Kultur Händels Oratorium „The Messiah“

Jürgen Scharf
Die Kantorei Rheinfelden und das Caprinornus Consort im „Messias“. Foto: Jürgen Scharf

Mit zwei Aufführungen von Händels Oratorium „The Messiah“ in Weil und Rheinfelden beeindruckten die Evangelische Kantorei Rheinfelden und das Capricornus Consort Basel. Die Interpretation ist der historischen Aufführungspraxis verpflichtet.

Nach über zwei Stunden Aufführungsdauer kam das Ausklangswort, das dieses Oratorium mit einem großen Gebet beendet: „Amen“. Die Evangelische Kantorei Rheinfelden hatte bei ihrer Aufführung am Samstag in der Kirche Altweil, der eine weitere in St. Josef in Rheinfelden folgte, für diese Stelle („Worthy is the Lamb“) mit der anschließenden großen „Amen“-Fuge, nach Stefan Zweig ein „klingendes Stufenwerk bis in den Himmel“, noch den langen Atem, die nötige Ausdauer.

Foto: Jürgen Scharf

Kirchenmusikdirektor Rainer Marbach, der die Chorleitung hatte, und - sehr auffällig - ausschließlich die Chöre dirigierte, setzte bei Händels vielgespieltem Meisterwerk sowohl auf die englische Originalfassung als auch auf eine vernünftige Besetzung mit 40 Choristen, wie man das in der historischen Aufführungspraxis vorgemacht hat. Dadurch erklang Händels beliebtestes Oratorium durchsichtig, kontrastreich, war von Pomp und romantischem Schwulst befreit, ohne falsche Weihe, aber ernst und feierlich, jubilierend, ergreifend und nachdenklich, wie das Marbach selber anstrebte: eine Musik mit humaner Ausstrahlung.

Viel gespieltes Meisterwerk

Zusammen mit dem Capricornus Consort Basel unter seinem Konzertmeister Peter Barczi (auch Solovioline) gelang Marbach, der zum ersten Mal in seiner kirchenmusikalischen Laufbahn den „Messias“ dirigierte, eine Rückschau auf das Händel-Bild mit deutlich englischen Akzenten. Statt „Messias“ hieß es jetzt „Messiah“ in englischer Sprache, und so wurde auch gesungen von einer Kantorei, die mit der Diktion gut zurechtkam. Man spürte, dass Marbach mit seinem Chor aus 30 Kantoristen und zehn Gastsängern sorgfältig und intensiv gearbeitet hat. Auch gab es eine gute Balance zwischen dem eher kammermusikalisch besetzten Orchester mit Streichern, zwei Oboen, zwei Trompeten, Pauke und Orgelpositiv, und dem Chorklang.

„Halleluja“

Auch wenn es kein Mammutchor war, stellte sich eine Oratorienmonumentalität ein, gerade in den berühmten Chorpassagen wie dem „Halleluja“, unterstützend mit Naturtrompeten und Pauke. Aber auch die majestätische Bassstelle „The trumpet shall sound“ und die Arie „Warum denn rasen und toben die Heiden“ machten mit Dramatik und Affekt gehörigen Eindruck.

Exzellente Vokalsolisten

Die vier exzellenten Vokalsolisten waren eine gute Wahl in Timbre und Ausdruck, zeigten sich glänzend disponiert und nahmen durch aufrichtige Emphase für sich ein. Der affektreiche und biegsame Altus von Jan Börner fiel mit dramatischen Koloraturen und ausgeschmückten Partien auf. Der Tenor Jakob Pilgram, der den ersten Teil des Oratoriums mit dem Rezitativ „Comfort ye“ und der Arie „Ev’ry valley“ beginnt, punktete durch klare Diktion, Textverständigkeit und schlankes Singen.

Feine Gesangskultur

Die Sopranistin Miriam Feuersinger, die man aus ihrer Grenzach-Wyhlener Zeit noch bestens kennt, brachte in den Rezitativen der Hirtenmusik und den berühmten Arien wie der frohen Kunde „Rejoice greatly“ oder im dritten Teil in der Arie „I know that my Redeemer liveth“ (Ich weiß, dass mein Erlöser lebt) ihre feine Gesangskultur, lyrische Qualität und beseelte Gestaltung ein. Mit Wucht, Durchsetzungsfähigkeit und geradezu barockopernhaftem dramatischem Impetus beeindruckte der Bassist Matthias Helm (Arie „Why do the nations“), der in der Bassregion über eine profunde Tiefe verfügt.

Klarstimmig

Zu den unbestreitbaren Aktivposten dieser Großtat mit einem Großwerk der Tonkunst zählte das Barockensemble Capricornus Consort, das die Aufführung durch sein historisch informiertes Spiel und seine Erfahrung belebte und prägte. Mit diesen Profis an der Seite konnte sich die Kantorei gut aufgehoben fühlen. Sie meisterte die Herausforderungen höchst beachtlich, behauptete sich bemerkenswert in den polyfonen Chorsätzen und hielt ohne Ermüdung präzise und klarstimmig bis zur kunstvollen Schlussfuge durch.

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