Kultur Preis für Video-Kunst

Jürgen Scharf
Grenzgängerin zwischen digitaler und realer Welt: Katrin Niedermeier Foto: Jürgen Scharf

Für ihre faszinierende Videokunst erhält die Multimediakünstlerin Katrin Niedermeier den Kunstförderpreis 2024 der Sparkassenstiftung Markgräflerland.

Sie ist eine Spezialistin für spektakuläre Inszenierungen. Man erinnere sich nur an die fantastische 3D-Computeranimation des Gartens von Versailles von Katrin Niedermeier im Stapflehus 2017 bei einer Ausstellung von Studierenden der Fachhochschule für Gestaltung und Kunst Basel: eine digital erzeugte Parkanlage mit imaginären Springbrunnen, Fontänen, Bassins, Wasserspielen, Wegen, Bäumen - ein einziges Blubbern und Plätschern.

Multimediale Installation

Anlässlich der Verleihung des mit 2500 Euro dotierten Markgräfler Kunstförderpreises richtet Katrin Niedermeier wieder eine auf den Raum bezogene multimediale Installation unter dem Titel „Eye swipe shut“ im Dachgeschoss des Stapflehuses in Weil am Rhein ein. Es ist eine weiterführende Arbeit ihrer gleichnamigen raumabhängigen Installation bei der „Regionale“ 2023 im Haus der elektronischen Künste (HeK) in Münchenstein. Nur, dass sie im Stapflehus keinen „Black Cube“ antrifft, sondern ein anderes Umfeld unter dem Dach.

Begehbarer Körper

Das Konzept bleibt gleich: ein begehbarer Körper, in den die Besucher von der Türschwelle direkt hineinsteigen können. Diesen Körper kann man gleichsam wie ein Haus betreten, ein Gang führt hinein. Es ist, erklärt Katrin Niedermeier, „wie innerhalb einer großen Babuschka“. Die Künstlerin hat ein kleines Haus im Haus gebaut, aus transparentem Material, zerschnittenen und von Hand zusammengenähten Nylonstrumpfhosen. Wie durch ein Fenster blickt der Betrachter aus diesem hautfarbenen, körperhaften Haus auf eine große Videoleinwand mit bewegten Bildern, sogenannten generierten KI-Bildern.

Raum für Trauer

Auf diesen Projektionen finden sich Menschen, die ihrer Erfahrung mit Trauer Ausdruck geben. Trauer, so die Künstlerin, hat keinen Raum mehr, deshalb will sie in diesem sehr persönlichen Projekt der Trauer einen öffentlichen Raum geben. Es geht also weniger um rationelle Trauerarbeit als um die körperliche Empfindung und Phasen der Trauer.

Blick auf die Rauminstallation „Eye swipe shut“ von Katrin Niedermeier im Stapflehus Foto: Jürgen Scharf

Bei ihren multisensorischen Arbeiten werden stets die Sinne des Betrachters angesprochen.

Haptische Materialien

Für Niedermeier ist es faszinierend und spannend zugleich, welche Welten sie aus neuen Computertechniken, Videoarbeiten und Animationsfilmen schaffen kann - immer verbunden mit installativen Räumen und haptischen, greifbaren Materialien. Dieses Balancieren zwischen digitaler und analoger Welt ist ihr wichtig.

Schnittstelle von konkret und virtuell

Als Grenzgängerin zwischen Fiktion und Realität bewegt sich ihre Arbeit an der Schnittstelle von konkret und virtuell. Sie hinterfragt Themen des Menschseins heute, entwirft utopische Szenerien, bringt Gedanken, Situationen und Wünsche in individueller Kunst zum Ausdruck. Ihre Modelle baut sie am Computer, quasi wie eine Vorskizze, und nutzt die experimentellen Möglichkeiten der Videokunst. Auch kombiniert sie gern Video, Audio und Performance, bringt Tonspuren mit Musik und Sprache ein.

Von Malerei und Mode inspiriert

Niedermeier ist zum einen von der Malerei inspiriert, aber viele Anregungen erhält sie auch aus dem Modebereich. Ursprünglich kommt die Münchnerin von der Mode her. Sie hat dort studiert, Haute Couture-Kleider entworfen und zehn Jahre lang als Modedesignerin in Paris und Los Angeles gearbeitet. Als Niedermeier dann aus persönlichen Gründen nach Weil am Rhein zog, war das auch künstlerisch für sie ein Wendepunkt.

„Das macht Mut“

Von 2014 bis 2019 studierte sie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, fand in ihrer Wahlheimat Weil auch gleich Anschluss im dortigen Kunstverein, war eine Zeit lang im Vorstand aktiv, stellte im Stapflehus aus - auch im Rahmen der „Regionale“. Bei dieser grenzüberschreitenden Ausstellungsplattform war sie auch öfter im HeK vertreten, Ende 2020 mit der aufwendigen Installation „H.o.m.e“ mit sechs Bildschirmen, in der sie Frauenbilder und das Thema Haus und Häuslichkeit reflektierte, aber auch Avatare und künstliche Wesen aus der virtuellen Welt zum Leben erweckte.

Inzwischen hat Katrin Niedermeier ihr Hauptatelier auf dem Areal der Basel Kaserne, wo zahlreiche Kunstschaffende arbeiten - ein Austausch, den sie genießt. Der Preis hat für sie auch eine ideelle Bedeutung und zeige, dass die Arbeit sich doch gelohnt hat: „Das macht Mut, weiterzumachen“.

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