Paris - Ihr kennt das bestimmt auch. Ihr kommt von einer Reise zurück nach Hause und werdet ziemlich schnell mit der Frage konfrontiert: „Na, was hat dir denn am besten gefallen an deiner Reise?“ Ich tue mich mit dieser Frage ehrlich gesagt immer schwer. Meistens gibt es nämlich viele Dinge, die mir gefallen haben. Daraus ein Ranking zu erstellen ist nicht einfach und meiner Meinung nach auch nicht richtig. Denn jedes Erlebnis ist auf seine Art individuell und daher nicht mit anderen vergleichbar. Trotzdem habe ich die leise Vermutung, dass ich die Frage nach meiner Rückkehr aus Paris gestellt bekommen werde. Um also eine gute Antwort parat zu haben, habe ich mich in diesen Tagen damit beschäftigt.

Selfie vor dem Eiffelturm

Zuallererst sind mir die bekannten Pariser Bauten in den Sinn gekommen. Mein erstes Selfie ist tatsächlich vor dem Eiffelturm entstanden. Auch die Momente, in denen ich zum ersten Mal den Arc de Triomphe an den Champs-Élysées oder das Louvre-Museum erblickt habe, sind natürlich unvergesslich.

Trotzdem würde ich nicht sagen, dass sie das Top-Erlebnis meiner Paris-„Reise“ waren. Denn bei diesen Orten weiß man schon im Voraus, was einen erwartet. Sie sind Teil jedes Stadtführers und werden seit Jahrzehnten von Millionen von Leuten besichtigt und fotografiert.

Wenn man wie ich jedoch über längere Zeit in Paris ist, begegnet man irgendwann anderen, unscheinbareren Orten. Nicht einmal, weil man aktiv danach sucht, sondern weil man beim Schlendern durch die Stadt zufällig darauf stößt.

Comedy-Theater und Jam-Session

Als ich vor ein paar Wochen mit meiner Familie, die zu Besuch war, abends durch das Viertel Marais im Pariser Zentrum spazierte, fiel uns plötzlich eine lange Menschenschlange auf. Diese verlief von der Straße in einen beleuchteten Hinterhof, bis hin zu einem Haus mit der Aufschrift „Café de la Gare“. Wir erkundigten uns bei einem wartenden Pärchen und erfuhren, dass dort gleich ein Comedy-Theater stattfinden würde. „Bienvenue dans la coloc“ hieß das Stück, was so viel heißt wie „Herzlich Willkommen in der WG“. Spontan entschlossen wir uns dazu, die Show anzusehen. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich herausstellte. Das Stück selbst war lustig und kurzweilig, und auch das Kleinkunsttheater war durch seine altmodische Einrichtung sehr sehenswert.

Musikalisch überrascht wurde ich vor wenigen Tagen, als ich mit einer Freundin im Norden der Stadt unterwegs war. Sie hatte etwas von einer wöchentlichen Jam-Session in den Kellerräumen einer Musikschule erfahren. Es ist die „École Atla“ wie sich bei unserer Suche herausstellte. Ohne große Erwartungen kamen wir dort an. Am Eingangsbereich tummelten sich ein paar Raucher. Wir folgten einem langen Gang nach hinten, an dessen Ende eine Treppe war. Dort zupfte ein Musiker an seiner Gitarre.

Wo ist nun diese Jam-Session? Haben wir uns doch vertan? Erst als wir die Stufen hinabgingen, hörten wir durch eine gut isolierte Türe erste Gesangs- und Pianoakkorde. Wir öffneten die Tür und betraten einen gut gefüllten Raum an dessen Ende eine acht-köpfige Band eine grandiose Show ablieferte. E-Gitarren-, Posaunen- und Gesangssoli vermischt mit guter Laune und Freude an der Musik brachten uns beide zum Tanzen.

Die spontanen, unerwarteten Erlebnisse sind die besten

Es sind also zusammengefasst die spontanen, unerwarteten Erlebnisse an unscheinbaren Orten, die mir am besten gefallen haben. Wenn ich nach meiner Rückkehr nach Lörrach Mitte Dezember gefragt werde „Na, was hat dir denn in Paris am besten gefallen?“, werde ich einfach antworten: „Frage einfach die Leser des Spunk-Magazins. Die wissen Bescheid.“