Kulturfabrik-Austellung Von Spannung und Harmonie

Jürgen Scharf
Blick in die Ausstellung mit Arbeiten von Anne Mundo und Ralf Weber Foto: Jürgen Scharf

In der Ausstellung „substitute“ des Kunstvereins Schopfheim kommen Malerei und Grafik von Anne Mundo und Skulpturen von Ralf Weber zusammen.

„Machine Gun“ ist ein Free Jazz-Album von 1968 mit dem Peter Brötzmann Octet – Musik der rebellischen 68er-Bewegung. Brutale Musik, wenn man sie heute wieder hört, intensiv bis ins Geräuschhafte, knallige Repetitionen wie Trommelfeuer. Nach diesen erregten Klängen hat die in Berlin lebende Künstlerin Anne Mundo eine Edition mit zwölf Farbendrucken erstellt: „Machine Gun – automatic gun for fast, continuos firing“, ist eine künstlerische Interpretation dieses Anarcho-Stücks. Seismografisch zeichnet Mundo die Ausschläge und Eruptionen dieser Musik nach, deren Maschinengewehrtöne eine Reaktion auf die damalige Zeit des Vietnam-Kriegs sind.

Die Titel sind sperrig – die Bilder sind es nicht

Mit Linien, Farben und nervösen Formen arbeitet Mundo zeichnerisch auch zu Sirenentönen in der Serie „Alarm! Signale – Warnungen und Tendenzen“. Auch wenn die Titel etwas sperrig sind, die Bilder sind es nicht. Sie sind sehr grafisch gehaltene, von der Linie bestimmte Arbeiten, filigran mit japanischer Tusche auf Papier, Tinte und mit dem Saft von Roter Bete koloriert.

Wer durch die neue Schau des Kunstvereins Schopfheim in der Kulturfabrik geht, dem fällt überhaupt die Farbe Rot in vielen Nuancen auf: nicht nur die Rote Bete-Farbe (wie in „Casio Weckalarm“), sondern auch Flieder, Lila, Rosa und Mischfarben wie Türkis und Lilagrau. Zum Flieder gibt es eine ganze Reihe: „Der Flieder kommt wieder“; die Farbkombination „apricot-melon“ taucht in der Reihe „Mindful music“ auf.

Mundo, die bei Katharina Grosse, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen, studiert hat, arbeitet abstrakt in solchen Farbvariationen. Beeindruckend ist die Serie „Liniengebete“, die Kurator Gerit Koglin vom Kunstvereinsvorstand wirkungsvoll an der Stirnwand platziert hat.

Es sind Rhythmuslinien voller Schwingungen, die sich zu ganzen Linienteppichen verweben und verdichten. Mundos Linienbilder überraschen durch ungewöhnliche Materialität und Ausdrucksformen.

Darin trifft sie sich mit ihrem Mitaussteller, dem Freiburger Bildhauer Ralf Weber. Auch er, von der klassischen Bildhauerei herkommend, ist inzwischen in seinem Metier in neuen Medien unterwegs. Er zeichnet seine Formen digital am Computer und stellt sie über einen 3D-Drucker her. Man sieht einige Beispiele dieser modernen Plastiken aus Kunststoff.

Der 3D-Drucker als Hilfsmittel des Bildhauers

Webers Formen sind abstrakt, aber von der Natur abgeleitet; sie erinnern an farbintensive Korallen oder Schwämme und tragen farbige Titel wie „coral.blue“, „coral.yellow“ oder „coral.türkis“.

Dass Weber die traditionelle Bildhauerei nicht ganz verlassen hat, zeigen einige Arbeiten in Stein, Holz und Bronze. Auch hier geht er in abstrakte Phantasieformen, teils mit starken Oberflächenstrukturen beim Granit oder löchrigen Durchbrüchen in der Skulptur „Self“ aus Proton-Stein.

Kuriert mit großem künstlerischem Gespür

Obwohl Koglin Anne Mundo, die er vom gemeinsamen Studium in Berlin her kennt, und Ralf Weber zum „Blinde Date“ zusammengebracht hat, ergänzen sich ihre Arbeiten in der weiträumigen Kulturfabrik überraschend gut zu einer überaus harmonischen und spannenden Doppelausstellung. Dieser Gesamteindruck entsteht nicht zuletzt durch das künstlerische Gespür und Auge des Kurators, der die Räume, die etwas Urbanes haben, mit interessanten Durchblicken und Raumeindrücken geschickt ausnutzt als Plattform für aktuelle Kunst.

Ausstellung „substitute“ in der Kulturfabrik bis 25. Februar, mittwochs, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.

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