Kultur Malerei von Vivian Kahra im Stapflehus

Jürgen Scharf
Die Malerin Vivian Kahra in ihrer Ausstellung im Stapflehus neben dem Skaterbild „Solid Morning“ Foto: /Jürgen Scharf

Nach viel Videokunst, Installationen und neuen Medien hält jetzt wieder das klassische Medium Malerei Einzug ins Weiler Stapflehus.

Mit der Freiburgerin Vivian Kahra ist eine Malerin zu Gast, deren Bilder von der globalisierten Welt inspiriert sind: eine Malerei fürs 21. Jahrhundert, oder um mit den Worten von Kurator Martin Hartung zu reden: „Das ist Malerei in der digitalen Welt.“

In der digitalen Welt

Schon lange hatte der Kunstverein Weil keine reine Malerei-Ausstellung mehr. Jetzt war es also an der Zeit, zumal die letzten Ausstellungen doch stark der Medienkunst gehörten. Hartung sieht in den Bildern der in Freiburg lebenden Künstlerin Aspekte der „Neuen Romantik“. Für ihn gehört die Malerin in diese Bewegung durch ihre „gefühlvolle Malerei“ und die Verbindung von Bewegung und Ruhe.

Bewegung, darunter auch Szenen von Sport, zeigen die Bilder. Einige stammen noch aus Kahras Zeit in New York, wo sie zwölf Jahre gelebt hat. Bezeichnend sind die großen Szenenbilder, die von Skatern in New York City inspiriert sind - einem dort beliebten Fortbewegungsmittel.

Die Künstlerin liebt die Skaterparks, die ovalen manegenartigen „Bowls“, wie man in einem Bild sieht, und die weltoffene Stimmung durch die gemeinsame Bewegung. Sie übersetzt das in sehr sparsame, reduzierte Malerei mit viel weißem Freiraum, teils monochromen Flächen, die wie ausgeschnitten und collagiert wirken.

Der Titel „Weltzirkus“ verweist auf die Biografie der Künstlerin – ein großer Begriff mit vielen Facetten, bei denen sich das Spielerische in der Manege mit Höchstleistungen verbindet.

Weltzirkus

Im Obergeschoss des Stapflehuses kommt man diesem Titel auf die Spur. Hier hängen zwei großformatige Bilder, die wie Zeltbefestigungen aussehen. Sie lenken den Blick nach oben von der Eislaufbahn des Rockefeller Centers in die Lichterkuppel, die Wolken und Wolkenkratzer, die zu einer Lichterkettenlandschaft verschwimmen.

Die Personen auf den Bildern sind meist junge Erwachsene, sie stehen, fahren und springen auf Skateboards, und die Szenen entstehen primär aus der Figur und dann aus der Umgebung und den Farben. Als Vorlagen dienen Fotografien, aber keine eigenen, sondern aus Skatermagazinen und dem Internet. Die Bewegung der Figur wird in den Raum ausgeweitet oder führt umgekehrt nach innen. Ein Skater im Sprung ist in einer konzentrierten Momentaufnahme eingefangen.

Das neueste Werk, das in der Ausstellung noch frisch nach Farbe riecht, stellt einen jungen Mann dar, der sich auf einer Mauer abstützt und fotografiert: der „Entdecker“. Die meisten Figuren sind gesichtslos, anonym, oft nur Silhouette oder schemenhaft. Es sind Schnappschüsse der Wirklichkeit, stille Bilder in ruhigen, dezenten Farben, grüngrau mit viel Weiß.

Bewegung und Ruhe

Vivian Kahra arbeitet gerne mit Ausschnitten; manchmal sieht man nur Beine auf den Skateboards oder Fragmente von Körpern. Die Künstlerin bevorzugt eine Verbindung von Bewegung und Ruhe. Ihrer Technik, die oft wie ausgeschnitten wirkt, kommt entgegen, dass sie die Linie, die klare Kante, mag. Tatsächlich gibt es auch ein paar spielerische wirkliche Collagen, wie die Frau vor dem gefrorenen Wasserfall.

Es ist eine moderne Malerei zwischen urbanem Raum, Naturnähe und Dynamik, in der deutlich wird, dass Kahra ein Naturmensch und sportlich aktiv ist.

Eigene Bildrealität

Bemerkenswert ist eine Häuserserie, die eine Verbindung schafft zwischen zwei Welten in Amerika und Deutschland. Die Reihe zeigt Häuserformen, vom amerikanischen Haus bis zum badischen Baumhaus. Kurator Hartung brachte es in seiner Einführung auf den Punkt: Es gehe Vivian Kahra nicht darum, Wirklichkeit zu dokumentieren, sondern eine eigene Bildrealität zu schaffen.

Bis 23. April, Sa 15-18, So und Feiertag 14-18 Uhr. Am Samstag, 25. März, ab 15 Uhr gibt es einen interaktiven Familiennachmittag mit Vivian Kahra. Am 23. April, ab 16 Uhr: Finissage

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