Kreis Lörrach Traumatisierte brauchen Hilfe

Thomas Kestenholz, Roland Haag (beide Rotary), Anna-Maria Janßen, Rolf Folk (Freundeskreis Asyl, Traumanetzwerk), Peter Kunze, Rainer Liebenow (Rotary) wollen traumatisierten Flüchtlingen psychotherapeutische Hilfe zukommen lassen (von links). Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach (bea). Die Idee gibt es schon länger. Unter Federführung der Freundeskreise Asyl Lörrach und Rheinfelden sowie dem Arbeitskreis Miteinander Lörrach nimmt sie immer konkretere Formen an: der Aufbau eines professionellen Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge. Mit einer Spende in Höhe von fast 8700 Euro hat der Rotary Club Lörrach dem Vorhaben jetzt einen ordentlichen Schub nach vorne gegeben.

Mit dem schon recht weit fortgeschrittenen Projekt sehe man sich als Vorreiter, erläuterte Rolf Folk, beim Freundeskreis Asyl für die Finanzen zuständig, während der Scheck-Übergabe in der Flüchtlingsunterkunft Gretherstraße. Eine halbe Stelle zur dringend notwendigen Koordination aller Beteiligten von den Helferkreisen über die Therapeuten bis zu den Krankenkassen sei mit Verena Kientz zum 1. Oktober bereits geschaffen worden. Um das Netzwerk dauerhaft zu etablieren, Schulungen durchzuführen, aber auch die ehrenamtlichen Sprachmittler – oft selbst ehemalige Flüchtlinge – für ihren Aufwand zu entschädigen, sei man trotz institutioneller Unterstützung nach wie vor auf Spenden angewiesen. „Die Helferkreise können das allein nicht schaffen“.

Wo eine Traumatherapie ansetzt, erklärte Anna-Maria Janßen, ehemalige Leiterin der Rehaklinik Birkenbuck und Sprecherin der am Netzwerk beteiligten Psychotherapeuten: Traumatisierte leiden unter keiner Krankheit, sondern haben natürliche Reaktionsmuster auf lebensbedrohliche Situationen entwickelt. Erst indem Erinnerungssplitter in der Therapie wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt werden, kann das Erlittene von den Traumatisierten als Ereignis in der Vergangenheit wahrgenommen und damit überwunden werden. Eine erste Schulung für interessierte Therapeuten sei bereits auf große Resonanz gestoßen, weitere sollen folgen, berichtet die Psychotherapeutin, die sich auch im Freundeskreis Asyl engagiert.

Zusammen mit ihrer Kollegin Anke Reinbach hat Janßen auch schon erste Gespräche mit Flüchtlingen geführt, die – soweit ihr Eindruck bisher – sehr dankbar waren für die Möglichkeit, über ihre Probleme sprechen zu können. Jetzt sollen sie an Psychotherapeuten im Kreis vermittelt werden, die sich zu ihrer Behandlung bereit erklärt haben. Der Erfolg der Aktion stehe und falle damit, das Projekt dauerhaft zu etablieren, vor allem auch finanziell, erklärt Janßen. Über die großzügige Spende der Rotarier freut sie sich auch wegen der Wertschätzung, die darin sichtbar wird.

Peter Kunze, der als letztjähriger Präsident des Rotary Clubs für diese Spendenidee verantwortlich zeichnet, erklärt, mit ihrer zweiten Spende – bereits im Frühjahr hatten sie einen entsprechenden Betrag für die Vorbereitungsklassen an der Gewerbeschule überreicht – zeigen die Rotarier einmal mehr, wie sehr ihnen die Integration der Flüchtlinge am Herzen liegt.

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