozent aus. Der Bereich Gesundheit und Körperpflege beläuft sich auf 4,2 Prozent.

Was die Verteilung im Raum angeht, dominieren die neun Ober- und Mittelzentren (hier leben 52 Prozent der rund 674 860 Einwohner) in ihrer Versorgungsfunktion insbesondere in der Grenznähe, wie Holl berichtete. Dort werden rund 40 Prozent des Gesamtvolumens umgesetzt, außerdem machen sich die Kaufkraftzuflüsse besonders positiv bemerkbar –­ insbesondere in Waldshut-Tiengen wie auch in Lörrach oder Weil am Rhein. Grenzferne Zentren wie Schopfheim weisen indes einen Kaufkraftabfluss auf.

Insgesamt wurde eine überdurchschnittlich hohe Verkaufsfläche pro 1000 Einwohner festgestellt. Konkret zwischen 2450 Quadratmeter in Weil am Rhein und 5030 Quadratmetern im Raum Waldshut-Tiengen. Zum Vergleich: Der Durchschnitt beträgt in Deutschland 1500 Quadratmeter, in der Schweiz 1800 Quadratmeter pro 1000 Einwohner.

Laut Analyse punktet die Region Hochrhein-Bodensee mit herausragenden Ausstattungswerten von 2104 Qua­dratmetern bei 677 750 Einwohnern, während am Oberrhein mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern nur 1580 Quadratmeter gezählt wurden.

Kommunen sollen kooperieren

Noch schlechter sieht es im Kanton Schaffhausen aus (1451). Insgesamt steht fest, dass die Güter des langfristigen Bedarfs den Verkaufsflächenanteil dominieren. Und: „In Sachen Ladengröße zeigt sich eine ausgeprägte Bedeutung der Großfläche“, wie Holl sagte. Der Durchschnitt liege bei 350 Quadratmetern.

Wie Holl mit Blick auf regionale Verhältnisse betonte, entwickle sich der Handel aufgrund der Nähe zur Schweiz deutlich besser als im Bundesschnitt oder auf Landesebene –­ das gehe aber auch mit einer Intensivierung der Flächenkonkurrenz einher, verwies er auf Wohnen, Gewerbe, Handel und Freiflächen.

Holl sprach sich daher für enge Kooperationen auf kommunaler Ebene und die Stärkung von Innenstädten aus, insbesondere vor dem Hintergrund des Online-Handels. In Sachen Nahversorgung ergebe sich zwar insgesamt ein ausgewogenes Bild, allerdings gebe es auch hier Defizite im grenzfernen Raum, wo es nach wie vor gelte, Lücken zu schließen.

 
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