Kreis Lörrach Suchtkranke hätten das Nachsehen

Michael Werndorff
Mehr als eine halbe Million Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen unbd ihre Angehörigen werden jährlich in 1400 Suchtberatungsstellen beraten, begleitet und unterstützt. Foto: pixabay/pixabay

Der Landkreis Lörrach muss angesichts einer kritischen Haushaltslage sparen.

Suchtberatungen retten Leben, verhindern oder verringern Verelendung und geben Menschen mit einer Suchtkrankheit konkrete Hilfe, Wege aus der Sucht zu finden, wissen Ilona Fritz-Schild, Leiterin der Suchthilfe, und Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatungsstelle in Lörrach.

Im Vorfeld der Haushaltsberatungen warnen die beiden Leiter vor den von der Verwaltung geplanten Einsparungen, über die der Kreis-Sozialausschuss am heutigen Mittwoch berät und der Kreistag bei der Verabschiedung des Kreishaushalts 2024 am 22. November letztlich befinden wird.

So wurden die Suchthilfeträger im Juli dazu aufgefordert, Ideen für die Kürzung von Fachkraftstellen auszuarbeiten. Alle vier Suchthilfeträger im Landkreis – das Blaue Kreuz, die Villa Schöpflin, der Arbeitskreis Rauschmittel (AKRM) sowie der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) – sähen mit großer Angst den Kürzungsmaßnahmen entgegen, erklärte Meißner bei einem Pressegespräch am Dienstagmittag.

Sparen bei der Suchthilfe ist der falsche Weg, Foto: Michael Werndorff/Michael Werndorff

Folgen gering halten

„Um die Auswirkungen auf die Klienten möglichst gering zu halten, sollten Doppelstrukturen weitestgehend abgeschafft und eine Bündelung der Angebote für die einzelnen Zielgruppen vorgenommen werden“, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Vorgesehen ist, dass insgesamt zwei Vollzeitäquivalente (VZÄ) bei den vier Suchthilfeträgern eingespart werden sollen: Das Blaue Kreuz muss auf eine ganze Fachkraftstelle verzichten. Weiter will man auf Bündelung und Synergieeffekte setzen: Durch eine Übergabe der „Drehscheibe“ des bwlv Lörrach mit 3,1 VZÄ an den AKRM ab Juli 2024 soll eine Vollzeitstelle eingespart werden, wie Meißner und Fritz-Schild ausführten. Zudem sollen die freiwilligen LIFE-Mittel, die weitestgehend von der Villa Schöpflin in Anspruch genommen werden, ab Januar von 20 000 auf 10 000 Euro halbiert werden.

Der Sparkurs im Sozialbereich sei angesichts prekärer werdender Zustände fragwürdig, sagte Meißner. Und weiter: „Unsere Angebote sind eh schon ausgelastet.“ Für ihn sei das Geld sinnvoll investiert, zitiert er eine aktuelle Studie: Diese weise nämlich nach, dass den bereitgestellten Ressourcen eingesparte gesellschaftliche Kosten in deutlich mehr als zehnfacher Höhe, genauer, um den Faktor 17, gegenüberstünden. Dieser besonderen Bedeutung von Suchtberatungsstellen stehe eine chronische Unterfinanzierung gegenüber.

Hilfe für das Umfeld

Ein wichtiger Faktor sei, dass mit einer Beratung nicht nur dem suchtkranken Menschen geholfen wird, sondern auch dem näheren familiären Umfeld wie Partnern, Eltern, Kindern, betonte Fritz-Schild. „Hier wird der falsche Weg eingeschlagen“, kritisierte die Leiterin. Und: Wegen des Sparkurses bestehe die Gefahr, dass die Angebote des Blauen Kreuzes wegfallen könnten. „Dann werden alle Anfragen bei uns landen. Wie wir das auffangen können, ist völlig offen“, verwies sie auf die ohnehin hohe Zahl der Anfragen von Menschen mit einer Suchtproblematik. Die Unterstützungsnotwendigkeit sei in den vergangenen Jahren weiter angestiegen.

Die von der Kreisverwaltung angekündigten Kürzungen würden dazu beitragen, dass Punkte der gemeinsam mit der Verwaltung erarbeiteten Grundlagen nicht mehr umgesetzt werden könnten. Dies könne längere Wartezeiten auf einen Beratungstermin bedeuten, was den Erfolg der Beratung deutlich minimiere oder eine Einschränkung in der Besetzung der Außenstellen zur Folge hätte. „Einige Menschen werden wir mit Sicherheit verlieren“, warnte Meißner.

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