Kreis Lörrach Spiegel der Seele

Von Gabriele Hauger

Regio. Mittlerweile ist auch das Fachmagazin „Blues News“ aufmerksam geworden: Das Dreyland Bluesfestival, das nun zum dritten Mal vom Verein Jazz- und Blues Südbaden veranstaltet wird, findet mehr und mehr Beachtung. Das freut die Organisatoren rund um den bekennenden Bluesfan Klaus Deuss natürlich. Zumal auch die dritte Auflage große Namen aus der Szene aufbietet und Musiker anlockt, die extra aus den USA anreisen und normalerweise nur auf großen Festivals mit bis zu 30 000 Zuhörern auftreten.

Ganz so groß wird es vom 23. bis 25. August in Schopfheim, Wehr und Lörrach – Bad Säckingen fällt diesmal aus organisatorischen Gründen weg – nicht werden. Dennoch hoffen die Veranstalter auf an die 1000 Besucher pro Freiluft-Konzert.

Das besondere am 2017 erstmals durchgeführten, damals noch eintägigen Dreyland-Bluesfestival ist, dass es – auf mehrere Jahre angelegt – einen thematischen Faden hat. Die Besucher können über die Jahre hinweg eine Art Zeitreise durch den Blues machen.

Vergangenes Jahr standen die Wurzeln des Blues in Afrika im Fokus. Dieses Jahr wird die Geschichte des Blues weitererzählt: Nach der Aufhebung der Sklaverei zog es viele Afroamerikaner aus dem Süden in den industrialisierten Norden. In den 1930er und 1950er Jahren gab es eine große Wanderbewegung in Städte wie Chicago oder Detroit. Und die Musik dieser rund sechs Millionen Menschen wanderte mit, erzählt Deuss. Motto des diesjährigen Festivals ist also „Aus dem Delta nach Chicago“.

Zwei Urgesteine des klassischen Chicago Blues

Besonders stolz ist er, dass er zwei Blues-Künstler für das Festival gewinnen konnte, die diese Zeit noch selbst miterlebten und inzwischen beide um die 80 Jahre alt sind: Tail Dragger und Willie Buck. Beide verkörpern den klassischen Chicago Blues. Tail Draggers Biografie steht sinnbildlich für das Konzept des Festivals. Er wurde 1940 im Süden der USA geboren und lernte dort den Blues der Südstaaten kennen. 1966 zog er nach Chicago, arbeitete zunächst als Mechaniker. Später kam sein Durchbruch als Musiker. Er wird am 23. August mit The Robert Fossen Band im Schopfheimer Stadtpark auftreten.

Auch Willie Buck wuchs in den Südstaaten auf. Tagsüber arbeitete er in einer Papierfabrik, abends sang er Blues und Rock’n’Roll. 1954 zog es auch ihn nach Chicago, wo er ein wichtiges Mitglied der dortigen Bluesszene wurde. 2004 wurde er in die Blues Hall of fame aufgenommen, sogar eine Straße wurde nach ihm benannt. Er kommt am 24. August auf den Talschulplatz nach Wehr mit The Muddy Waters Tribute Band.

„Beide Musiker kommen exklusiv für uns über den Teich. Da sind wir schon stolz“, sagt Klaus Deuss.

Am ersten Abend des Festivals wird zu Beginn Toronzo Cannon auftreten. Mit sattem Gitarrensound und seiner kraftvollen souligen Stimme interpretiert er seine Songs. 1968 in Chicago geboren, entdeckte er den Blues erst spät für sich, als Vorbild nennt er Jimmie Hendrix. Mit seiner Band spielt er authentischen Chicago Blues, dynamisch, energiegeladen, mit Anleihen aus Rock, Funk und Soul.

Am Folgeabend eröffnet Ignaz Netzer mit Mojo Kilian (Bluesharp) den Abend. Seine CD „When the Music is over“ wurde 2015 für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Netzer gilt als der klassische Bluessänger Deutschlands. Publikumsnah und mit viel Humor vermittelt er Einblicke in die Welt schwarzer Musik mittels Blues, Folk, Ragtime und Gospel.

Netzer wird auch an einer weiteren Spezialität des Festivals teilnehmen: am Bluesgottesdienst in St. Michael in Schopfheim unter dem Motto „Große Gefühle“. Blues als Spiegel der Seele und menschlicher Lebenserfahrung passe bestens zur Kirche, sagt Deuss. Netzer wird darum eine Mischung aus Gospels und Eigenkompositionen präsentieren. Dazu könnten auch noch weitere Musiker des Dreyland Bluesfestivals stoßen.

Neuer Konzert-Ort im Alten Wasserwerk

Dieses kann zudem einen neuen Konzertort vorweisen: das Alte Wasserwerk in Lörrach, wo am 25. August die Mike Wheeler Band und Kai Strauss auftreten. Diesen Ausflug nach Lörrach, der zunächst organisatorisch bedingt ist, begrüßt Deuss durchaus. Wetterunabhängig könne hier das Festival im Lörracher Raum noch bekannter werden. Und auch der SAK sei glücklich über solch ein Angebot in seiner laut Deuss „tollen Location“. Schließlich will der SAK zunehmend auch andere Altersgruppen ansprechen. Die Mike Wheeler Band passe hier bestens hinein. Sie zählt zu den derzeit angesagtesten jüngeren Bands Chicagos, wobei Wheelers ausdrucksstarke Stimme an Sam Cooke erinnert.

Künftig kann sich Deuss eine Ausweitung des Bluesfestivals vorstellen: Ausstellungen oder Filme zum Thema schweben ihm dabei vor. Allerdings sei dies auch eine Frage der Organisation, schließlich werde das Festival ehrenamtlich gestemmt.

Was für ihn guten Blues ausmacht? Zum einen müssen die Musiker ihr Instrument beherrschen. Zum zweiten sollten sie originell sein, und aus gecoverten Stücken etwas eigenes machen. Drittens schließlich müssen sie das gewisse „Blues Feeling“ rüberbringen – bei Trauer und bei Freude. Der Blues muss einen packen“, sagt er. Bei den Musikern des anstehenden Festivals sieht er das als zweifelsfrei gegeben an.

 Die Preise wurden in diesem Jahr familienfreundlich stark reduziert, Karten kosten 15 Euro. Vorverkauf: Weinspeck Lörrach; Sigrids Bastellädle Schopfheim; Tourist-Info Wehr

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