Kreis Lörrach Klinikbetrieb nach Ausnahmesituation wieder normalisiert

Trotz hoher Schutzvorkehrungen sind im April und Mai viele Nicht-Covid-19-Patienten der Notaufnahme ferngeblieben. Foto: zVg

Kreis Lörrach - Die Notaufnahme im Kreiskrankenhaus Lörrach sei während der Pandemie zum „Hochsicherheitstrakt“ erklärt worden, berichtet Hans Osterhues, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, im Gespräch mit unserer Zeitung.  Recht früh habe man im Rahmen eines Sechs-Stufen-Plans personelle Kapazitäten aufstocken, Patientenströme lenken und zwei Isolierbereiche zur Behandlung von Covid-19-Verdachtsfällen aufbauen können, erläutert Osterhues.

Besucherverkehr ins Krankenhaus gestoppt

Zunächst wurde der Besucherverkehr ins Krankenhaus gestoppt. Dies geschah bereits, bevor die Landesverordnung dazu in Kraft trat. „Wir mussten den Patientenstrom so lenken, dass Menschen mit möglicher Covid-19-Infektion sofort von den übrigen Personen in der Notaufnahme isoliert und in einem separaten Bereich behandelt wurden. Die Mundschutzpflicht galt bei uns sehr früh. Die Umsetzung der neuen Ablaufe lief relativ komplikationslos ab. Einzig den Angehörigen klar zu machen, dass sie nicht mit in die Notaufnahme können, war nicht immer einfach zu vermitteln“, schildert Samuel Hemmerling, internistischer Oberarzt in der zentralen Notaufnahme, die Anfangszeit. Größtenteils stieß die Regelung aber auf Verständnis bei den Angehörigen.

Zahl der Menschen in Notaufnahme fiel stark ab

Während der Pandemie fiel die Zahl der Menschen, welche die Notaufnahme ohne Covid-19-Verdacht aufsuchten, stark ab. „Allein im Bereich der Unfallchirurgie hatten wir im April rund 300 Menschen weniger zu versorgen als im Vorjahreszeitraum“, sagt Stefanie Schöneberg-Opalka, unfallchirurgische Oberärztin in der zentralen Notaufnahme.

Zu diesen Patienten zählt die Ärztin vor allem Personen, die mit vergleichsweise einfach zu behandelnden Problemen in die Notaufnahme kommen wie mit Schnittverletzungen und starker Rückenverspannung.

Patienten verschoben wichtige Behandlungen

Aber auch Patienten mit ernst zu nehmenden Herzproblemen seien zunächst aus Angst vor Ansteckung zuhause geblieben, berichtet Christoph Haag, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, von einem Fall. Darunter gab es einige Betroffene, die lange mit der notwendigen Behandlung haderten und sogar die Krebsvorsorge aufgeschoben hatten. „Wir konnten von Ende März bis Pfingsten ein regelrechte Patienten-Delle verzeichnen“, merkt Hemmerling an.

„Das führte wiederum dazu, dass wir uns personell gut um die Covid-Fälle kümmern, Abstriche vornehmen und Abklärungen treffen konnten, ob eine stationäre Einweisung bei ihnen angezeigt war“, betont Schöneberg-Opalka. In der Hochphase hatten die Mitarbeiter täglich mit Verdachtsfällen zu tun sowie mit Erkrankten, die aufgrund einer coronabedingten Lungenentzündung an die Beatmungsgeräte angeschlossen werden mussten.

Drei von sechs eingeplanten Eskalationsstufen erreicht

Letztendlich hatten wir von den sechs eingeplanten Eskalationsstufen die dritte erreicht“, weiß Osterhues. Seiner Ansicht nach hat es sich ausgezahlt, schnell einen Krisenstab zu bilden. Im Blickpunkt standen die Gewährleistung der medizinischen Versorgungsqualität im Krankenhaus über die Eingangspforte Notaufnahme, die Beschaffung von zusätzlichem Schutzmaterial für Mitarbeiter und Patienten sowie eine Aufteilung der Zuständigkeiten für die interne und externe Kommunikation.

Die Patientenzahlen liegen derweil seit Juli wieder auf dem Vorjahresniveau. Auch die Behandlungsfälle sind wieder trivialer geworden: Am Wochenende wurde eine junge Dame mit fünf Mückenstiche behandelt, erzählt Hemmerling.

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