Kreis Lörrach Wetterlage bereitet Bauern Sorgen

Zu wenig Grünfutter findet sich derzeit für die Kühe auf den Wiesen des Landkreises Lörrach. Foto: Michael Werndorff

Kreis Lörrach - Nach den zu geringen Niederschlägen im Frühling und Sommer sind Obstbauern sowie Viehhalter im Landkreis Lörrach besorgt. Maßnahmen gegen den Klimawandel seien, so sagt Kreisobstbauberater Klaus Nasilowski, nur schwierig realisierbar.

Schon das dritte Jahr in Folge herrscht im Dreiländereck eine Wetterlage, die vor allem Landwirten und Winzern beunruhigt. Zwar gab es im Februar Einiges an Niederschlägen und Winterfeuchte, was aber die Austrocknung der Böden nach den Hitzesommern in den Jahren 2018 und 2019 nicht entscheidend verbessert habe.

„Wir haben seit Frühjahr bis jetzt zu wenig Niederschläge in allen Regionen in unserem doch sehr unterschiedlichen Landkreis Lörrach gehabt“, erklärt Nasilowski im Gespräch mit unserer Zeitung. Dazu komme der Spätfrost im April, was die Pflanzen zusätzlich stresste. Es gebe deutliche Ausfälle etwa bei den Zwetschgen und die Gemüse- und Salatbauern seien auf künstliche Beregnung angewiesen.

Allerdings gestalte sich diese hier schwierig, weil durch die niedrigen Pegel der Wasserläufe behördlicherseits eine Wasserentnahme aus offenem Gewässer verboten sei. „Mit dem Tankwagen zu beregnen ist sehr aufwendig“, weiß Nasilowski. Es sei davon auszugehen, dass rund 80 Prozent der hiesigen Ertragsflächen im Obst- und Gemüsebau nicht zu beregnen seien.

Anbautechnische Maßnahmen gebe es aber nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre durchaus, erläutert der Kreisobstbauberater. So habe es sich herausgestellt, dass die von vielen Obstbauern angebrachten Hagelnetze bis zu 25 Prozent der Sonneneinstrahlung abhielten.

Anbau mediterraner Obstsorten nicht sinnvoll

Andere Maßnahmen gegen den Klimawandel wie etwa der Anbau von mediterranem Obst wie Aprikosen, Pfirsichen oder sogar Kiwis und Zitrusfrüchten ergäben aus mehrerlei Gründen keinen Sinn. Denn nach wie vor sei der Landkreis Lörrach ein Gebiet mit Frostgefahr. Und außerdem würde eine Produktion der genannten Erzeugnisse markttechnisch nicht sinnvoll sein, fügt Lorenz Boll, Geschäftsführer des Obst- und Gemüsevermarkters EGRO mit Sitz in Oberrotweil und Efringen-Kirchen an. „Denn mit diesen Produkten stünden wir in Konkurrenz mit südeuropäischen Erzeugern, die wiederum diese Produkte mit erheblich weniger Aufwand und deshalb zu ganz anderen Preisen auf dem Markt anbieten“, erklärt Boll.

Die Trockenheit habe in allen Obstanlagen, so sagt auch Markus Schörlin, in Huttingen ansässiger Obstbauer, dazu geführt, dass die Früchte einen Vegetationsstopp einlegten und entsprechend kleiner ausfielen.

Er hat neben der Abdeckung mit Hagelschutznetzen weitere Maßnahmen gegen die Trockenheit ergriffen. Einen mengenreduzierenden Schnitt etwa oder auch das Abdecken der Böden in den Obstplantagen mit Kompost. „Das hält die Feuchtigkeit wenigstens eine gewisse Zeit im Boden“, meint der Obstbauer.

Im Weinbau gab es indes Sortenstrukturänderungen schon vor geraumer Zeit. Dass die Winzer auch hierzulande seit zehn bis 15 Jahren eher südländische Rebsorten wie Regent, Merlot, Shiraz oder diverse Cabernets anpflanzten und nach wie vor kultivieren, war allerdings keine frühe Reaktion auf den Klimawandel. Es war vielmehr die Absicht, die Sortenstruktur den veränderten Kundenansprüchen anzupassen.

Weinanbau ist weniger von Klimawandel betroffen

Wie Weinbauberater Hansjörg Stücklin erklärt, stünden die Rebanlagen im Markgräflerland trotz anhaltender Trockenheit und Hitze im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen, wie Wiesen, Sträuchern und Bäumen noch hervorragend dar. Kritisch sei es aber für die jungen, zwei bis fünfjährigen Rebanlagen. Diese zeigten beginnende Wasserstresssymptome, besonders auf den flachgründigenen Böden. Da für die kommenden zwei Wochen kein oder kaum Niederschläge erwartet würden, werde sich der Trockenstress sicherlich verschlimmern, befürchtet Stücklin und nennt ein auf die vergangenen Trockenjahre zurückzuführendes Problem: „Unsere tiefwurzelnden Reben finden auch im Unterboden kaum noch Wasser“, betont der Weinbaufachmann.

So gebe es bei den Burgundersorten einen Vegetationsstopp. „Das ist grundsätzlich nicht so schlimm, da sich damit der angepeilte Lesebeginn für diese Sorten etwas nach hinten verschiebt“, nennt er auch einen positiven Aspekt der aktuellen Klima-Situation.

Solche Vorteile sieht Heiner Brunner, Milchviehhalter mit rund 80 Rindern und Vollerwerbslandwirt in Wies im Kleinen Wiesental, weniger. Der erste Schnitt fürs Heu im Mai war mäßig, der zweite im Juni etwas besser. Nun zeichne sich aber ein erneuter Engpass beim Grünfutter ab. „Es wächst einfach nichts nach“, beklagt der Milchbauer. Die einzige Gegenmaßnahme, die er sieht, sei eine Anpassung des aktuellen Viehbestandes.

Weniger Vieh auf gleicher Fläche würde aber auch Einkommenseinbußen bedeuten und die ohnehin eher schwierige Aufwand-Ertrags-Situation der Höhenlandwirte damit weiter belasten.

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