Kultur Museen als Schatzkammern zum Staunen

Gabriele Hauger
Jan Merk ist überzeugt: „Museen sind Lernorte für Neues und gesellschaftlich wichtige Plattformen für öffentliche Diskussionen.“ Foto: www.dreilaendermuseum.de/Martin Schulte-Kellinghaus

Der scheidende Vorsitzende des Museumsverbands blickt auf neun intensive Jahre zurück und freut sich auf neue Herausforderungen. Dabei betont er Wert und Relevanz von Museen.

Jan Merk ist Leiter des Markgräfler Museums Müllheim und übernimmt dieses Jahr die Leitung des Lörracher Dreiländermuseums. Neun Jahre lang war er zudem Vorsitzender des Museumsverbands. Ein forderndes, spannendes Amt, wie er rückblickend findet. Über den Verband, die Aufgabe von Museen und deren Faszination unterhielten wir uns mit ihm.

Museumsverband - das klingt auf den ersten Blick etwas sperrig.

Im Gegenteil – da geht’s ganz lebhaft zu. Museen sammeln und bewahren unser kulturelles Erbe und stellen es immer wieder aus, damit alle es genießen, darüber diskutieren oder daraus lernen können. Wenn es Museen nicht gäbe, wäre Vieles unwiederbringlich verloren. Damit der Wert und die Relevanz von Museen gesehen werden, braucht es eine politische Interessenvertretung in der Öffentlichkeit. Das ist die Hauptaufgabe des Museumsverbandes.

Ist der Verband gerade für kleinere Häuser besonders wichtig?

Wir haben eine zweite Aufgabe: das ist der fachliche Austausch im kollegialen Kreis. Es gibt total unterschiedliche Museen – darunter auch viele ganz kleine mit nur einer Person. Da ist der Blick über den Tellerrand, das Vergleichen mit dem, was andere machen, und der Rat, wie man zeitgemäß und besucherorientiert arbeiten kann, gerade für diese Häuser besonders wertvoll. Und natürlich praktische Tipps, auch zu Fördermöglichkeiten. Wir sind insgesamt eine sehr solidarische Branche: ganz große und ganz kleine Häuser arbeiten wirklich unkompliziert zusammen.

Rückblickend auf neun Jahre Vorsitz: Was waren Ihre „Highlights“? Was haben Sie erreicht?

Mit einem guten Vorstandsteam und einer tollen Geschäftsstelle, die Yvonne Leister in Müllheim geleitet hat, haben wir den Verband deutlich professionalisiert und sichtbarer gemacht: gemeinsam mit Lotto Baden-Württemberg konnten wir einen Museumspreis fürs Land etablieren, der mit 45 000 Euro Preisgeldern zu den höchstdotierten in Deutschland zählt und gute Museen sichtbar macht. Auch in Südbaden haben große Häuser wie Offenburg und Lörrach, aber auch kleinere wie Weil am Rhein, der Winterhalter-Salon Menzenschwand oder das Jüdische Museum Emmendingen davon profitieren können. Daneben haben wir zum Beispiel aktiv an der neuen Kulturkonzeption des Landes mitgearbeitet, für Fortbildungen die Museumsakademie Baden-Württemberg mitgegründet oder unsere Arbeit mit Städte- und Gemeindetag stark intensiviert.

In Ihre Führungs-Zeit fiel auch Corona – eine Herausforderung für alle Museen. War gerade in dieser Zeit der Verband hilfreich?

Die ersten Handlungsempfehlungen für die Wiederöffnung der Museen im April 2020 sind von uns gekommen – und das Wissenschaftsministerium, die Städte und Landkreise haben sie zu ihrer Arbeitsgrundlage gemacht. Für unsere Mitglieder hatten wir zwei Jahre lang einen speziellen Newsletter. Wir haben viel Öffentlichkeitsarbeit für die Museen gemacht und standen für alle Regelungen, aber auch für Corona-Sonderförderungen mit dem Land in ständigem Austausch; manchmal auch am Wochenende per Handy.

Wie einschneidend war diese Erfahrung für die Arbeit in den Häusern? Hat sich vielleicht auch viel Innovatives getan?

Für die Museen und für die gesamte Kultur hat sich in kurzer sehr viel geändert: für die Arbeit der Akteure, aber auch für das Verhalten der Besucherinnen und Besucher. Im Bereich der Digitalisierung hat es auch bei uns einen überfälligen Schub gegeben – etwa für Videotermine oder bei der digitalen Sammlungserfassung. Aber wir merken natürlich auch, wo die Digitalisierung ihre Grenzen hat: digitale Ausstellungen sind eine schöne Ergänzung, Ersetzen können sie die Ausstellungen mit den einmaligen Originalobjekten und die Begegnung mit Menschen vor Ort aber nicht. Eine große Chance liegt auch in Zukunft in den „Museumsschätzen“: den besonderen Exponaten, die eine spezielle Aura und Anziehungskraft haben.

Der Verband veranstaltet regelmäßige Tagungen. Geben Sie uns ein paar Beispiele für Themen, die da besprochen werden.

Da geht es zum Beispiel um Chancen der Digitalisierung, um Vernetzung mit Tourismus, Universitäten oder anderen Kulturanbietern, um rechtliche Aspekte der Museumsarbeit, um neue Zielgruppen und deren Beteiligung, um kulturelle Bildungsarbeit oder um Qualitätsstandards: Was ist heutzutage ein gutes Museum?

Wie beurteilen Sie die Museumslandschaft in unser Regio?

Museen kann man glücklicherweise nicht über einen Kamm scheren. Wir haben hier die wunderschöne Situation, dass mit Basel eine Museumsmetropole Europas vor unserer Haustür liegt – und zugleich viele mittlere und kleinere Häuser mit besonderen Themen, Profilen und einem je eigenen Charme.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Museen im Lande, besonders im Landkreis?

Museen haben oft immer noch zu Unrecht ein Image als langweilig und verstaubt. Dabei sind es Schatzkammern zum Staunen, Lernorte für Neues und gesellschaftlich wichtige Plattformen für öffentliche Diskussionen. Ich wünsche, dass es den Museen hier weiter gelingt, ganz schön „staubfrei“ daherzukommen: mit attraktiven Ausstellungen, relevanten Themen für die Menschen - und dass man die Begeisterung der Museumsmacherinnen und Museumsmacher auch beim Museumsbesuch spürt.

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