Kultur Regionale im Stapflehus

Jürgen Scharf
Digitaldruck von Eva Schick aus der Regionale24 in Weil am Rhein. Foto: Jürgen Scharf

Vielschichtig und spannend ist die 24. Regionale-Ausgabe in Weil am Rhein. Kuratorin Christine Fausten kann gute und renommierte Künstler für die Schau gewinnen. Besucher können sogar Einfluss nehmen. Wie das geht?

Trotzdem sollte die Ausstellung leicht bleiben, und man sieht tatsächlich junge, frische Arbeiten. Fausten hat Wert gelegt auf Diversität, bringt viele Positionen zusammen.

Bei der Vernissage vor viel Publikum machte der aus Mulhouse stammende Künstler Jérome Grivel eine Performance mit seinen „Conversation models“, die nah am Überthema der diesjährigen Regionale war: „Nah herangehen“.

Nähe und Distanz ist der Leitfaden dieser aktuellen Schauen. Grivels Holzstäbe mit Metallscharnieren, geraden Linien und Winkeln kann man als bewegliche geometrische Raumskulpturen bezeichnen. Der französische Künstler bewegte sich in diesem Gestänge in langsamer Gangart und wurde so zu einer menschlichen Skulptur. Das Publikum darf in die drei beweglichen Module „einsteigen“ und sie in eine andere Form bringen.

Vielfältige Plattform

Wie vielfältig diese Plattform zeitgenössischer Kunst ist und wie sehr sich die Künstler mit dem Thema identifizieren, zeigt ein Rundgang durch diesen Raum, in dem an der großen Stirnwand die kleinformatigen Papierarbeiten von Andreas Frick hängen. Tagebucheintragungen, Notate, Notizzettel mit Erinnerungen, kleine Zeichnungen, aufgefädelte Notizen, Gedanken und collagierte Abbildungen vermitteln Alltagsmomente und persönliche Einblicke. Es sind ganz intime Arbeiten, einzelne Texte können nur in der Nahsicht gelesen werden.

Hingegen hat Petra Soder große Arbeiten für diesen Raum geschaffen. Zeichnen ist ihre Profession und ihr Elixier, wie man im Leporello-Flyer lesen kann, der als Ersatz für Saaltexte dient. Neben Soders Zeichnungen mit Raumdynamik fallen die Druckgrafiken von Franziska Schiratzki auf. Die seriellen Häuser, ganz schlicht, voller Schönheit und Einfachheit, genannt „Behausungen“, sind eine Hommage an den Architekten Tadao Ando und ganz in seinem Stil. Das Haus ist hier eine Metapher als Ort des Rückzugs und des Schutzes. Sehr poetisch sind Schiratzkis neun Kupferplatten mit eingeritzten, spiegelverkehrten Texten.

Freches Spiel mit Kamera

Ein freches Spiel mit der Lochkamera, der Unschärfe und Verschwommenheit treibt Reto Hemmi. Er kommt von der Malerei her und seine Bilder, betitelt „Versunken“, haben eine malerische Sichtweise und meditative Komponente in ihrer Versenkung. Sie zeigen Aufnahmen aus Japan wie eine Buddhafigur, aber auch Glasgefäße: geheimnisvolle Camera obscura-Aufnahmen mit innerem Leuchten.

Elise Grenois arbeitet prozessorientiert und installativ, hat Porzellanrollen in ein Metallgestell geschichtet, quasi ein Haus aus Metallstangen und farbig unterschiedlichen Rollen. Verena Thürkaufs Fragmente machen auch neugierig; an die Textausschnitte, die wie Einzelteile eines Ganzen wirken.

Experimentelle Collagen

Eva Schick ist eine richtige Entdeckung. Ihre experimentellen Collagen mit Bildausschnitten und neuen Realitäten brechen mit Sehgewohnheiten. Karin Hochstatters Video ist ein Verbindungsglied zu den runden Formen im Raum.

Werner von Mutzenbecher, einer der wichtigsten Protagonisten der Basler Kunstszene, zeigt ein hypnotisches Video mit ständig herumfahrenden Go Karts im Loop, die eine wahnsinnige Sogwirkung auslösen durch die Verfolgung einzelner Fahrer, Heranzoomen und Wechseln in die Totale. Da kann die Malerei nicht mithalten, sagt der Künstler.

Bis 7. Januar, Do 18-20, Sa 15-18, So 14-18 Uhr. Kuratorenführung So, 3. Dezember, 16.45 Uhr

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