Leser Helfen Wenn Mädchen gemeinsam wandern

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Hier werden die Erlebnisse des Tages festgehalten. Foto: zVg

Das Projekt „Raus aus dem Alltag“ wird auch in diesem Jahr wieder unterstützt.

Auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass Projekte wie das Mädchenwandern, die die Kinder einmal aus dem Schulalltag herausholen, sich positiv auswirken. Für die Teilnehmerinnen fielen während der Corona-Zeit die Klassenfahrten aus, weshalb einige noch nie so lange allein von zu Hause weg waren. Außerdem haben die Mädchen oft vorher keine Vorstellung von der Anstrengung, die eine solche Wanderreise von ihnen fordert.

„Die Kunst besteht also darin, eine herausfordernde, aber keine überfordernde Situation zu schaffen“, sagen die beiden Schulsozialarbeiterinnen Nadja Braun von der Wiesentalschule Maulburg und Sandra Dupont-Guder von der Rheinschule Weil am Rhein, die die Mädchen begleiteten. Gerade der Feldberg sei in diesem Jahr eine ganz besondere Hürde gewesen, „die – als sie einmal überwunden war – dafür stand, dass man vieles im Leben erreichen kann, wenn man sich nur etwas zutraut und es auch durchsteht“.

Das Verlagshaus Jaumann hat das Projekt zum wiederholten Mal mit einer großzügigen Spende bedacht. Zusätzlich waren die Veranstalter mit einer Bewerbung um Spendengelder der „Gesundheitskonferenz des Landratsamts Lörrach“ erfolgreich, so dass weitere Mittel zusammenkamen.

Wandern durch den Regen Foto: zVg

Ohne Handy zum ersten Mal weg von zu Hause

Das Projekt zielt darauf ab, die Mädchen für ein paar Tage „Raus aus dem Alltag“ zu holen. Die Kinder dürfen deshalb keine Smartphones mitnehmen, sind weit weg von alltäglichen Gewohnheiten, schlafen an fremden Orten und sind auf ihre Grundbedürfnisse zurückgeworfen. Das intensive Beisammensein in der Gruppe stellt für manche eine zusätzliche Herausforderung dar. Es gilt, Konflikte auszuhalten und zu lösen, Rücksicht zu nehmen und sich gegenseitig zu motivieren.

Ziel der viertägigen Wanderreise war in diesem Jahr der Titisee. Dabei galt es, einige Höhenmeter und mehr als 50 Kilometer Strecke zu bewältigen. Wie das bei den Mädchen und den Schulsozialarbeiterinnen ankam, ergibt sich aus deren Schilderungen sowie aus Einträgen in die Reisetagebücher. Einige dieser Wahrnehmungen haben wir im Folgenden zusammengestellt

Zimmeraufteilung beschäftigt Schülerinnen

Schon im Vorfeld hatten die Mädchen sehr viele Fragen. Vor allem das Thema, wo und mit wem sie auf einem Zimmer schlafen werden, beschäftigte sie. „Wir hatten Dank der Gelder der Gesundheitskonferenz in diesem Jahr auch die Möglichkeit, Lunchpakete zu kaufen, sodass die Teilnehmerinnen keine eigenen Lebensmittel besorgen mussten“, erklärten die Betreuerinnen.

Gemeinsam wurde zunächst besprochen, welche Verpflegung bei einer Wanderung angemessen und nötig ist und welche Dinge die Mädchen aufgrund von Vorlieben und Allergien essen. Nachdem alles geklärt war, fuhren drei der Mädchen mit den beiden Schulsozialarbeiterinnen zum Einkaufen.

Schließlich wurden die Lebensmittel auf alle Rucksäcke aufgeteilt, das Gepäck ein letztes Mal überprüft und los ging es zum Bahnhof in Maulburg. Unterwegs traf die Gruppe auf die vierte Klasse einer Lörracher Grundschule. Die Kinder zeigten sich ganz erstaunt, dass die Mädchen so viele Kilometer laufen wollten. Zudem stellten alle bald fest, dass es am Abend in der Jugendherberge ein Wiedersehen geben würde.

Gleich am ersten Tag wurden elf Kilometer zurückgelegt. Die Mädchen hatten keine Vorstellung, wie weit diese Strecke sein würde. Dennoch waren alle gut dabei und schafften den Weg ohne Probleme. Nach der Zimmerverteilung, dem Duschen und einem gemeinsamen Abendessen trafen sich alle in einem Gruppenraum. Dort bekamen die Mädchen die Aufgabe, in ihr mitgebrachtes Tagebuch zu schreiben und sich ein Ziel für den kommenden Tag zu stecken. Vor der Nachtruhe wurden noch ein paar Runden Werwolf gespielt.

Die Schülerinnen machen neue Erfahrungen Foto: zVg

Den Anstieg auf den Feldberg gut bewältigt

Zufrieden zeigten sich die Mädchen mit dem ersten gemeinsamen Frühstück, das für jede etwas bereithielt. Der Anstieg auf den Feldberg und damit die ersten 400 Höhenmeter des Tages lagen vor der Gruppe. Am Wegesrand gab es viel zu entdecken: Ferngläser, ein Baum zum Klettern, Schaukeln sowie eine Aussichtsplattform wurden aufgezählt. Manche Teilnehmerin merkte jedoch schnell, dass es anstrengend werden wird. Da brauchte es etwas Zuspruch und Motivation, so dass nach zwei Stunden alle den Gipfel erklommen hatten.

Schmerzende Füße und ein Eis zur Belohnung

„Wir sind den Feldberg hoch und wieder runter gewandert, dort haben wir uns ein Eis gegönnt“, hält eine Teilnehmerin fest. „Ich fand es sehr anstrengend zu warten, wenn es gerade nicht an Motivation fehlt“, sagt eine andere. „Heute sind wir 15 Kilometer gelaufen. Jetzt tun meine Füße ein bisschen weh“, erklärt eine weitere Schülerin.

Die Mädchen waren begeistert von den tollen, liebevoll eingerichteten Zimmern, dem Abendessen und den gemütlichen Betten in der Unterkunft. „Die haben auch ganz liebe Hunde, die sind so süß“, war zu erfahren. „Ich freue mich schon tierisch auf morgen, denn wir übernachten an einem kleinen See“, hieß es außerdem.

Der nächste Tag begann mit Starkregen und Gewitter, was im Laufe des Tages jedoch besser wurde. Über die Länge der Strecke gab es verschiedene Meinungen: Die Schülerinnen sind überzeugt davon, in Wirklichkeit 16 statt 14 Kilometer gelaufen zu sein.

Jedenfalls gab es wieder viel zu entdecken: den Windgfällweiher sowie hunderte kleine Frösche auf ihrem Weg über die Straße und die Gleise. Die Mädchen versuchten, möglichst viele von ihnen sicher auf die andere Seite zu bringen. Sie fanden erneut Blaubeeren und Hunde zum Streicheln. Zudem trafen sie ein ukrainisches Mädchen, das ihnen das Zählen in ihrer Muttersprache beibrachte. Der Regen am Abend verhinderte das Baden im Weiher, der zur letzten Unterkunft, einem Campingplatz, gehört. Die Mädchen fanden aber genug andere Beschäftigungsmöglichkeiten.

Bei schönem Wetter wurden am nächsten Tag schließlich die letzten zehn Kilometer bis zum Titisee zurückgelegt, wo dann doch noch gebadet werden konnte. Unterwegs pflückten die Mädchen Wildkirschen, fütterten Ziegen und verspeisten das letzte Proviant.

Im Bus zurück nach Hause sorgte eine Gruppe Fußballfans für einen turbulenten Abschluss der besonderen Reise.

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